Mit freundlicher Unterstützung von

Joseph Gepp

Dass der Staat in Österreich Medieninhalte finanziert, ist so gängig, dass es kaum noch hinterfragt wird. Soll das so sein?

Diesen Seiten entstanden in redaktioneller Unabhängigkeit in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Bundesregierung. Mit freundlicher Unterstützung des Europäischen Integrationsfonds. Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur kofinanziert.

Ob es nun – um nur drei Beispiele von vielen zu nennen – der Logofriedhof unter dem Technologiejournal im Standard ist, die Migrantenseite des Vereins M-Media in der Presse oder das dem Falter beiliegende Wissenschaftsmagazin Heureka: Kooperationen von österreichischen Medien mit staatlichen oder halbstaatlichen Institutionen begegnen dem Leser so häufig, dass er sie kaum noch wahrnimmt. Weder gelten sie als bedenklich noch als störend, dienen sie doch der guten Sache. Den gesellschaftlichen Wert von Bildung sollen sie beispielsweise fördern oder die produktive Kraft ethnischer Vielfalt – wer wird an solchen Zielen schon zweifeln.

Journalistisch unsauber sind derartige Kooperationen nicht, weil Logos und Floskeln über ihren Hintergrund und Zweck aufklären – zumindest was Qualitätsmedien betrifft. Dazu ergänzen sie Themen, die der freie Medienmarkt scheinbar nicht im ausreichenden Maß abdeckt: Migranten, Europäische Union, Forschung, Wissenschaft, Vielfalt, Minderheiten, mittelständische Betriebe – nicht selten wird der aufmerksame Leser neben solchen Geschichten einen Hinweis auf einen Sponsor entdecken. Der österreichische Sozialstaat kümmert sich demnach nicht nur ums Schulwesen und die Pensionsvorsorge. Er sorgt auch dafür, dass in der Zeitung steht, was wir lesen sollen.

Diese Praxis sagt zum einen viel über das österreichische Staatsverständnis aus. Denn was vom Staat mittels Finanzierung in gewisser Weise für befunden wird, geht in der Wahrnehmung des Lesers durchaus als echter Journalismus durch – man denke an zahlreiche gesponserte Wissenschaftsstrecken. Würde hingegen McDonald's ein Ernährungsheft sponsern oder Novartis ein Forschungsressort – das Ergebnis würde, wahrscheinlich zu Recht, viel stärker als Werbung empfunden werden.

Zum anderen führt die Praxis zur Frage, ob das Vertrauen in den Staat auch gerechtfertigt ist. Dürfen wir uns als Medienkonsumenten zurücklehnen und daran glauben, dass behördlich autorisierte Informationen richtig sind oder zumindest nicht bewusst in die Irre leiten?

Dazu ein Gedankenexperiment: Nehmen wir an, im Jahr 2030 gründet die Regierungspartei FPÖ eine Kommunikationsagentur zur Aufwertung von Heimatliebe und Traditionsbewusstsein. Die Agentur finanziert Zeitungsbeilagen zu alpinen Brauchtümern oder steirischer Trachtenkultur. Diese Geschichten sind informativ und weltanschaulich völlig unbedenklich; jeder Leserbrief in der Kronenzeitung klingt aggressiver und chauvinistischer als sie. Darf man ihnen deshalb vertrauen? Oder resultieren sie nicht doch aus einer Geisteshaltung, die auf Angstmache und Abgrenzung fußt?

Das ist natürlich ein polemischer Vergleich. Was derzeit an Medienkooperationen existiert, hat keinen menschenfeindlichen Hintergrund; stattdessen soll gefördert werden, was in den Augen des Sponsors sonst zu kurz käme. Und was abgesehen davon als Ideologie mitschwingt, ist völlig harmlos.

Die Frage ist aber – und das soll das Gedankenexperiment mit der Heimatliebe zeigen: Muss das immer so sein? Läuft man, wenn man sich als Medium auf Kooperationen mit dem Staat einlässt, nicht Gefahr, eines Tages mit bedenklicheren Subtexten konfrontiert zu sein als beispielsweise dem Wert von Vielfalt und Bildung? Natürlich, das Medium kann in diesem kritischen Moment immer noch die Zusammenarbeit aufkündigen. Aber sollte es einmal soweit sein: Hat die jahrelange Praxis von Kooperationen nicht schon dazu geführt, dass kofinanzierte Medieninhalte vom Leser längst als normaler, unabhängiger Journalismus wahrgenommen werden? Und kann man es sich als Medium dann überhaupt noch leisten, auch ohne staatliche Hilfe finanziell über die Runden zu kommen?

Dies soll kein Pamphlet gegen Kooperationen sein. Vielleicht sind sie hierzulande sogar unentbehrlich – in einem Staat mit schwach ausgeprägten Qualitätsmedien, lautem Boulevard und ebensolchen Populisten auf politische Bühne. Aber ein Faktum darf man in derartigen Angelegenheiten nicht vergessen: Wer zahlt, der hat auch ein Interesse.

Erschienen auf thegap.at am 22.11.2010

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