Das Rote Wien

Mittwoch, 23. Februar 2011

Praterstern neu: wie die Gemeinde Geld auf der Straße liegen ließ

Joseph Gepp

Es war 2008, als der zweite Bezirk im Zuge der Fußball-EM fleißig ausgebaut wurde. Eines der Projekte: der Praterstern, dessen neues Flugdach und stählerne Pergola öffentliches Missfallen erregten. Architekt Boris Podrecca klagte damals im Falter über die zuständige MA 29 für Brückenbau. "Man hat als Architekt das Gefühl, ausgeschaltet zu werden. Sie machen mit dem Projekt, was sie wollen. Hier ist man nicht erwünscht“, so der Architekt 2008.

Nun scheint ein aktueller Bericht des Kontrollamts seine Kritik nachträglich zu bekräftigen. Die Prüfer nahmen sich die Finanzgebarung der MA 29 vor und stellten Unregelmäßigkeiten fest: So hätten beauftragte Firmen die Fertigstellung des Projekts um drei Monate verzögert; eine Pönale habe die Gemeinde jedoch nicht eingefordert, da die "Terminkontrolle“ zu wenig "transparent“ war. Möglicher Entgang: bis zu 270.000 Euro. Weiters sieht das Kontrollamt bei Nebenleistungen am Bau im Wert von 160.000 Euro Einsparpotenziale, die nicht genutzt wurden.

Laut MA-29-Sprecher Kurt Wurscher nehme das Magistrat die Kritik der Prüfer ernst. Die Fertigstellung jedoch habe sich eben wegen der Meinungsverschiedenheiten mit dem Architekten verzögert.

Erschienen im Falter 8/2011

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"In strengen Wintern gibt es schlicht mehr Feinstaub“

Joseph Gepp

Wiens Feinstaubwerte klettern in gefährliche Höhen (siehe Falter 7/11) - SPÖ-Umweltstadträtin Ulli Sima nimmt dazu Stellung.

Falter:
Frau Sima, Wien hatte 2010 den zweithöchsten Feinstaubwert im deutschen Sprachraum. Warum?

Ulli Sima: 2010 waren die Werte in ganz Europa hoch. Studien zeigen, dass es in strengen Wintern mehr Feinstaub gibt. Wenn Sie sich aber die Jahresmittelwerte seit den 90ern anschauen, sehen Sie, dass die Belastung in Wien eindeutig rückläufig ist.

Was tun Sie gegen den Feinstaub?


Sima: Unsere Studien zeigen, dass ungefähr drei Viertel importiert sind. Den Rest machen wir uns selber. Hier gibt es etwa eine Partikelfilterpflicht für Baumaschinen. Oder die Reduktion des Streusplitts von 130.000 Tonnen 1995 auf rund 3000 letzten Winter. Oder das Fahrverbot für die Euro-0-Lkws, die ganz alten Stinker.

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2010 war ein schlechtes Feinstaubjahr, sagt SPÖ-Umweltstadträtin Ulli Sima (Foto: Gemeinde Wien)


Aus den Ergebnissen liest man aber, dass vor allem der Verkehr den hausgemachten Teil des Feinstaubs aufwirbelt. Die höchste Belastung gab’s nahe Gürtel, Tangente und Triester Straße.


Sima: Der Verkehr macht rund ein Viertel des hausgemachten Feinstaubs aus. Aber 2010 lag sogar die Messstelle Illmitz im Burgenland über den 35 Überschreitungstagen, die die EU erlaubt. So schlecht waren die Werte.

Nahe Gürtel und Tangente waren sie aber noch viel schlechter.


Sima: Ja, Illmitz zeigt nur, dass 2010 schon die Grundbelastung enorm war. Wenn noch Verkehr, Hauswärme und so weiter dazukommen, ist die Überschreitung schnell sehr hoch.

Was wird im geplanten dritten Maßnahmenpaket stehen?


Sima: Dazu kann ich noch nichts sagen, außer, dass wir bei allen Emittenten, Verkehr, Bauwirtschaft, Hauswärme und Industrie, ansetzen werden.

Wann wird Wien den EU-Höchstwert von 35 Tagen im Jahr erreichen?


Sima: Schwierig zu sagen. Vor 2010 waren wir schon wesentlich besser. Wichtig wäre es, mit konkreten Förderungen auch in östlichen Nachbarländern anzusetzen.

Erschienen im Falter 8/2011

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Mittwoch, 16. Februar 2011

Dicke Luft im sauberen Wien: das Feinstaubdilemma

Nicht nur Graz, auch Wien erstickt zunehmend im Feinstaub. Wer trägt die Verantwortung für die hohe Umweltbelastung?

Bericht: Joseph Gepp

Auf dem Belgradplatz, einem Beserlpark nahe der Triester Straße, steht eine Hütte mit Stahlzylinder auf dem Dach. Darin befindet sich eine von 13 Messstellen, die Wiens Feinstaub registrieren. 87 Mal schlug sie vergangenes Jahr an. Der Belgradplatz weist somit die zweithöchste Belastung im deutschen Sprachraum auf - höher als etwa Berlin oder Ruhrstädte, überboten nur vom Stuttgarter Neckartor.

Feinstaub entsteht durch Treibstoffe, Heizmaterial, Reifenabrieb oder Streusplitt. Ab 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft drohen Asthma, Kreislauferkrankungen und Allergien. In Österreich legt das Gesetz fest, dass der Höchstwert an nur 25 Tagen pro Jahr überschritten werden darf - eine Steilvorlage, wie dieser Tage Graz zeigt. Dort war schon Anfang Februar das Jahreskontingent aufgebraucht. Graz liegt jedoch in einem Talkessel, wo die verschmutzte Luft kaum entweichen kann.

Und Wien? 14 Mal hat die Stadt heuer bereits den Höchstwert überschritten. 2010 lag die Belastung sogar über dem geografisch exponierten Graz. Der Green City Index, das Umwelt-Ranking europäischer Städte, preist Wien zwar in Sachen Energie und Wasser - bei der Luftqualität findet sich die Stadt, die gern mit ihrer Sauberkeit wirbt, abgeschlagen auf Platz zehn.

feinstaub
Feinstaubmessstelle am Belgradplatz
Foto von Heribert Corn

Wie kommt es dazu? Im Büro von Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) gibt man äußeren Faktoren die Schuld. Zwar müssten noch mehr "Hausaufgaben gemacht“ werden. Aber vor allem die Witterung und Abgase osteuropäischer Fabriken würden Tonnen an Feinstaub nach Wien wehen .

Der Luftexperte Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt bestätigt, dass die Belastung in langen, kalten Wintern ansteige. Und tatsächlich führe Wiens Lage dazu, dass Schadstoffe aus ganz Mitteleuropa hier landen. Rund die Hälfte der Feinstaubbelastung sei - wenn überhaupt - nur durch eine europaweite Koordination beeinflussbar, sagt Schneider.

Und die andere Hälfte? Die sei ein "Auftrag an die Stadtregierung, mehr zu tun“, so der Fachmann. Im Jahr 2005 hat das Rathaus etwa die Winterstreuung und den Staub auf Baustellen reduziert. Der größte Produzent des Feinstaubs wird jedoch geschont: das Auto.

Entgegen dem europäischen Trend nimmt der Pendlerverkehr in und nach Wien noch immer zu. Die höchstbelasteten Zonen liegen deshalb am Gaudenzdorfer Gürtel, nahe der Simmeringer Südosttangente und am Belgradplatz, wo neben der nahegelegenen Triester Straße auch noch eine benachbarte Baustelle staubt. Am saubersten ist Wiens Luft übrigens in der Lobau und im Währinger Schafbergbad.

Die Zahlen zeigen zwei Dinge: Erstens wäre Wien trotz Witterung und Ostindustrie durchaus in der Lage, Feinstaub zu reduzieren. Zweitens gehen Umweltprobleme mit sozialen Problemen einher. Wo der Feinstaub am dichtesten ist, ist der Lebensstandard niedrig. In billigen Erdgeschoßwohnungen gesellen sich zum Staub auch Lärm und schlechte Bausubstanz.

Nun will die EU Österreich zu Reformen drängen. Bis Mitte Juni gibt die Europäische Kommission den Mitgliedsstaaten noch Zeit, die Feinstaubwerte einzudämmen. Sonst drohen Strafen in der Höhe von 300.000 Euro - pro Überschreitungstag.


Laut dem Green City Index, der Europas Städte in Umweltdingen
vergleicht, liegt Wien hinter Kopenhagen, Stockholm und Oslo
auf dem vierten Platz - und steht damit sehr gut da. Besonders
gelobt werden Wasserqualität und erneuerbare Energie.
Schwachpunkte sind die CO2-Belastung (Platz 8) und v. a. die
Luftqualität (10)

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Mittwoch, 12. Januar 2011

Schöne neue Stadt

Wiens Grüne waren schon immer eine Partei konkreter Projekte. Jetzt werden sie alle realisiert. Oder nicht?

Bericht: Joseph Gepp


"Das Schneckentempo ist das normale Tempo jeder Demokratie“, pflegt Deutschlands Altkanzler Helmut Schmidt zu sagen. Und: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“

Die Grünen würden diesen Worten wohl nicht uneingeschränkt beipflichten. Denn sie waren immer weniger Realpolitiker als Visionäre. Oder, weniger visionär gesagt: Anhänger konkreter Projekte. Vom 25-Schilling-Benzinliter im Jahr 1990 bis zum gemeinsamen Planungsressort für Wien, Niederösterreich und Burgenland 2002 - stets wollte die Partei mit mehr oder weniger utopischen Ideen die Welt besser machen. Die Konkretheit wurzelt in den späten 70er-Jahren, als die nachmaligen Grünen in Form einzelner Bürgerinitiativen gegen ganz bestimmte Vorhaben kämpften, etwa Zwentendorf oder Hainburg.

Überbordender Gestaltungswille muss aber nicht immer Vorteil sein für Politiker einer Demokratie. Denn für sie gilt es, Interessen sorgsam auszutarieren. Sie müssen Wünsche gegeneinander aufrechnen, damit niemand leer ausgeht. Und die kleine Differenz, die am Ende übrigbleibt, nennt man dann gesamtgesellschaftlichen Fortschritt.

Wer dagegen mit dem Anspruch auf Umwälzung antritt, scheitert oft. Das kann den großen internationalen Hoffnungsträger Barack Obama treffen. Oder Wiens kleine Grünen?

Vor mittlerweile acht Wochen wurde eine Wiener Landesregierung mit grüner Beteiligung angelobt. Parteichefin Maria Vassilakou bekleidet darin das Amt der Stadträtin für Verkehr, Stadtplanung, Klimaschutz und Energie. Ihr SPÖ-Vorgänger Rudolf Schicker musste als roter Klubchef in den Landtag.

Damit haben die Grünen in der ersten rot-grünen Koalition der Stadt eine Funktion übernommen, deren Erfolgsquote und deren grünen Gehalt man sehr leicht messen wird können. Denn etliche Ideen, die in der Vergangenheit propagiert wurden, haben die Wählererwartungen hochgeschraubt und halten nun als Wegmarken her.

Der Posten des Wiener Planungsstadtrats verfügt zwar über Einfluss und Gestaltungsmöglichkeit. Dennoch werden viele Projekte nicht einfach oder nur mit Abstrichen zu realisieren sein. Denn zum einen ist Maria Vassilakous neues Ressort zwischen den Zuständigkeiten von Bund und Bezirken zerrissen, von den Interessen Niederösterreichs tangiert, von den Vorgaben des Koalitionspartners beschränkt. Zum anderen tauchen nun, wo die Grünen Regierungsmacht innehaben, neue Einfluss- und Interessengruppen auf, die vormals außerhalb grüner Sphären lagen. Zum Beispiel Autofahrer, wie vor Weihnachten ein Vorgeschmack auf Bezirksebene zeigte: SPÖ, ÖVP und FPÖ vereinten sich gegen den grünen Bezirksvorsteher Blimlinger, der die Gardegasse am Spittelberg in eine Fußgängerzone verwandeln will.

"Bei manchen Vorhaben werden sich die Grünen gegen die Interessen von Bauwirtschaft und politischem Apparat schwertun“, sagt der kritische Stadtplaner Reinhard Seiss. "Aber ich glaube an eine andere Kultur von Kommunikationsabläufen und Entscheidungsfindungen, als sie unter Schicker der Fall war. Ich denke, dass Beschlüsse für betroffene Bürger nicht mehr so plötzlich daherkommen und intransparent wirken werden wie zuvor.“ Dazu müssten die Grünen aber auch, so ein Partei-Insider, "sichtbare Ergebnisse in der Stadt“ liefern. "Aber das wird uns die SPÖ, die die Koalition ja auch will, schon allein aus Eigennutz nicht versagen.“

Nach sechs Wochen Rot-Grün ist es zu früh für Ergebnisse. Nicht aber, um an grüne Ideen zu erinnern und zu fragen, wie es nach dem unerwarteten Regierungsantritt mit ihnen weitergeht. Sechs grüne Projekte im Wirklichkeitstest (siehe unten).


Von Gratisrad bis autofrei: was
bisher zwischen Rot und Grün geschah


:: Hundert Prozent Opposition waren die Wiener Grünen auch vor dem Regierungsantritt vor sechs Wochen nicht. Schon seit einem Jahrzehnt arbeiteten sie mit der absolut regierenden SPÖ bei rund 40 verschiede-nen Vorhaben zusammen. Treiben-de Kräfte waren damals Parteichef Christoph Chorherr auf der grünen und der damalige SPÖ-Klubchef und heutige Bildungsstadtrat Christian
Oxonitsch auf roter Seite.

Eines der Projekte, das sogar international Lob einheimste und von anderen Städten kopiert wurde, war das Citybike – wenn auch nach großen Anlaufschwierigkeiten, weil sich die erste Tranche der Räder (jene ohne Bankomat-Karte) zuweilen im Donaukanal und auf rumänischen Lastwägen wiederfand. Ebenfalls erfolgreich ist seit 1999 Wiens autofreie Siedlung in Floridsdorf. In den Wohnblocks
sind Wohnzufriedenheit wie Geburtenrate gleichermaßen hoch.
Weitere Projekte waren etwa Europas größtes Biomassekraftwerk in
Simmering und der 2005 gegründete partizipative Fernsehsender Okto.

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Autofreie Siedlung in Floridsdorf (Foto: Heribert Corn)

Erst kurz vor der Wienwahl im Oktober wurde schließlich das letzte rot- grüne Projekt vollendet: der „Wiental-Highway“ für Radfahrer am Wienfluss. Nach demselben Konzept soll auch der geplante Radweg in der Brigittenau entstehen (siehe ganz unten).


Sechs Projekte

Umland
Niederösterreich, so nah: die Bim aufs Land hinaus


express
(alle Renderings: Grüne Wien)

Wiens täglicher Verkehrsinfarkt findet am Stadtrand statt, wo die Autobelastung in zehn Jahren teils im zweistelligen Prozentbereich gestiegen ist. Grund: Öffis enden meist an der Stadtgrenze, tatsächlich aber geht der Ballungsraum Wien mit 2,4 Millionen Einwohnern weit darüber hinaus. Die Grünen fordern deshalb seit Jahren vier schnelle Straßenbahnlinien nach Mödling, Großenzersdorf, Wolkersdorf und, zuerst, Schwechat. 20 Millionen Euro würde das je Linie kosten. Betreiber wäre, wie bei der Badner Bahn, die Wien-Holding.

Bei der SPÖ sei man in Sachen Super-Bim durchaus auf Gegenliebe gestoßen, berichtet Grün-Gemeinderat Rüdiger Maresch. Entsprechend steht das Projekt unter "Entwicklungsmöglichkeiten der Lokalbahnen“ im Koalitionsvertrag. 2011 werde eine Studie die Streckenführung und Finanzierung klären, sagt Maresch. Danach liegt der Ball bei St. Pölten, das zustimmen und zuzahlen muss.

Dort, im Büro des ÖVP-Planungslandesrats Johann Heuras, weigert man sich allerdings auf Falter-Nachfrage zuerst, überhaupt an die Existenz eines derartigen Projekts zu glauben. Später heißt es: "Wir schließen nichts aus, aber von uns gibt es keinen Plan und keine Forderung in diese Richtung.“

Laut Maresch geht die Schwechat-Linie 2015 in Betrieb - "wenn sich St. Pölten nicht querlegt“.


Josefstadt
Josefstädter Straße fußläufig: eine Bezirksmitte ohne Autos

Josefstaedterstrasse-Visualisierung

Auf bunten Grafiken ist die grüne Zukunft schon angebrochen: Da heißt die Drogeriekette Bipa "Bio“, und nur ein vergessener Richtungspfeil zu einer Parkgarage kündet von der schlechten alten Zeit (siehe oben).

Dabei haben die Grünen den achten Bezirk im Herbst wegen interner Streitigkeiten an die ÖVP verloren. Deren neue Vorsteherin Veronika Mickel, 32, fürchtet um Parkplätze und kann sich für die grüne Idee einer Fußgängerzone Josefstädter Straße "höchstens an Weihnachtsfeiertagen“ begeistern.

Daher werde aus dem Projekt in dieser Legislaturperiode wohl nichts mehr, meint der grüne Bezirksparteiobmann Alexander Spritzendorfer - auf der Grafik ist er übrigens der Mann im blauen Hemd. Auch das Koalitionsabkommen erwähnt das Vorhaben nicht, dessen Realisierung jedenfalls eine eindeutige Willensbekundung des Bezirks voraussetzen würde. "Aber wir sind ja im Achten immer noch ziemlich stark“, sagt Spritzendorfer, "und bilden zusammen mit der SPÖ die Mehrheit.“

Diese will der Obmann nun nutzen, um einige Vorab-Maßnahmen zur autofreien Josefstädter Straße zu treffen. So soll etwa eine Grätzelbefragung den Willen des Volkes betreffend Fußgängerzone erheben. Dennoch: Das Projekt scheint in weite Ferne gerückt.


Neubau
Bobovilles Energiewende: Der Siebte wird sauber

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Vor der Wienwahl präsentierten die Grünen sehr konkret pro Bezirk ein Öko-Projekt. Für Neubau forderte man die flächendeckende Einführung von Elektromobilität: Stromtankstellen mit Solarpaneelen und billige E-Leihräder sollten eine Mini-Energiewende in Wiens alternativ-schickem Siebten einläuten.

Diese ist grünes Heimatland, verfügt der Bezirk doch seit 2001 mit Thomas Blimlinger über einen grünen Bezirksvorsteher. Warum wurde das Projekt dann nicht längst durchgezogen? Dazu seien eine Finanzierung durch das Rathaus und möglicherweise eine Kooperation mit privaten Firmen Voraussetzung, antwortet Blimlinger.

Immerhin findet sich die Idee, wenn auch ziemlich verwaschen, im Koalitionspapier wieder, laut dem die "generellen Potenziale der E-Mobilität für Wien“ evaluiert werden sollen - ein Weg, den schon die vorherige SPÖ-Alleinregierung beschritten hat, etwa mittels Förderungen bei E-Bike-Käufen.

Was Neubau betrifft, hat der Bezirk im vergangenen Sommer zusammen mit einer Linzer Firma ein kleines Pilotprojekt am Siebensternplatz durchgeführt. Von dieser möglichen Partnerschaft abgesehen, ist aber kaum etwas fixiert. Trotzdem will Bezirkschef Blimlinger das Projekt in fünf Jahren realisiert haben.


Innenbezirke
Aus Bus mach Bim: 13A soll 13er werden

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Journalisten nennen sie die "meistgehasste Buslinie Wiens“. Und tatsächlich ist eine Fahrt im 13A zwischen Alser Straße und Südbahnhof meist unangenehm: Er ist brechend voll und zwängt sich durch haarsträubend enge Gassen - es sei denn, diese werden gerade wieder von Autos blockiert. Die Grünen wollen den infrastrukturellen Missstand seit Jahren mit einem Rückgriff auf alte Zeiten beheben: Aus dem 13A soll wieder eine Straßenbahn 13 werden, wie das bis 1961 der Fall war.

Der rote Partner habe sich aufgeschlossen gezeigt, berichtet Koalitionsverhandler Rüdiger Maresch. Und so steht der geplante 13er fast ausdrücklich im Koalitionsabkommen: "Bei besonders überlasteten Buslinien“ würden "schienengebundene Verkehrsmittel“ geprüft - "in Abstimmung mit den Bezirken“.

Dieser Zusatz jedoch hat es in sich: Der 13A führt durch die Bezirke 4 bis 8, also durch rotes, grünes und schwarzes Land. Hier schlummern Widerstandsnester. So fürchtet Josefstadts ÖVP-Bezirksvorsteherin Mickel "Parkplatzvernichtung“ - ohne die sich Schienen schwer verlegen lassen.

Nun wollen die Grünen als ersten Schritt bei den Wiener Linien eine Studie beauftragen. Trotz aller Widerstände stufen Insider und Verkehrsexperten die Realisierungschance der Linie 13 in dieser Legislaturperiode als hoch ein.


Neubau/Mariahilf
Geteilter Raum: Mariahilfer Straße für alle


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"Shared Space“ heißt die niederländische Erfindung, die progressive Städterherzen derzeit höher schlagen lässt: Ein Straßenraum ohne Niveauunterschiede und Markierungen soll gleichwertig allen Verkehrsteilnehmern dienen. Kommunikation statt Regeln vereint Autos, Fußgänger, Radler und Öffis in Frieden - so lautet der Anspruch. Seit September gibt es in der steirischen Kleinstadt Gleinstätten den ersten Shared Space Österreichs.

Neubaus Bezirkschef Blimlinger fordert einen für Abschnitte der inneren Mariahilfer Straße. Damit will er zweierlei erreichen: dass das Einkaufserlebnis angenehmer wird und Autos nicht in Blimlingers benachbarten Siebten abgedrängt werden.

Das Koalitionsabkommen nennt das Vorhaben dezidiert, allerdings als Fußgängerzone, nicht als Shared Space. Diese Variante wird von Mariahilfs SPÖ-Vorsteherin Renate Kaufmann ebenso wie von den Geschäftsleuten der Mahü bevorzugt. "Fleckerlteppich“ nennt deren Vorsitzender Adolf Brenner einen Shared Space, der Fußgängerzone stehe er "positiv abwartend“ gegenüber. Experten sehen Potenziale für Shared Spaces eher in Kleinstädten und ohnehin ruhigen Zonen als in vollen Innenstadtstraßen.

Wie auch immer: Verändern wird sich die Mariahilfer Straße in den kommenden Jahren auf jeden Fall.


Brigittenau
Mit dem Fahrrad oder zu Fuß: eine zweite Hauptallee

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Von der "Brigittenauer Hauptallee“ existiert noch keine Grafik. Die Darstellung oben zeigt das Vorbildprojekt in New York, den High Line Park auf der Trasse einer stillgelegten Bahnlinie aus den 30er-Jahren

Die Idee, erzählt der grüne Verkehrssprecher Christoph Chorherr, sei ihm 2008 auf einer Radtour gekommen: Durch die komplette Brigittenau ziehe sich eine sieben Meter breite Schienentrasse, die bald aufgegeben werde. An ihrer statt soll ein Weg Radfahrern und Fußgängern dienen. Er beginnt beim Donaukanal und führt über das Nordwestbahnhofgelände zum Praterstern, wo der "Highway“ in die Prater-Hauptallee einmünden soll. Von einer "Tangente“ spricht Chorherr, einer "Brigittenauer Hauptallee“, die die gesamte Gegend rundherum aufwerten soll.

Was wurde aus der Idee? Immerhin steht sie ausdrücklich im Koalitionsvertrag, sofern die "budgetären Rahmenbedingungen“ stimmen. Alles Weitere aber hängt an den ÖBB. Sie müssen den noch laufenden Nordwestbahnhof erst auflassen, damit dort ein geplanter neuer Stadtteil entstehen kann - samt Radweg. Dieser Schritt wird aufgrund klammer Finanzen regelmäßig nach hinten verschoben. Derzeit ist er für 2015 bis 2017 vorgesehen.

Momentan, erklärt Chorherr, sei man demnach damit beschäftigt, Voraussetzungen zu klären.

Erschienen im Falter 1-2/2011

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Mittwoch, 17. November 2010

Da lacht die neue Macht

Die Grünen treten an, als Regierungspartner Wien zu verändern - ohne große Knaller, aber mit vielen kleinen Überraschungen

Analyse: Stefan Apfl, Joseph Gepp, Nina Horaczek


Monika Vana hat das Motto des Tages um die Schulter hängen. Die grüne Gemeinderätin trägt eine Tasche, auf der in fetten Lettern "staatstragend“ steht.

Genau so präsentieren sich die Wiener Grünen auf ihrer Landesversammlung vergangenen Sonntag. Die Brust stolz geschwellt, den Kopf hoch erhoben marschieren die grünen Funktionäre zur Versammlung, um Rot-Grün abzusegnen. Von "einem historischen Moment“, von einer "neuen Zeitrechnung“ wird die Rede sein, ehe 338 Grüne für den Pakt der Wiener Parteichefin Maria Vassilakou stimmen - und nur vier dagegen.

Auch die Wiener SPÖ scheint sich nach dem Verlust der absoluten Mehrheit nun doch auf den neuen Juniorpartner zu freuen. Im Gegensatz zu den Grünen waren Journalisten beim entscheidenden Ausschuss nicht erwünscht, und auch die Diskussion kann so lebhaft nicht gewesen sein: Sie endete nach nicht einmal zwei Stunden mit 100 Prozent Zustimmung. Ein Indiz für die Unterschiedlichkeit der politischen Kulturen, die Wien nun fünf Jahre lang gemeinsam regieren werden.

In der Bildungspolitik, bei der Armutsbekämpfung, beim Verkehr, in der Energiepolitik soll es eine spürbare Wende geben. Was aber taugen die großen Worte von der "neuen Zeitrechnung“, was ist das gegenseitige Lob wert, was der "historische Koalitionsvertrag“, wie Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ihn nannte?

Kurz gesagt: Revolutionen sehen anders aus. Stattdessen wird die Stadt durch verschiedene kleine und größere Projekte ökologischer, sozialer - und vielleicht auch weltoffener. Und man kann schon jetzt prophezeien, dass sich die politischen Diskussionen nicht nur um andere Themen drehen werden. Sondern dass sich auch die Art des Diskurses ändern wird. War während des Wahlkampfs das Thema Sicherheit noch allgegenwärtig, so war davon seit Beginn der rot-grünen Verhandlungen nichts mehr zu hören. Auch im Koalitionspapier kommt "Sicherheit“ nur am Rande vor: auf einer Seite, ganz weit hinten.

Auffällig ist hingegen der starke Fokus auf Kinder im Regierungsprogramm. "Ich habe eine Sehnsucht nach einer Stadt, in der kein Kind zurückgelassen wird“, formuliert es Vassilakou auf der grünen Landesversammlung. Unter Rot-Grün soll kein Wiener Kind in Armut leben. Eine hehre Aufgabe, behauptete doch der von den Wiener Grünen präsentierte Wiener Armutsbericht, jedes vierte Kind sei arm.

Die wesentlichste Sozialmaßnahme ist die Anhebung der Mindestsicherung für Kinder von österreichweit 134 auf 200 Euro in Wien. Dazu sollen an Wiener Schulen flächendeckend Sozialarbeiter engagiert werden. Laut Regierungsprogramm wird bis 2015 in jedem Bezirk zumindest eine Ganztagsschule entstehen.

Die von Vassilakou bei der Präsentation des Koalitionspakts angekündigten 500 zusätzlichen Begleitlehrer kommen nicht. Da hat die grüne Parteichefin die Zahlen verwechselt. Fixiert wurde, dass zusätzlich zu den momentan 500 Begleitlehrern der muttersprachliche Unterricht ausgebaut wird. Auf eine konkrete Zahl haben sich SPÖ und Grüne aber nicht festgelegt.

Für Kinder aus armen Familien kommt der Nachhilfelehrer gratis in die Schule. Diesen Job sollen angehende Lehrer übernehmen und so Praxispunkte sammeln. So zumindest der Plan. Wie überhaupt vieles im neuen Programm vage bleibt; bei etlichen Maßnahmen sind Umsetzung und Finanzierung unklar.

Auch im Kindergarten findet bis zum Ende dieser Regierungsperiode zumindest die Hälfte aller Wiener Ein- bis Dreijährigen ein Plätzchen. Dazu gibt’s noch einige Soft-Themen, um die Herzen der Eltern und Kinder zu gewinnen: Jährlich werden 40 Kinderspielplätze "den neuesten Trends entsprechend“ ausgebaut werden, pro Bezirk kommt ein "Schulgarten“ und ein "Grätzelgarten“ zum Gemüseanbauen für Anrainer.

Anderes klingt zwar revolutionär, wird aber Vision bleiben. Die flächendeckende Gesamtschule zum Beispiel. "Wir haben sämtliche Landeshauptleute auf unserer Seite“, sagt Michael Häupl wenige Minuten nach der Vertragsunterzeichnung im roten Salon des Rathauses, während er mit Vassilakou auf das Verhandlungsergebnis anstößt. Allerdings bräuchte Wien für so ein Schulprojekt nicht die Landeshauptleute, sondern eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Und die ÖVP will von so einer "Eintopfschule“ nichts wissen. Es sind diese Momente der vergangenen Tage, in denen nicht ganz klar ist, ob Rot-Grün nun visionär oder illusionär ist.

Die Grünen setzen ihren Schwerpunkt für die nächsten fünf Jahre aber woanders. Vassilakou wird Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Verkehr, Stadtplanung, Klimaschutz und Energie. Es geht für die Grünen also zurück zum Ursprung, der ja in der Ökologiebewegung lag. Allerdings hat das Ressort zwei Defizite: Obwohl die Verantwortung für Verkehr und Energie bei Vassilakou liegt, gibt die SPÖ Wien Energie und Wiener Linien nicht her. Die Grünen müssen ein zentrales Wahlversprechen zurücknehmen: Statt des versprochenen 100-Euro-Jahrestickets kommt bis 2011 eine Öffi-Tarifreform.

Im Verkehrskapitel steht, dass die neue Stadträtin bis 2015 ein Drittel weniger Autos durch Wien kurven und dafür doppelt so viele Wiener durch die Stadt radeln sehen will. 40 Prozent der Wiener sollen mit Bus und Straßenbahn unterwegs sein.

Das klingt ambitioniert, aber ist es das auch? Schon der Wiener "Masterplan Verkehr“ aus dem Jahr 2003 proklamierte eine Verlagerung von Autos zu Öffis im Stadtverkehr. Und schon jetzt werden 35 Prozent aller Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht. Selbst wenn es gelingt, den Fahrradanteil von fünf auf zehn Prozent zu verdoppeln, ist Wien noch lange nicht Fahrradhauptstadt Europas. Durch München kurven dreimal mehr Radler, durch Kopenhagen gar sechsmal so viele - das sind Zahlen, die die rot-grüne Zielvorgabe von zehn Prozent alt aussehen lässt.

Ob die Grünen diese Verkehrsziele erreichen, hängt nicht nur von Vassilakous Geschick, sondern vor allem von der Arbeit in den Bezirken ab. Denn das Stückwerk an Radwegen, das vielen Radlern so sauer aufstößt, ist ebenso Bezirkssache wie das Radeln gegen die Einbahn.

Was Autos betrifft, wurde ein grünes Projekt schon vor der Wahl abgeschossen: Die City-Maut ist laut Regierungsprogramm "nicht vorgesehen“. Denn die haben die Wiener Anfang 2010 in einer Volksbefragung abgelehnt. Also soll das Pendlerproblem - zwei Drittel der 210.000 Pendler überqueren täglich die Stadtgrenze im Auto - mit Parkpickerln in den Außenbezirken gelöst werden. Diese Maßnahme trifft aber kein Bezirkskaiser gerne - doch die müssten zustimmen.

Leichter als bei den Autos taten sich Grüne und SPÖ in der Integrationspolitik. Dort geht es nämlich - fast - so weiter wie zuvor. Projekte wie "Start Wien“, die Niederlassungsbegleitung für Einwanderer, werden ebenso beibehalten wie "Mama lernt Deutsch“. Neu hinzu kommt ein "Wiener Vertrag“, den Einwanderer künftig unterzeichnen sollen. Es werde eine Art "wir freuen uns, dass ihr da seid, aber ihr müsst auch Regeln einhalten“, beschrieb die grüne Parteichefin den geplanten Integrationsvertrag.

Dafür gab es woanders einiges zu streiten. Beim sogenannten "kleinen Glücksspiel“, also den Spielautomaten, wünschten sich die Grünen ein Wien-weites Verbot - und scheiterten. Umweltsprecher Rüdiger Maresch versuchte den Roten die Schließung des Flötzersteigs schmackhaft zu machen. Eine Müllverbrennungsanlage im Wohngebiet ist aus grüner Sicht ein No-go. Geeinigt hat man sich auf Initiativen zur Müllvermeidung. Auch ein "Bürgerinitiativen-Fonds“, der sicherstellen sollte, dass NGOs um Förderungen nicht betteln müssen, fand keine rote Zustimmung. Selbst bei der Bitte der Grünen, die Trophäenjagd im Lainzer Tiergarten abzuschaffen, blieb die SPÖ hart.

Während der Verhandlungen war die Stimmung kurz am Boden, weil die Stadt die Wagenburg räumen ließ. Um die Laune der Ökos zu heben, stimmten die Roten einer "Agentur für Zwischennutzung“ zu, die "Freiräume und Zwischennutzungen von leerstehenden Gebäuden und Baulücken“ ermöglichen soll. Auch die verpflichtenden Bürgerbefragungen zu Garagenprojekten ist nicht das, was sich die Roten unter Politik vorstellen.

Dann wurden Dinge einfach ausgeklammert, das Thema Prostitution zum Beispiel. Da scheiterten die beiden Partner schon daran, wie man Dinge ausdrückt. "Für uns sind das Sexarbeiterinnen“, sagt die neue grüne Gemeinderätin Martina Wurzer. Die Wiener SP-Frauen setzen lieber auf Druck auf die Männer. Also ließ man das Thema aus dem Pakt heraus.

Es gibt also genug Potenzial für Konflikte. Bei manchen Punkten wird sich erst zeigen, ob Rot und Grün dasselbe meinen. So wird das Institut für Zeitgeschichte alle nach Personen benannten Orte überprüfen. Nur was passiert danach? Gleich neben dem Rathaus droht der erste Disput. Den Dr.-Karl-Lueger-Ring, benannt nach dem früheren Wiener Bürgermeister und Antisemiten Lueger, wollen die Grünen schon lange umbenennen. Die SPÖ legte sich quer. Bei geplanten Denkmälern, eines für Deserteure, eines für homosexuelle NS-Opfer möchten die Grünen prominente Plätze, mancher Rote hätte sie lieber etwas im Abseits.

Was Rot-Grün verändern wird, ist wohl den "Spirit der Stadt“, wie es der frühere Grünpolitiker Johannes Voggenhuber vergangenen Sonntag in der ORF-Diskussion "Im Zentrum“ ausdrückte. Nun werde Wien Stück für Stück nach links rücken. Bis das rot-grüne Lüftchen auch im tiefsten Gemeindebau ankommt, wird es aber wohl noch dauern. Einen Vorgeschmack auf die große Erwartungshaltung gab es schon am Tag der Verkündung der neuen Koalition. Da liefen im grünen Rathausklub die Telefone heiß. "Warum sind die Öffis noch nicht billiger?“, klagten dutzende Anrufer - nicht nur Öko-Wähler, wie eine Mitarbeiterin erzählt.

Die Grünen können neue Wählerschichten erschließen - aber auch alte Freunde verlieren. Die Erwartungen an die Ökopartei sind hoch. Gleichzeitig haben sie mit der SPÖ ein Sparbudget vereinbart. Ihren vielleicht wichtigsten Test der kommenden Legislaturperiode haben die Grünen im Hinblick auf Wiens dutzende Bürgerinitiativen zu bestehen - sozusagen ihren Heim-Soziotopen. Die Augarten-Besetzer sind schon vergrämt. Vassilakou erklärte nämlich, da seien durch den Baubeginn bereits Fakten geschaffen. "Wir beobachten ein gravierendes Beispiel dafür, wie Idealpolitik zu Realpolitik wird“, sagt eine Sprecherin der Augarten-Initiative.

Wo alte Freunde sich abwenden, kommen neue dazu. Tagelang verhandelte der grüne Umweltsprecher Rüdiger Maresch mit der roten Umweltstadträtin Ulli Sima, feilschte um Elektrofahrzeuge, Solaranlagen oder neue Parks. Als die Verhandlungen abgeschlossen waren, bekam Maresch ein Mail. Der Inhalt: eine Facebook-Freundschaftsanfrage von Sima.

Erschienen im Falter 46/2010

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Mittwoch, 20. Oktober 2010

Die andere Seite

Die Donaustadt ist Wiens größter und am schnellsten wachsender Bezirk. Und obwohl dort kaum Migranten leben, wählt jeder Dritte FPÖ. Wie kann das sein? Eine Suche am anderen Flussufer

Reportage: Joseph Gepp

Weit draußen über der Donau, wo Fasane aus Böschungen flattern und Nebel über flachen Feldern hängt, steht die Schafflerhofsiedlung. Es sind Einfamilienhäuser mit Gärten, die sich einige rasterförmig angelegte Straßen entlangziehen. Kürzlich ist die Stadt hierher gekommen, findet Franz Höger. Er lenkt seinen roten Citroën im Schritttempo durch die Straßen und zeigt, was er damit meint.

Höger, 63, ist pensionierter Techniker der Wiener Linien. Er trägt Schnurrbart, Bundfaltenhose, ein weißes Hemd lugt aus dem V-Ausschnitt seines Pullovers hervor. Er ist ein schlichter und ordentlicher Mann. Keiner, der Probleme macht. Aber das hier regt ihn auf.

„Schauen Sie!“ Er deutet aus dem Fenster. Nagelneue Gehsteige laufen die Gartenzäune entlang. „Gehsteige haben die hier angelegt. Für die wir bezahlen müssen und Grund abtreten.“ Auch sein eigenes Häuschen werde bald zum Gehsteig verdonnert, sagt er kopfschüttelnd. Den Ärger darüber durchsetzen Momente der Einsicht. „Gut. Wien ist eine Stadt. Und in einer Stadt müssen Gehsteige halt sein. Aber wer, frag ich Sie, braucht die denn hier?“

Städtische Gehsteige kommen ins ländliche Essling, einen Bezirksteil der Donaustadt, eine Busreise von der neuen U2-Endstation Aspernstraße entfernt. Und Franz Höger hat bei der Wien-Wahl vor einer Woche zum zweiten Mal in seinem Leben FPÖ gewählt. Auch deshalb, sagt er. Aber er fühlt sich dort generell angenommen. Und nicht nur er – in Högers Esslinger Wahlsprengel hat die FPÖ sogar die regierende SPÖ überholt.

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Noch fehlen in seiner Welt die Gehsteige: Franz Höger,
Pensionist und FPÖ-Wähler, in seiner Siedlung

Foto: Heribert Corn

Dabei sollte das alles überragende Erfolgsrezept der Freiheitlichen im fernen Essling nicht wirken. Migranten gibt es hier kaum. Keine Türkenkinder in Parks, keine Moscheen im Hinterhof, keine Sprachschwierigkeiten an Schulen. Woanders tobt der Kampf ums Abendland, hier tobt der Kampf um Gehsteige.

Etwas abgeschwächt gilt das Esslinger Paradoxon für den ganzen 22. Wiener Bezirk. Im flächenmäßig größten und mit 154.000 Einwohnern bevölkerungsmäßig zweitgrößten Bezirk hinter Favoriten haben 22,9 Prozent der Bewohner Migrationshintergrund. Das ist der drittniedrigste Wert hinter Liesing und Hietzing. Verdrängungsängste müsste es also keine geben. Dazu kommt der höchste Grünraumanteil Wiens; viele Bewohner wohnen im Eigenheim plus Garten. Zwölf Tage vor der Wahl eröffnete der Bürgermeister mit Pomp und Trara die neue U2-Verlängerung Aspernstraße. Kurz danach verlor die SPÖ in der Donaustadt zehn Prozent. Die FPÖ dagegen errang mit einem Drittel der Stimmen ihr viertbestes Ergebnis wienweit.

Die Donaustadt ist anders. Hier gibt es keine dicht aneinandergereihten Gründerzeithäuser wie auf der anderen Flussseite. Hier drängen sich stattdessen niedrige Bauernhäuser um Plätze, die oft „Hauptplatz“ heißen. Die Donaustadt ging aus Bauerndörfern des Marchfelds hervor, das einst bis hier herein reichte. Kagran heißen sie, Breitenlee, Stadlau, Aspern, Essling. Zwischen ihren alten Kernen steht wie Fugenmasse Neubau in Form von Reihen- oder Einfamilienhäusern, etwa Franz Högers Schafflerhofsiedlung. Die Donaustadt ist gewissermaßen die österreichische Form des US-Suburbs, der Eigenheimwüste am Stadtrand. Nur hat der 22. noch Acker übrig, aus dem Bauten sprießen können. Also wird das transdanubische Boomdorf größer. Baukräne drehen sich allerorten. In keinem Bezirk wächst die Bevölkerung schneller als in der Donaustadt. 20.000 Zuzügler oder 15 Prozent Zuwachs sind es seit 2001.

Die Reihen- und Einfamilienhäuser sind aber nicht die ganze Wahrheit. In manchen Teilen der Donaustadt zeigt sich auch das altbekannte Wiener Straßenbild. Altbaugrätzeln oder Gemeindebauten stehen zum Beispiel in Kagran, Gebäude in Glas- und Stahlarchitektur auf der Donauplatte. In diesen Vierteln ist der Migrantenanteil etwa gleich hoch wie im Rest der Stadt. Liegt hier das Erfolgsgeheimnis der FPÖ? Strahlen die Probleme dieser Orte aus bis in die Schafflerhofsiedlung? Vielleicht reüssiert die Rechte gar nicht so sehr im charakteristisch transdanubischen Suburb. Sondern dort, wo die Donaustadt ausschaut wie der Rest von Wien und mit täglichen Wiener Problemen kämpft.

Einen schönen Blick auf den Donaupark hat man von hier, sagt Josef Gerstmayer und zeigt aus seinem Fenster im dritten Stock. Darunter erstreckt sich groß und dichtbewachsen der Park, dessen Blätterdach nur der Donauturm durchstößt.

Josef und Christine Gerstmayer, IT-Konsulenten, Mitte 40, wohnen auf der Donauplatte, U1 Kaisermühlen. Im Schatten der gläsernen Türme, die seit den 90er-Jahren hier entstehen, hat man auch Genossenschaftsbauten gebaut. Die Fassade jenes, in dem die Gerstmayers wohnen, zieren Sprüche von H.C. Artmann. Draußen huschen Männer mit Krawatten zwischen Firmenportalen und U-Bahn hin und her.

gerstmayers
Nirgends ist der 22. Bezirk städtischer als hier: die
Gerstmayers auf der Donauplatte
(Corn)

Einst sollte die Donauplatte Mittelpunkt Transdanubiens werden, modernes Gegenstück zur Wiener Innenstadt. Heute ist vor allem von Planungsfehlern die Rede. Als Erfolg rathausgesteuerter Stadtplanung gilt das Neubauviertel nicht. Die Gerstmayers, die vor elf Jahren von südlich der Donau hierherzogen, beklagen die Unbelebtheit des Grätzels, den Lärm der Donauuferautobahn und den Wind, der zwischen den Türmen pfeift. Ein Fall für eine Protestpartei, sollte man meinen. Ein Fall für die FPÖ.

Aber im Gegensatz zu Franz Högers Essling konnte sie hier nicht Fuß fassen. In Gerstmayers Sprengel stimmten sieben Prozent für die Freiheitlichen. Dafür lagen die Grünen jenseits der 20. „Die haben sich von Anfang an für unsere Probleme stark gemacht“, sagt Josef Gerstmayer. „Aber auch davon abgesehen würden die Leute hier nicht FPÖ wählen. Obwohl es so ziemlich alle Migranten gibt, die man sich denken kann.“ Viele der Nachbarn arbeiten in der nahen Uno-City, ergänzt Christine. Oder zogen auch aus anderen Bezirken zu.

Will man also verstehen, warum die FPÖ in der Donaustadt trotz fehlender Migranten erfolgreich ist – auf der Platte ist man falsch. Vielleicht muss man stattdessen dorthin, wo klassische FPÖ-Themen als wichtiger erachtet werden. Wo die Rechtspopulisten der Sozialdemokratie angeblich scharenweise Wähler abjagen: in den Gemeindebau.

Wie eine Vorhut stehen beim Aufgang zur Kagraner Rennbahnwegsiedlung die Sozialbüros der Gemeinde für ein friedliches Miteinander. „Wohnpartner“ und „Nachbarschaftsbüro“ heißen sie hier. 8000 Menschen leben in den verrufenen Plattenbauten am Rennbahnweg, zwei U1-Stationen nördlich des Donauzentrums gelegen, gruppiert um eine verglaste Einkaufspassage. Sie beherbergt neben Penny-Markt und Café Plauscherl einen Kiosk, der zugleich als Greißler, Beisl und Treffpunkt alteingesessener Rennbahnweg-Bewohner dient.

rennbahnweg
70er-Plattenbau, sozialarbeiterisch betreut: die
Rennbahnwegsiedlung
(Corn)

Die Astra-Moden nebenan sind jetzt ein Kebabstand, klagt die Chefin, der Fleischhacker ist ein Wettcafé. Sie erzählt Geschichten, wie man sie in vielen Wiener Gemeindebauten hört. Am einzigen Tisch des Kiosks trinken Männer Wieselburger und steigen in die Debatte ein. In die Schulen darf man neuerdings keine Torte mehr zum Kindergeburtstag schicken, sagen sie, weil die Ausländer die Butter nicht wollen. Im Stiegenhaus lagen letztens aufgebissene Sonnenblumenkerne, eh klar. Und wer ein Geschäft eröffnen will, der setzt sich am besten gleich ein Kopftuch auf. Weil Steuern zahlen die Ausländer ja auch nicht.

Hin und wieder aber entwischen der Runde auch relativierende Töne. „Die Unsrigen führen sich auch auf“, räumt die Chefin einmal ein. Und: „Kinder abschieben ist schon brutal.“ Die Stimmung im Kiosk ist zwar ressentimentgeladen, aber nicht blanker Hass – was Fachleute auch der sozialarbeiterischen Betreuung zuschreiben, die die Gemeinde ihren Bauten angedeihen lässt. Sie zeigt sich auch im Wahlausgang: Trotz Verlusten errang die SPÖ am Rennbahnweg 54 Prozent. Wo also tatsächlich Migranten leben, wo sich tatsächlich prekäre soziale Situationen in Einsamkeit und Verwahrlosung äußern, dort können die Sozialdemokraten ihren eindeutigen Vorsprung halten. Der Rennbahnweg ist ein Gemeindebau wie andere, kein Donaustädter Spezifikum. Warum die FPÖ in der Donaustadt trotz fehlender Migranten dermaßen erfolgreich ist, erklärt er nicht.

Aber was erklärt es dann?

Nein, Probleme mit Ausländern gebe es in Essling keine, sagt Franz Höger, der Mann mit den Gehsteigen. Nach der Autofahrt sitzt er im Queen-Beisl im Dorfkern. Er kenne aber solche Schwierigkeiten von seiner alten Gemeindewohnung in Simmering. Höger erzählt von überfüllten Straßen, wenn die Moslems nach dem Freitagsgebet aus der Moschee traten. Straches „Wiener Blut“-Kampagne unterstützt er deshalb voll. Aber Ausländer in Essling? Nein, gar nicht.

Es sind andere Dinge, beginnt er. Die Gehsteige der Schafflerhofsiedlung. Die Lkw in seiner Gasse, die das ganze Wohnzimmer zum Beben bringen. Die Baugrube in der Nähe, die kürzlich so schlampig zuasphaltiert wurde, dass jetzt beim Drüberfahren das ganze Auto wackelt. Der Versuch vor Jahren, wegen seiner Simmeringer Wohnung einen Termin beim SPÖ-Wohnbaustadtrat Faymann zu bekommen. Die Bürgermeister Gratz und Zilk habe er noch persönlich gekannt, sagt Franz Höger. Faymann aber wollte und wollte ihn nicht empfangen.

Die Worte klingen nach Grätzelfrust und dem Gefühl, überhört zu werden. Sie klingen nach Ärgernissen, die plötzlich auftauchen und sich nie ganz verhindern lassen. Aber auch nach echten Problemen, für die Höger Lösungen fordert. Aber warum sucht er sie – gemeinsam mit so vielen anderen – bei der FPÖ?

Gerade hier, am nordöstlichen Stadtrand, wo Leute wie Höger in Einfamilienhäusern wohnen, zeigen Sprengelergebnisse den größten Erfolg der Rechtspopulisten. Nicht auf der Donauplatte und am Rennbahnweg, hier liegt die blaue Basis. Hier wurde die SPÖ ein-, gar überholt. Hier ist die FPÖ beispielsweise um rund zehn Prozentpunkte stärker als in Rudolfsheim-Fünfhaus, der ärmsten Gemeindeeinheit Österreichs mit 47 Prozent Migranten.

Es gibt eine große Verunsicherung im Bezirk, sagt fünf Kilometer entfernt Hans Randa, katholischer Pfarrer von Stadlau. Ein zwiespältiger Zustand greife um sich. Das sei nicht nur schlecht. Seit beispielsweise die U2 verlängert wurde, erreiche man die Innenstadt in einer Viertelstunde. Andererseits, sagt der Pfarrer, „wird hier versucht, etwas Dörfliches entstehen zu lassen“. Wie um zu verhindern, dass Stadlau immer näher an die Stadt rücke, gebe es immer öfter Adventpunschstände, Bauernmärkte oder Kirtage. Je mehr Stadlau Stadt wird, desto mehr will es Dorf sein.

Randa ist ein engagierter Priester; er leistet Sozialarbeit, kennt die Probleme vor Ort. Manche hier wissen nicht, wie ihnen geschieht, sagt er. Sie fürchten die Veränderung. Zum Beispiel, dass Stadlau eines Tages zur Kurzparkzone wird. „Und dann passiert irgendetwas mit Ausländern. Irgendeine Kleinigkeit in der Schule zum Beispiel“, sagt Randa. „Und plötzlich ist alles ganz klar.“

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"Einen zwiespältigen Zustand" ortet der Stadlauer Priester Hans Randa (Corn)

Nicht die Ausländer machen die Donaustädter zu FPÖ-Wählern – sondern der Wandel, die Veränderung, die Verstädterung. Die Gehsteige der Schafflerhofsiedlung. Der Bezirk steht zwischen Stadt und Land, „zwischen den Stühlen“, sagt Randa. Das schaffe eine verstörende Dynamik.

Wer diese Erfahrung aus der Donaustadt auf ganz Wien umlegt, erkennt, dass die FPÖ weniger von Migrantenanteilen und realen sozialen Problemen profitiert als von rasanter Bautätigkeit und Veränderungen im Straßenbild. Die größten Zugewinne gab es in Simmering, Favoriten, Floridsdorf und Donaustadt. Das sind allesamt Randbezirke, in denen viel gebaut wird, wo sich Stadtviertel ändern und ein großes Bevölkerungswachstum stattfindet.

In den Bezirken Ottakring, Rudolfsheim-Fünfhaus und Hernals dagegen – stark migrantisch geprägt – blieb die FPÖ unter den Erwartungen. Dort ist die Dynamik der Veränderung schwach. Diese Bezirke sehen seit hundert Jahren relativ gleich aus: Auf gürtelnahe Altbauten folgen in einiger Entfernung Cottageviertel. Da bleibt kein Platz für große Bautätigkeit und Zuzug.

Oder Liesing, 23. Bezirk: Hier leben noch weniger Migranten als in der Donaustadt, und die Bevölkerung ist einigermaßen wohlhabend. Allerdings ergaben Zuzügler aus zentralen Stadtteilen ein Bevölkerungswachstum von zehn Prozent seit 2001. Fazit: 28 Prozent wählen FPÖ.

Nicht Integrationspolitik ist also das rechte Erfolgsgeheimnis. Nicht das Ansprechen angeblich echter Probleme. Sondern die Angst der Menschen vor Wandel und Verstädterung. Wo die Zukunft eines Viertels noch ungewiss ist, wo die Stadt offen, formbar und wachsend ist – dort gewinnt die FPÖ. Und ist die Verstädterung abgeschlossen, ziehen wie auf der Donauplatte Zuzügler in fertige Viertel – dann bleibt die FPÖ schwach.

Ja, sagt Franz Höger im Queen-Beisl, er habe Angst vor der Zukunft. Absolut. Es werde so viel gebaut hier. Neubauten schießen aus dem Boden wie Pilze. Gleich hinter seinem Haus entsteht etwa hinter einem Lärmschutzwall das neue Stadtviertel Aspern. 20.000 Menschen sollen wohnen, wo derzeit eine alte Flugpiste seit Jahrzehnten brachliegt. Wer weiß, wie viele von ihnen Ausländer, sagt Franz Höger.

Aber muss man sich denn auch vor denen fürchten? Schließlich zahlen jene, die dorthin ziehen, 30.000 Euro Genossenschaftsbeitrag, bevor sie überhaupt einen Fuß in die neue Wohnung setzen. Ob In- oder Ausländer, es werden wohl mittelständische Kleinfamilien kommen, die sich wie alteingesessene Donaustädter über den Grünraum und die Stille freuen.

Eh, antwortet Franz Höger. Stimmt schon. Aber wer weiß.


Link: Die Wien-Wahl-Ergebnisse in der Donaustadt (und anderen Bezirken)

Erschienen im Falter 42/2010

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Mittwoch, 6. Oktober 2010

Sauber gewienert

Grünraum, Müll, Feinstaub: Wien wird als Öko-Musterstadt verkauft. Aber wie sauber ist es wirklich? Eine Wienwahlhilfe

Bericht:
Bernhard Fischer
Joseph Gepp
Julia Prummer

Sechzig Prozent. So viel größer müsste eine Welt sein, auf der alle Menschen leben wie die Wiener. Auf der sich alle kleiden und ernähren wie der durchschnittliche Bewohner dieser Zweimillionenstadt, auf der alle mit Wiener Verkehrsmitteln Wiener Entfernungen zurücklegen und Wiener Wohnungsgrößen auf Wiener Art möblieren und heizen.

„Ökologischer Fußabdruck“ heißt ein wissenschaftliches Modell aus den frühen 90er-Jahren, das ausrechnet, wie viel Platz ein Mensch zum Leben braucht. 3,9 Hektar oder fünfeinhalb Fußballfelder sind es für den durchschnittlichen Wiener. Diese Fläche muss irgendwo auf der Welt zur Verfügung stehen, um Gemüse für ihn zu ziehen, Holz für sein Bücherregal zu schlägern und eine Kuh für sein Gulasch zu weiden. Das ergab eine groß angelegte und bis heute valide Studie aus dem Jahr 2001.

Das Problem: Weltweit stehen pro Erdenbewohner nur 1,8 Hektar zur Verfügung. Wien nimmt also mehr als das Doppelte dessen, was die Welt hergibt.

Aber ist das wirklich so viel?

In absoluten Zahlen ist der Fußabdruck von Wien und Österreich groß. Im Vergleich mit anderen Industrieländern hält er sich aber in Grenzen. So verschlingt Großbritannien rund sechs Hektar pro Bewohner; die USA und die Arabischen Emirate liegen mit annähernd zehn an der Weltspitze. Das ist fünfmal mehr, als die Erde hergibt. „Wir müssen uns radikal umstellen, wenn wir als Menschheit auf Dauer weiter existieren wollen“, sagt Wolfgang Pekny von der Umweltorganisation Footprint Österreich. „Ein Wettlauf um die Zukunft findet statt.“

Es ist ein Wettlauf, in dem Wien vorne dabei zu sein scheint. Das machen zumindest die Äußerungen der Stadtregierung glauben.

Was Umwelt betrifft, folgt hier stetig Erfolgsmeldung auf Lebensqualitätsstudie auf internationale Auszeichnung. Sauberkeit ist neben Sicherheit ein Schwerpunkt der Wiener Politwerbung. Einmal bittet SPÖ-Umweltstadträtin Ulli Sima in einem Brief um eine Unterschrift gegen das slowakische AKW Mochovce. Ein anderes Mal schickt sie im Namen der Mülltrennung ein oranges Sackerl ins Haus – eine Viertelmillion Euro etwa hat dieser vorwahlzeitliche Taschenversand kürzlich gekostet, die Hälfte davon Steuergeld.

Aber wie steht Wien abseits solch massenwirksamer Aktionen da? Steckt hinter der PR-Maschine auch Substanz? Ist Wien tatsächlich die mustergültige Öko-Stadt, als die sie sich präsentiert?

Wer diese Fragen beantworten will, begibt sich in ein Dickicht von Kompetenzen und Disziplinen. Umweltthemen betreffen auf verschiedene Weisen etliche Berufssparten, vom Architekten bis zum Biobauern. Umweltpolitische Agenden hat bei weitem nicht nur die Gemeinde Wien über, sondern genauso das ÖVP-geführte Lebensministerium und die EU, flankiert jeweils von einer Heerschar Aktivisten, NGOs und internationaler Organisationen.

Um zumindest in einigen wichtigen Punkten umweltpolitische Klarheit über Wien zu erlangen, sollte man vielleicht auf dem Belgradplatz in Favoriten beginnen. Zwischen Gründerzeitfassaden, unter Bäumen tobenden Kindern und dem konstanten Verkehrsdröhnen der nahen Triester Straße geben hier gleich zwei Dinge Aufschluss über den Entwicklungsgrad der Umweltstadt Wien.

Da ist zunächst der kleine Kinderspielplatz. 856 Grünoasen wie diese verteilen sich über die Stadt. Vom Beserlpark zur Donauinsel, von der Sophienalpe zum Prater: Die Hälfte der Stadtfläche ist grün. „Im Unterschied zu vielen anderen Städten ist dieses Grün auch flächendeckend öffentlich zugänglich“, lobt Landschaftsarchitekt Michl Mellauner vom Büro PlanSinn. Erst vor wenigen Tagen etwa wurde beim Simmeringer Schloss Neugebäude der jüngste städtische Park eröffnet. Fazit: Was Erholung im Grünen betrifft, liegt Wien an der Weltspitze.

Feinstaubrekord am Belgradplatz
Zurück am Belgradplatz, ist da aber noch ein unauffälliges gemauertes Häuschen mit Gestänge am Dach im Park. Hier steht eine von 13 Wiener Feinstaubmessanlagen. Und dass sie schon 65 Mal dieses Jahr eine Überschreitung des Grenzwerts anzeigte, stellt einen einsamen Rekord in Österreich dar.

Es staubt also in Favoriten, wen kümmert’s? Die Städter. Bei Feinstaub handelt es sich nicht um gewöhnlichen Lurch, sondern um potenziell gesundheitsschädliche Kleinstpartikel. Laut Weltgesundheitsorganisation können sie zu Herz- und Lungenerkrankungen führen. Davon ist Wien zwar entfernt. Dennoch wurden dieses Jahr schon an zehn der 13 Luftgütemessstationen die Grenzwerte überschritten – wenn auch nirgends so oft wie am Belgradplatz.


belgradplatz
Messen unter Bäumen: Feinstaub-Messanlage am Belgradplatz (Heribert Corn)

„Die Werte sind niedrig angelegt; und für seine Größe ist Wien kein erheblicher Staubproduzent“, sieht Hans Puxbaum, TU-Professor und Studienautor zum Thema, die Situation gelassen. In den Jahren 2008 und 2009 wurden die Grenzwerte auch tatsächlich an nur drei der 13 Messstellen überschritten. Laut Europäischer Umweltagentur lag Wien damit im europäischen Mittelfeld, ungefähr gleichauf mit München. Bleibt die Frage: Warum ist die Überschreitung 2010 an zehn von 13 Stationen so viel massiver als jene 2008 und 2009 an je drei Stationen?

Das muss nicht zwangsläufig auf dem Mist der Stadt gewachsen sein, antwortet Puxbaum. Nur ein Viertel des städtischen Feinstaubs entsteht in Wien, den Rest bringt der Wind aus Restösterreich und den Nachbarländern.

Andererseits – und das erklärt den hohen Wert am Belgradplatz – steigt das städtische Verkehrsaufkommen gerade nahe der großen Ausfallstraßen. Der Fahranteil von Nichtwienern in Wien, also hauptsächlich Pendlern, wuchs zwischen 2000 und 2005 um 17 Prozent (siehe "Nächste Station: Zukunft", Verkehrsbilanz, Falter 38/10). In betroffenen Grätzeln wie Favoriten führt das ebenso zu hoher Feinstaubbelastung wie zum Klimakiller schlechthin: dem CO2.

Klimaschwachpunkt Verkehr
Von dem stieß Wien bei der letzten Erhebung 2007 zwar weniger als alle anderen österreichischen Bundesländer aus – mit 5,2 Tonnen CO2-Äquivalenten Pro-Kopf-Emission lag es um gut die Hälfte unter dem Bundesschnitt von 10,6.

Aber innerhalb dieses insgesamt sinkenden CO2-Ausstoßes wuchs der verkehrsverursachte Anteil. Drei Viertel Anstieg seit 1990 errechnet der Verkehrsclub Österreich. Das heißt, dass der Verkehr der Schwachpunkt einer an sich zufriedenstellenden Wiener Klimapolitik ist. Nicht nur weitere Öffis wären hier gefordert – auch eine Beschränkung der Autos mittels Parkplatzpolitik und Fahrverboten würde etwa am Belgradplatz Abhilfe schaffen.

Davon abgesehen hat sich die Stadtpolitik klimapolitisch durchaus gut geschlagen. Laut Klimaschutzpaket 1999 soll etwa das Wiener Fernwärmenetz von einem ohnehin hohen Ausgangsniveau bis 2020 um die Hälfte verlängert werden – das bringt 30 Tonnen weniger Feinstaub pro Jahr. Dazu kommen Auflagen für Heizungsanlagen; zudem wird der städtische Fuhrpark schrittweise auf schadstoffarme Erdgasfahrzeuge umgestellt. Und auf der Straße gilt seit 2008 eine Partikelfilterpflicht bei bestimmten Dieselmotoren und ein Verbot von Lkw von vor 1992.

Fazit: Nach einem Evaluierungsbericht der Österreichischen Energieagentur von 2009 konnten die Emissionen in Wien in zehn Jahren um 3,1 Tonnen CO2-Äquivalente gesenkt werden. Bedenkt man, dass nur 2,6 Tonnen Reduktion prognostiziert waren, ist das ein Erfolg – trotz des Wermutstropfens Verkehr.

Unweit vom Belgradplatz liegt ein weiterer Ort, an dem Wiener Umweltpolitik stattfindet. Rund 100 Verwaltungsbeamte arbeiten in dem Nachkriegsbau in der Einsiedlergasse auf der gürtelnahen Margareten. Wer die abgenutzten Linoleumböden betritt, der ahnt nichts von der Bedeutung, die dieser Ort für das Selbstbild Wiens hat: Hier liegt die Zentrale des sauberen Wiens, der städtischen Abfallbehörde MA 48.

„Mülltrennung ist das Um und Auf einer effizienten Abfallvermeidung“, predigt Amtschef Josef Thon, was seit Jahren auf der Hand liegt. Und dennoch liegt gerade in diesem Bereich noch ein Hund der Wiener Umweltpolitik begraben: die wenig effiziente Müllvermeidung.


ma48
MA-48-Mitarbeiter (Heribert Corn)

Denn was Entsorgung betrifft, funktioniert Wien so gut, dass es dieser Tage in New York gar zur „nachhaltigsten Stadt der Welt“ ernannt wurde. Und auch die Bewusstseinsbildungsmaschinerie läuft – siehe Simas Sammeltasche – auf Hochtouren. Auf der Strecke bleiben nur die Bemühungen, Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. „Hier“, räumt der MA-48-Chef ein, „ist der Handlungsbedarf noch sehr groß.“

Insgesamt rund eine Million Tonnen Müll produzieren die Wiener pro Jahr. Weitere vier Millionen Tonnen gewerblicher Müll kommen zusätzlich von den Wirtschaftsbetrieben – hier etwa könnte die Gemeinde die Hersteller und Händler von Kunststoffverpackungen per Verordnung zu mehr Nachhaltigkeit zwingen. „Vor allem Elektronikhersteller müssen dazu motiviert werden, Produkte wieder zurückzunehmen oder bestimmte Abfallstoffe zu vermeiden“, sagt Greenpeace-Sprecherin Claudia Sprinz. Ansonsten nämlich lande, wie in Wien bisweilen der Fall, der gewerbliche Müll schließlich im Nirgendwo, weil sich niemand seiner Entsorgung annehme. „Am Ende finden sich manche Altgeräte in Entwicklungsländern wieder und werden dort von flinken Kinderhänden auseinandergenommen“, sagt Sprinz.

Zuwenig Bio- und Kunststofftonnen

Immerhin: Wenn der Müll erst einmal angefallen ist, wird er in Wien so effizient wie in kaum einer anderen Stadt verarbeitet. Anlass für die Auszeichnung durch die US-amerikanische Columbia University beispielsweise war die Errichtung der dritten Müllverbrennungsanlage in der Simmeringer Pfaffenau. Damit ist Wien müllverwertungsmäßig gleichauf mit München und Zürich. Die Verbrennung von jährlich 675.000 Tonnen am Flötzersteig, in der Spittelau und Pfaffenau liefert städtischen Wohnungen Fernwärme. Fazit: Sieht man vom Kritikpunkt Müllvermeidung ab, steht Wien im Vergleich mit anderen Städten gut da.

Kritik gibt es trotzdem. Zum Beispiel an der Anzahl von Mistkübeln.

So beklagt etwa Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie Institut die geringe Dichte der Biotonnen, die das Rathaus innerhalb des Gürtels reduzieren ließ – weil im dichtverbauten Gebiet auch weniger Biomüll anfalle, so das Argument. Ähnlich ist die Situation bei Kunststofftonnen: 410.000 Mistkübel gibt es laut MA 48 in der Stadt. Kaum welche davon, beklagt WU-Abfallexperte Gerhard Vogel, seien Container für Plastik. „Hier hat die Kunststoffindustrie beim zuständigen Umweltminister erfolgreich lobbyiert.“ Die Trennung von Restmüll und Kunststoff sei nämlich nach wie vor teurer als die Verbrennung des Mischmaschs – und demnach ein Verlustgeschäft für die Industrie. Vogel schlägt als Lösung eine gesetzliche Verpflichtung zu mehr Trennung vor.

Was in den Müllverbrennungsanlagen bereits verheizt wurde, landet übrigens auf der Deponie – ein Bereich, in dem Wien und Österreich längst nicht so vorbildhaft dastehen wie in der Müllverbrennung.

100.000 Tonnen Müll verschwinden
Mit mehr als vier Jahren Verzögerung wurde 2009 die Deponieverordnung der EU vom österreichischen Parlament in nationales Recht umgesetzt. Sie besagt, dass Restmüll nicht mehr einfach deponiert, sondern in irgendeiner Form der Verwertung zugeführt werden muss. Das sichert einerseits die Auslastung der Wiener Müllverbrennungsanlagen, die den Müll ja in Wärme umwandeln. Es führt aber auch dazu, dass mehrere 100.000 Tonnen Wiener Abfall pro Jahr einfach verschwinden.

rinterzelt
Wiens Deponie: das Rinterzelt in der Donaustadt (Heribert Corn)

Ursache: Vor das Haustor des privaten Wieners kommt die MA 48, leert die Mistkübel und führt den Inhalt verlässlich den Verbrennungsanlagen zu. Vor die Betriebseinfahrt einer Firma jedoch kommen keine Magistratsarbeiter, sondern private Entsorger, meist Kleinbetriebe. Sie holen den gewerblichen Müll, etwa Bauschutt, ab – und bringen ihn nicht verlässlich zur Verbrennungsanlage. Denn das kostet den privaten Entsorger zwischen 90 und 110 Euro pro Tonne. Führt er ihn hingegen illegal ins Ausland, etwa auf eine ungarische Deponie, zahlt er nur rund 30 Euro. Strengere Kontrollen etwa an den Grenzen könnten zwar Abhilfe schaffen, aber, so MA-48-Chef Josef Thon, „eine schlüssige Überprüfung der ordnungsgemäßen Mülltrennung und Dokumentation ist schwierig“.

In Wien selbst gibt es eine einzige ordnungsgemäße Deponie, jene am Rautenweg in der Donaustadt, eröffnet 1961. Wo dereinst Müll einfach in Löcher gekippt wurde, arbeitet heute modernste Technologie und sortiert unter der riesigen Kuppel des Rinterzelts Abfallrückstände.

Was modern und nachhaltig funktioniert, birgt jedoch ein Problem: Der Rautenweg ist voll. In den nächsten Jahren wird die Deponie ihre maximale Auslastung erreicht haben. Derzeit versucht man noch, die Müllberge höher als vorgesehen zu stapeln. Doch das ist langfristig keine Lösung. Wien braucht eine neue Deponie.

In der Stadt selbst ist dafür kein Platz. Denkbar ist daher ein künftiger Standort im nahen Niederösterreich. Insidern zufolge hat die St. Pöltener Landesregierung jedoch bereits Skepsis signalisiert.

Bei allen widerstrebenden Konzepten und Einschätzungen in Sachen Umwelt, bei all der Unüberblickbarkeit des Themas können sich die Wiener also einer Sache relativ sicher sein: In den nächsten Jahren kommt ein großer Müllstreit zwischen Wien und Niederösterreich auf sie zu.


Kleines (Wiener) Umweltlexikon

B

Beavan, Colin
New Yorker Schriftsteller, der versuchte, ein Jahr ohne negativen Effekt auf die Umwelt zu leben (siehe Falter 12/2010, „Ohne alles ist mehr Leben“). Sein Experiment in Buchform: Colin Beavan: Barfuß in Manhattan. Mein ökologisch korrektes Abenteuer. Kiepenheuer, 255 S., € 23,60

Berlakovich, Nikolaus
Österreichs Umwelt- und Landwirtschaftsminister, kurz „Niki“, ÖVP. Burgenlandkroate. Kommt aus der burgenländischen Landespolitik. Wohnt bis heute in Nebersdorf, wo er auch Landwirt ist

E

Energie, erneuerbare
52,17 Prozent beträgt laut e-Control ihr Anteil am Wiener Stromverbrauch. Der Großteil davon kommt jedoch nicht von Wind oder Sonne, sondern von der Wasserkraft

F

Freudenau, Kraftwerk

Donaukraftwerk in Wien, das den meisten Strom aus erneuerbarer Energie erzeugt. Liefert jährlich 1052 Millionen Kilowattstunden

Fußabdruck, ökologischer
Die Autoren dieser Geschichte haben (alphabetisch gereiht) 6,69, 5,59 und 5,35 Hektar Fußabdruck. Sie liegen damit über dem österreichischen Schnitt von 4,9 Hektar. Fußabdruck ausrechnen unter: www.mein-fussabdruck.at

G

Green City Index

In diesem Ranking belegt Wien europaweit den vierten Platz hinter Kopenhagen, Stockholm und Oslo. Besonders gut ist es beim Wasser und bei erneuerbarer Energie. Aber: nur Platz acht bei CO2 und thermischer Sanierung und Platz zehn bei der Luftqualität

M

MA 48
Wiens Abfallmagistrat mit 3600 Mitarbeitern, 200 mehr als vor zehn Jahren. In der Entsorgung arbeiten 125 Frauen. Diese kostet übrigens jährlich 340 Millionen Euro

R

Rinterzelt
Der Name des Donaustädter Ungetüms kommt von Recycling International. Die Firma Rinter AG ging 1982 in Konkurs, danach kaufte die Gemeinde die Anlage. Heute auf Hightech hochgerüstet

S

Sima, Ulrike
Wiens Umweltstadträtin, SPÖ, kurz „Ulli“. Kärntnerin. Wechselte 1999 als Quereinsteigerin von Global 2000 zur SPÖ

Stromsparen
43 Prozent des Stroms in Wiener Privathaushalten fressen Geräte, sagt Reinhard Uhrig von Global 2000. Durch einen Tausch von Geräten ab 15 Jahren Alter könnte man die Hälfte einsparen. Neun Prozent frisst außerdem die Beleuchtung, ebenfalls 50 Prozent Einsparpotenzial. Vier Prozent frisst Standby – einfach ausschalten!

U

Umweltbericht, Wiener
Wie Wien umweltmäßig steht – aus Gemeindesicht. Abzurufen unter: wien.gv.at/umweltschutz/umweltbericht


Erschienen im Falter 40/2010

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Donnerstag, 30. September 2010

Wiener (Wahl-)Typen: Der Speckgürtelbewohner

Die gute Nachricht: Wien wächst. Seit 1989 wieder in Europas Mitte gelegen, hat der Ballungsraum derzeit 2,4 Millionen Einwohner (plus 8 % seit 2001). Das Schlechte daran: Wien wächst draußen. Flächenbezirke wie Donaustadt und Favoriten (beide plus 8 % seit 2005) wären noch nicht das Problem. Aber noch weiter draußen wird das Wachstum unkontrollierbar im Geflecht überlappender und kleinräumiger Kompetenzen. Gänserndorf und Gerasdorf etwa sind seit den 80ern um mehr als die Hälfte gewachsen. Folge: 200.000 Autopendler täglich – und eine städtische Raumplanung, die an einer Stadtgrenze endet, die der Realität nicht mehr entspricht.

Erschienen im Falter 39/2010

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Wiener (Wahl-)Typen: Der Radfahrer

„Erbärmlich“ nennt manch kritischer Radler seinen Anteil am Wiener Gesamtverkehrsaufkommen – der ist, wenn auch steigend, mit 5,5 Prozent im Vergleich dürftig (München etwa: 15 %). Immerhin gibt es inzwischen 1090 Kilometer (teils suboptimale) Radwege; zudem ist das City-Bike ein Erfolg. Ein überzeugtes Bekenntnis der Stadt zu Muskeln statt Motoren fehlt trotzdem – sonst würde sie etwa Autospuren für Radler freiräumen.

Erschienen im Falter 39/2010

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Mittwoch, 8. September 2010

Verkaufte Säle

Die Sofiensäle wurden verkauft – womit ein weiteres Kapitel einer unendlichen Geschichte beginnt: Wie vergangenes Wochenende bekannt wurde, erwarben die Kärntner Soravia-Brüder die (2001 abgebrannte) Kulturruine von der rathausnahen Arwag, die seit Jahren den Wiederaufbau versprochen hatte. Lange Zeit hatte es geheißen, ein Hotel komme ins denkmalgeschützte Gemäuer im 3. Bezirk – bis dies laut Arwag krisenbedingt unrealisierbar wurde. Nun will die Soravia zwischen Frühling 2011 und 2013 90 freifinanzierte Eigentumswohnungen errichten. Den Bauplatz daneben behält sich die Arwag und errichtet ihrerseits 60 Wohnungen. So etwas nennt man wohl die optimale Ausnutzung hochpreisiger Stadtzentrumsflächen.

Erschienen im Falter 30/2010

Mehr dazu?

Rettet die Säle!, 2009
Das verflixte neunte Jahr, 2010

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