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STADTRAND – Der kluge Student schafft sich seinen Job selbst

Der augenfälligste Unterschied zwischen reichen und armen Städten ist wahrscheinlich die Vielzahl an Berufen: In Afrika oder Südamerika gibt es den Orangensaftpresser, den Nagelzwickerlverkäufer, den Geldwechsler, den Gehsteigbarbier. In Wien versteckt sich die Dienstleistungsgesellschaft hinter dicken Büromauern, und Orangensaft gibt’s im Supermarkt. Außer in manchen Grünanlagen, wo derzeit flotte Latinositten einreißen: Wer sich im Museumsquartier, im Burggarten oder – sogar – in der Lobau aufhält, dem begegnen vife Studenten mit dicken Kühltaschen, die gewerbsmäßig Bierdosen verkaufen. Zu einem Preis, der moderat über Supermarkttarifen liegt. Nachtschwärmer freut’s, die Studenten verdienen. Eigentlich ist es gut, dass einmal jemand auch ohne Coachingseminar eine Marktlücke besetzt. Eigentlich deutlich sinnvoller als etwa jene beauftragten Spendengeier, die sich einem penetrant in den Weg stellen, weil sie von Miniprovisionen abhängig sind. Behörden, legalisiert doch das Mikrounternehmertum! Es macht die Stadt bunt.

Erschienen im Falter 37/09

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