"Hier ist man nicht erwünscht"

Am Praterstern sorgt eine Stahlkonstruktion für Unmut. Ihr Architekt stellt der Stadt kein gutes Zeugnis aus

Bericht: Joseph Gepp

Ein kopfsteingepflastertes Seitengässchen in Hernals. Dort, in einem lichtdurchfluteten Jugendstilatelier, sitzt Boris Podrecca und nippt am türkischen Kaffee. Eine dicke Mappe mit Plänen liegt vor ihm. Podrecca, ursprünglich aus Triest und seit Jahrzehnten in Österreich, ist jener Architekt, der zusammen mit Bernhard Edelmüller den neuen Praterstern gestaltet hat. Podrecca ist renommiert, seine Gebäude stehen in ganz Europa, kürzlich würdigte eine Ausstellung im Ringturm seine Arbeit. Aber heute will er über die Bedingungen dieser Arbeit sprechen: Boris Podrecca meint, dass beim Umgang einer städtischen Magistratsabteilung mit Architekten einiges im Argen liege.

Im Wahlkampf sprießen die Skandälchen. Eines davon steht am Platz vor dem Nordbahnhof, neben der kupfergrünen Säule des Admiral Tegetthoff. Es handelt sich um eine rund zehn Meter hohe Stahlkonstruktion, die den halben Platz einfassen soll. Eine „Pergola“ – ein Säulen- oder Pfeilergang – sagen Planer dazu. Ein „Stahl-Murks“, schreibt das Gratisblättchen Heute. Empörung ob des „Monsters“ rauschte vergangene Woche durch die Medien. Die Grünen riefen einen Ideenwettbewerb aus, wie das Ding alternativ verwendet werden könne – für Kletterkurse etwa oder für Solarzellen. Der Falter wollte Podrecca direkt am Praterstern treffen. Aber der Architekt besteht auf seinem Studio. Man müsse nämlich die Vorgeschichte kennen, sagt er.

Die Vorgeschichte ist ein heruntergekommener Platz, der im Zuge von Bezirksaufwertung und Bahnhofsneubau umgestaltet werden soll. „Für den Praterstern galt dasselbe, was Otto Wagner über den Karlsplatz gesagt hat: kein Platz, sondern eine Gegend“, sagt Podrecca, der in Wien etwa das Bio Center oder das Gebäude der Basler Versicherung entworfen hat. Er redet von Licht und Wasser und davon, dass Architektur zufällige Begegnungen ermöglichen solle. „Dem Platz wohnt eine wahnsinnig urbane Kraft inne.“ Er ist menschendurchflutet, vielfrequentiert, zentrumsnah. Nur als öffentlicher Raum werde er nicht wahrgenommen. „Wir wollten ihn daher einfassen und als Platz kenntlich machen.“ Dafür sollte die Pergola dienen, wie sie ursprünglich gedacht war: mit Kletterpflanzen, mit Fahnen und Transparenten. Eine „Stadt-Loggia“ hätte sein Praterstern sein sollen, erklärt Podrecca, mit großem Dach über dem Platz, durchlässig und trotzdem abgegrenzt. Als Übergang zwischen dem wildwuchernden Grün des Praters und den geraden Linien der Stadt. „Von dem ganzen Konzept ist aber nur ein kleines Echo geblieben“, sagt Podrecca. „Und selbst das musste mit Müh und Not durchgeboxt werden.“

Der Grund seien „zig kleine Details, die nicht so gebaut worden sind, wie sie ursprünglich vorgesehen waren“. Dass die Pergola nicht begrünt werden soll, ist nur die medienwirksamste dieser Änderungen. „Die Stadt hat die Pflanzen aus Kostengründen gestrichen.“ Die Dicke von Rohren, der Grad von Winkeln – „all das wirkt sich massiv aufs Gesamtergebnis aus“. Und all das sei die zuständige MA 29 für Brückenbau nicht gerade sensibel angegangen: „Man hat als Architekt das Gefühl, ausgeschaltet zu werden. Sie machen mit dem Projekt, was sie wollen.“ Konkret bedeutet das: „Wir bekommen zum Beispiel veränderte Pläne zugestellt. Die müssen wir innerhalb von einer Woche freigeben. Aber wenn wir innerhalb dieser Frist Einspruch erheben, dann sagt die MA 29: Tut uns leid, das Material ist schon bestellt.“

Sein Fazit: „Man beginnt zu überlegen, ob man seinen Namen für sowas noch hergeben will.“ Die MA 29 hält dagegen, dass Podreccas Wünsche teuer gewesen wären. „Sobald wir als Bauherr das Projekt übernehmen, gibt es Interessengruppen wie ÖBB oder Anrainer, die wir berücksichtigen müssen“, sagt Sprecher Kurt Wurscher. „Daraus ergeben sich zwangsläufig Änderungen.“ Der Architekt habe „vertragsrechtlich keinen Einfluss auf das Projekt“. Podrecca antwortet, er sei dem zuständigen Stadtrat zwar dankbar, weil er sich vehement für ihn eingesetzt habe. „Aber von der Zusammenarbeit bin ich schwer enttäuscht.“ In anderen Staaten sei man bis ins letzte Detail eingebunden. „Hier ist das anders. Hier ist man nicht erwünscht.“

Erschienen im Falter 38/08

kostenloser Counter

Weblog counter

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Novel Dewasa | Cerita...
very interesting article and contain useful information....
novelhot - 28. Jan, 01:22
Very nice blog, it contains...
Very nice blog, it contains lot of informations. Articles...
Cerita Sex (Gast) - 13. Okt, 21:29
Kisah Sex Nyata | Cerita...
Cerita Dewasa, Cerita Sex, Cerita Mesum, Cerita Bokep,...
Cerita Dewasa (Gast) - 13. Okt, 21:24
Prediksi Togel | Bocoran...
Prediksi Togel Hari Ini | Keluaran Angka Jitu | Ramalan...
Togel Hari Ini (Gast) - 13. Okt, 21:19
Obat Aborsi | Cara Menggugurkan...
Meskipun obat aborsi saja juga dapat digunakan untuk...
Jual Obat Aborsi (Gast) - 6. Okt, 14:58

Links

Suche

 

Status

Online seit 3545 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 28. Jan, 01:22

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB


Bücher
Das Rote Wien
Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien
Entwicklungsländer
Kurioses
Medien
Osteuropa
Religion
Sonstiges
Weltpolitik
Wien
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren