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    <title>Stalins Perle</title>
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    <description>&lt;i&gt;Von Häftlingen errichtet und Privilegien erhalten, erzählt die &lt;b&gt;russische Stadt Workuta &lt;/b&gt;wie keine zweite die Geschichte des Sowjetkommunismus. Von maßloser Unfreiheit und ihrem Scheitern&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Reportage: Joseph Gepp/Workuta&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Jene, die sich an den heutigen Schwierigkeiten der Sowjetunion erfreuen und die dem Zusammenbruch des Reiches erwartungsvoll entgegensehen, sollten sich daran erinnern, dass solche Veränderungen normalerweise einen sehr hohen Preis haben und nicht immer in vorhersehbarer Weise vonstatten gehen&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
US-Historiker Paul Kennedy, 1987, &lt;b&gt;Aufstieg und Fall der großen Mächte&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;287&quot; alt=&quot;cinema-old1&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/cinema-old1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Workuta in den Siebzigerjahren&lt;/i&gt; (Foto: Georgi Mamulaschwili)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;DSC_0002&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/DSC_0002.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Dieselbe Straße, heute&lt;/i&gt; (Foto: Joseph Gepp)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn du durch die Stadt gehst, sagt Alexander Kalmykow, achte auf die kleinen Holzpflöcke im Boden, du findest sie hier überall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind tatsächlich überall, aber nur, wenn man es weiß. Sie lugen aus den Lacken der Hinterhöfe, aus den Rissen in den Gehsteigen, aus den Büschen vor den kommunistischen Denkmälern. Sie sehen aus wie kleine Baumstümpfe. Schmal, meist schlammverschmiert, ragen sie kaum sichtbar aus der Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pflöcke sind die letzten Überreste des Archipels Gulag, sagt Kalmykow, 60, von der Organisation Memorial, die sich der Historie russischer Straflager widmet. Die Stadt Workuta sei der wichtigste Stützpunkt des Archipels im europäischen Russland gewesen. Jetzt heben sich die Pflöcke jedes Jahr etwas mehr über die Erdoberfläche. Der Permafrost treibe sie heraus, erklärt Kalmykow. Wo einer von ihnen auftaucht, sind auch andere nicht weit. Gemeinsam ergeben ihre Anordnungen Grundrisse: Linien, Palisadenzäune. Quadrate, Wachtürme. Rechtecke, Holzbaracken. Jahr für Jahr steigt, einige Zentimeter weiter, das alte Workuta aus dem neuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der nordrussischen Stadt Workuta, 80.000 Einwohner, am polaren Ostende von Europa gelegen, kann man als großes Experiment betrachten. Als Versuch eines totalitären Staates, ein Projekt zu verwirklichen, ohne im Geringsten auf menschliche Ressourcen und natürliche Voraussetzungen zu achten. Es ist ein Experiment, das  im umfassenderen Sinn  bis vor die Tore Wiens reichte, bis Budapest und Bratislava. In diesem Jahr feierte man pompös sein Scheitern vor 20 Jahren, mit Ansprachen, Feuerwerken und dem zweiten Fall der Berliner Mauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;DSC_0099&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/DSC_0099.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Einer von Alexander Kalmykows Holzpflöcken &lt;/i&gt;(Gepp)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber in Budapest, Bratislava, Ostberlin ist das Experiment unscharf. Von Vorgeschichten verwaschen. Von Widerständen, Nationalismen, Religiositäten zersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Workuta hingegen hat der Kommunismus in Reinform stattgefunden. Vor ihm war leere Fläche, nach seinem endgültigen Scheitern wird leere Fläche sein. Denn die arktische Stadt liegt weitab vom Rest der Welt: Von den nördlichsten bewohnten Landstrichen in südlicher Richtung trennt sie hunderte Kilometer Birkenwald. Und im Norden ist nur noch Eiswüste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht lässt sich daher in keinem zweiten Ort der Welt der Verlauf des Experiments so aufschlussreich betrachten wie hier. Vielleicht zeigen sich die Folgen der völligen Missachtung menschlicher Ressourcen und natürlicher Voraussetzungen nirgends so wie in diesem Geschöpf des Totalitarismus, der Stadt am Ende der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie liegt 70 Zugstunden von Wien entfernt, Schlafwagen, nur einmal umsteigen, in Moskau. Ihre Geschichte beginnt 1928, als Sowjetforscher in der Region Kohlevorkommen entdeckten. Für ihre Ausbeutung, lautet die Vorgabe aus dem Kreml, müsse in kurzer Zeit eine Großstadt samt Industrieanlagen entstehen. Das scheint völlig irreal. Woher sollen die Menschen für die Stadt kommen? Was sollen sie essen, womit Häuser bauen? Hier, mitten in der Tundra, auf zehntausenden Quadratkilometern Leere in jede Richtung. Wo nur braune Büsche und Flechten im immerkalten Wind wogen. Wo keine Bäume wachsen und nichts Genießbares gedeiht. Wo die Natur keine sesshafte Besiedlung vorgesehen zu haben scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige sowjetische Diktator Josef Stalin entkräftet die Einwände mit schlichten Argumenten: Den Arbeitskräftemangel sollen Häftlinge ausgleichen. Und um dem natürlichen Mangel an Lebensmitteln und Baumaterial beizukommen, müsse man die geplante Stadt eben ans Bahnnetz anschließen. So könnten Holz und Nahrung aus dem fruchtbareren Süden nach Workuta gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zug existiert bis heute, er fährt 40 Stunden von Moskau. Es gebe ein Sprichwort über diese Strecke, sagt Alexander Kalmykow: Unter jeder Schwelle ein Toter. Die Schienen waren 1936, acht Jahre nach dem Kohlefund, fertig. Mit vielen toten Zwangsarbeitern hat Stalin sein erstes Ziel, den Bahnanschluss, rasch erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewältigung des zweiten, des Baus einer tatsächlichen Stadt, sollte aber dauern. Workuta war ein Dorf, mehr schien bei allem Einsatz so weit im Norden nicht möglich. In den 30er-Jahren bestand es aus einigen Baracken, Kohlegruben hinter Holzverschalungen, einem hölzernen Klubhaus für Wachmannschaften. Diese ersten Gebäude lagen gegenüber der heutigen Stadt, am anderen Ufer eines Flusses. Der Stadtteil heißt heute Rodnik, Ursprung. Wie bei den kleinen Holzpflöcken des Alexander Kalmykow muss man auch in Rodnik zweimal hinsehen, um die Geschichte des Ortes gegenwärtig zu finden: In einen Hang hat man balkenverstärkte Stollen getrieben. Sie liegen heute eingebrochen an einer Uferböschung, die Balken sind von der Nässe biegsam und fasrig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;DSC_0115-2-&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/DSC_0115-2-.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Rodnik, Stalins Pompeji&lt;/i&gt; (Gepp)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Stollen lebten die ersten Zwangsarbeiter von Workuta. Später errichteten sie hölzerne Baracken als Behausungen. Laut der Organisation Memorial begann auf diese Art die Verschleppung von insgesamt einer Million Menschen in rund 15 Jahren. Rund ein Viertel von ihnen starb an Unterernährung und Kälte bis zu minus 50 Grad. Die Häftlinge waren Polen, Balten, Ukrainer, Ostdeutsche. Es waren aus dem Weltkrieg zurückgekehrte Rotarmisten, die aus dem Westen verwerfliche Ideen mitgebracht hätten haben können. Es waren, zum geringeren Teil, nazideutsche Kriegsgefangene. Es waren Osteuropäer, denen man Kollaboration mit den nationalsozialistischen Besatzern zur Last gelegt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war zum Beispiel Frau Galina Dall, 87 Jahre alt. Bis heute lebt sie in Workuta, in einem baufälligen Holzhaus aus den 50er-Jahren, das man später notdürftig mit Ziegeln ummantelt hat. Galina Dall ist Russlanddeutsche aus der Wolga-Region und wuchs in Kiew, der ukrainischen Hauptstadt, auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;DSC_0094&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/DSC_0094.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Galina Dall &lt;/i&gt;(Gepp)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages im Jahr 1944, erzählt sie über ihren Haftgrund, riss mein Stiefel. Ich sagte verärgert zu meiner Freundin: Was soll ich jetzt tun? Etwas essen oder den Stiefel richten lassen? Mein Gott, ist das ein gottverfluchtes Land! Die Freundin zeigte sie an. Dall wurde 1944 wegen Landesverrats zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sie kam im Viehwaggon nach Workuta und lebte in einem der Stollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir waren sechs Frauen in der Brigade. Unser Stollen hatte drei kleine Bettnischen an jeder Seite. Er sah aus wie ein Schweinestall. Die Sechserbrigade bestand neben Dall aus einer Estin, einer Litauerin, zwei Wienerinnen, einer russischen Jüdin. Die Frauen mussten Gleise verlegen. Nach Ende ihrer Haftzeit heiratete Dall einen inzwischen verstorbenen Mithäftling, einen Weißrusslanddeutschen. Heute sei ein trauriger Tag, sagt sie unerwartet. Warum? Heute vor 91 Jahren sind unser geliebter Zar Nikolai II. und seine Familie von den Bolschewiken ermordet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man Galina Dall nach zehn Jahren Haft entließ, im Jahr 1955, war aus Workuta eine Stadt geworden. Stalin, 1953 gestorben, hatte posthum auch sein zweites Ziel erreicht. 27 Jahre hatte es gedauert, dann schien das Projekt zum Bau einer arktischen Großstadt, bei aller ihm innewohnenden Grausamkeit, vollendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kohlenzüge aus Workuta versorgten Leningrad, heute Sankt Petersburg. Die Zwangsarbeiter bauten zum Amüsement der Wachmannschaften ein Stadion mit schönem Portal, einen Kulturpalast, ein Theater. Die monolithische Form der Gebäude, ihre Balustraden und Torbögen entsprachen dem Geschmack des toten Stalin. Im Theater traten inhaftierte Ensemblemitglieder des berühmten Moskauer Bolschoi-Theaters vor ihren Wachen auf, nachdem die Schauspieler das Haus vorher selbst errichten hatten müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;DSC_0119&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/DSC_0119.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Stalinistischer Prunk. Vor dem Kulturpalast der Bergarbeiter&lt;/i&gt; (Gepp)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt expandierte. Bald zog man eine 60 Kilometer lange Ringstraße um Workuta, um Platz zu schaffen für mehr Kohlegruben, mehr Gulag-Lager, mehr Wohnraum für Zuzügler, unter denen nun immer mehr freie Bergbauexperten waren. Die neuen Kleinstädte trugen Namen wie Oktober, Komsomolzen-Stadt oder Sowjet-Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Ära der Zwangsarbeiter endete, als sich Stalin-Nachfolger Nikita Chruschtschow von der Politik seines Vorgängers distanzierte. Das Tauwetter begann. Um 1960 waren die Gulags von Workuta verschwunden. Chruschtschow zog eine andere Möglichkeit vor, das Experiment fortzuführen. Von nun an sollte das Versprechen von Wohlstand die Sowjetbürger in die Stadt locken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Workuta sei damals in der Sowjetunion hoch angesehen gewesen, erzählt Olga Gaun, Bildungsbeauftragte des Rathauses. Als eine Stadt, in der man schnell gutes Geld machen könne. Ein Grubenarbeiter verdiente 800 Rubel im Monat, eine Lehrerin, zum Vergleich, knapp 60. Zwar ließen sich diese Unterschiede wegen der Warenknappheit kaum in tatsächlichen Wohlstand umsetzen. Aber die Grubenarbeiter galten als Helden des Volkes. Sie wurden vom Regime hofiert. Nikita Chruschtschow und sein Nachfolger Leonid Breschnew ließen sich die Perle des Nordens, wie Workuta bis heute genannt werden will, viel kosten. Bei Anträgen auf Autos und Wohnungen hatten Schachtkumpel Priorität. Ihre Lebensabende durften sie im klimatisch milden Zentralrussland verbringen. Und ein Hotelzimmer an der sonnigen Schwarzmeerküste für sie und ihre Familien stand allzeit bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;255&quot; alt=&quot;Vorkuta-is-forpost-of-development-of-polar-land&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/Vorkuta-is-forpost-of-development-of-polar-land.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Workuta ist der Vorposten der Entwicklung im Polargebiet, steht hier&lt;/i&gt; (G. Mamulaschwili)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt schien nun, wo die Ära der Zwangsarbeiter vorbei war, Workuta besser zu funktionieren als je zuvor. 320.000 Menschen lebten in den 70ern in der Stadt, mehr als in Graz. Der absurde Plan, eine Großstadt in die Tundra zu stellen, war ohne Abstriche, ohne Konzessionen an die Wirklichkeit wahr geworden: Eine prosperierende monogorod  eine Mono-Stadt, die nur eines einzigen Wirtschaftszwecks wegen existiert  war entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Straßen seien damals voller Passanten gewesen, sagt Olga Gaun. Die frischen Farben der Gebäude hätten geglänzt. Den Leuten sei es gutgegangen im gesamtsowjetischen Vergleich. Und wen störte es da schon, dass viele Kohlegruben allmählich ihren Zenit überschritten, langsam unrentabel wurden? Das waren die wirtschaftlichen Kriterien einer ganz anderen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 80ern, nachträglich das Zeitalter der Stagnation genannt, expandierte Workuta noch eifrig. Anstelle der prunkvollen alten Stalin-Häuser errichtete man nun große Plattenbauviertel, wie in vielen anderen Städten des Ostens. In Workuta zieren die alten Phrasen des Regimes immer noch die heute heruntergekommenen Bauten: CCCP, Friede der Welt, Kohle für das Mutterland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;DSC_0093&quot; width=&quot;266&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/DSC_0093.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Miru mir, steht hier: Friede der Welt&lt;/i&gt; (Gepp)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wende kam Mitte der 80er, und vorerst äußerte sie sich in kaum wahrnehmbaren wirtschaftlichen Veränderungen. Manche sowjetischen Geschäfte mit dem Westen, vor allem Getreideimporte und Rohstoffexporte, ließen Luft ins planwirtschaftliche Vakuum dringen. Und im hohen Norden, wo natürliche Bedingungen und menschliche Ressourcen noch weniger galten als im Rest des Landes, spürte man diesen Zug schon, als er noch ein laues Lüftchen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1989 schloss die erste Grube nahe Workuta. Drei Jahre zuvor hatte der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow aufgrund ernsthafter Rückstände zur Beschleunigung der sozioökonomischen Entwicklung geraten. Doch statt sie loszutreten, brachte er das ganze System zum Einsturz. Im Dezember 1991, fünf Jahre nach Gorbatschows Rede, waren auf dem vormals sowjetischen Gebiet 14 Nachfolgerepubliken konstituiert. Plus ein neues Russland, das die folgenden zehn Jahre mit der Anarchie ringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Workuta begann ein rasender Abstieg, der  wie sein Aufstieg  fast nach einem tragischen Märchen klingt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16 von 20 Gruben wurden geschlossen. Plötzlich galt der Kohleabbau nicht mehr als nationaler Stolz, sondern als gestrig, als Hort der Innovationsresistenz. Anfang der 90er blieben die Löhne bis zu einem Jahr lang aus. Die Kumpel streikten, aber sie waren über Nacht machtlos und entbehrlich geworden. Die Arbeiterfamilien, bisher privilegiert, stellten erschrocken fest, dass sie nicht einmal abwandern konnten. Denn der Wert ihrer hochnördlichen Besitztümer war ins Bodenlose gesunken. Das Geld reichte nicht, um sich anderswo eine Existenz aufzubauen. In Workuta, erklärt eine Redakteurin der Lokalzeitung Sapolarje (Hinter dem Polarkreis), werden heute Eigentumswohnungen um umgerechnet knapp 200 Euro angeboten. In Moskau kosten vergleichbare Wohnungsgrößen bis zu einer Million Euro. Auf diese Art wurden Workutas Bewohner zu Gefangenen ihrer eigenen Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;DSC_0122-2-&quot; width=&quot;266&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/DSC_0122-2-.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das Ende eines totalitären Projekts&lt;/i&gt; (Gepp)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mehrheit der Bevölkerung reagierte aber rechtzeitig und wanderte ab. Die Einwohnerzahl sank zwischen 1991 und 2007 um rund zwei Drittel, auf 110.000 Einwohner. Später kaufte der Stahloligarch Alexej Mordaschow die verbliebenen Kohlegruben. Er unterzog sie schmerzhaften Strukturreformen. Vor zwei Jahren schien es schließlich, als hätte sich Workuta auf niedrigem Niveau konsolidiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann aber, im Herbst 2008, brach die Wirtschaftskrise aus und traf besonders Russland mit seiner Fixierung auf Großindustrien und Rohstoffhandel. In Workuta hat Mordaschow seitdem rund eine dreiviertel Milliarde Euro Verlust gemacht. Er strich darauf hunderte Arbeitsplätze. Nach inoffiziellen Gemeindeangaben sind deshalb weitere 30.000 Menschen abgewandert. Es bleiben etwa 80.000 Einwohner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Experiment Workuta, das 60 Jahre lang gelaufen ist, scheint nun auf grotesk schnelle Weise zu scheitern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Erstes, in den 90er-Jahren, verschwanden die Städte entlang der Ringstraße. Von Oktober stehen heute nur noch Plattenbaurippen in der Tundra. In Komsomolzen-Stadt harren einige hundert Alte in drei bewohnten Gebäuden zwischen Ruinen aus. Der Vorortebus, der früher im Zwanzigminutentakt die Ringstraße abfuhr, geht heute zweimal täglich. Wen soll ich denn da noch hinführen?, sagt der Chauffeur und grinst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nächstes traf es Workuta selbst. In den späten 90ern gab die Stadt ihre Viertel jenseits des Flusses auf. Rodnik ist heute eine überwucherte Geisterstadt wie aus einem Roman von Rudyard Kipling, nur liegt es in der Arktis. Das Unterholz lässt Stalins Balustraden zerbersten, hinter einer bröckelnden Säulenkolonnade liegt das eingestürzte Dach des einstigen Kulturpalastes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende begann die Innenstadt von Workuta selbst zu schrumpfen. Das Stadtzentrum flankieren heute Ruinen, Wohnhäuser wie Industrieareale, Stalins Torten wie Chruschtschows Platten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechnet man den Bevölkerungsschwund hoch, dann wäre Workuta  selbst wenn man eine abflauende Krise und Konsolidierung der Kohleindustrie mitbedenkt  in spätestens 20 Jahren verschwunden. Seine Ruinen könnten dann als Mahnmal dienen, zum Gedenken an die Achtung natürlicher Bedingungen und menschlicher Ressourcen. Aber mit der Stadt verschwände auch die Bahnlinie, die hunderte Kilometer durch die Tundra nach Workuta führt. Die nahesten menschlichen Besiedelungen lägen dann, wie vor Beginn der Sowjetzeit, hunderte Kilometer weiter südlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ruinen von Workuta würden demnach praktisch unerreichbar sein. Sie würden langsam in der Tundra verfallen. Und durch ihre Trümmer würden sich, vom Frost getrieben, die kleinen Holzpflöcke schieben, die zeigen, wie alles begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Buchtipp&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Helmut Altrichter: Russland 1989. Der Untergang des sowjetischen Imperiums. C.H. Beck, 447 S., &#8364; 26,90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Zum Thema&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Zahlreiche Mono-Städte im einstigen Osten existierten alleine eines Wirtschaftszweigs wegen: Das Spektrum reicht von der ostdeutschen &lt;b&gt;Eisenhüttenstadt&lt;/b&gt; über das südpolnische &lt;b&gt;Katowice&lt;/b&gt; zum ost-ukrainischen &lt;b&gt;Donbass&lt;/b&gt; und sibirischen Städten wie &lt;b&gt;Norilsk&lt;/b&gt; (Nickel) und &lt;b&gt;Nowy Urengoi&lt;/b&gt; (Erdgas). &lt;b&gt;Workuta&lt;/b&gt; (Kohle) unterscheidet sich von vielen dieser Städte durch die klimatisch und geografisch extreme Lage&lt;br /&gt;
Drei Wochen nach dem Besuch in Workuta erschien in der russischen Wirtschaftszeitung &lt;i&gt;Wedomosti&lt;/i&gt; ein Artikel, wonach russische Behörden die &quot;Auflassung&quot; einiger Monogorody planen. Unter den genannten Städten war auch Workuta.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;a href=&quot;http://www.falter.at&quot;&gt;Falter&lt;/a&gt; 51/09

&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-16T13:46:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6095609/">
    <title>Neuer alter Gürtel</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6095609/</link>
    <description>&lt;i&gt;Einst war er Wiens verrufene Rotlichtmeile. Dann wurde er zum exemplarischen Szeneviertel. Droht das&lt;b&gt; Erfolgsprojekt Gürtel&lt;/b&gt; jetzt wieder zu verkommen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Bericht: Joseph Gepp&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist erst viertel neun Uhr abends, als ein unbekannter Mann nahe der U6-Station Thaliastraße in den Weg von Walter Riedl*) tritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hast du Tschick?, fragt er. Riedl verneint, und ehe er sichs versieht, hat er die Faust des Fremden im Gesicht. Dann treten vier weitere Männer aus dem Gebüsch. Es sind Jugendliche, 16 bis 19 Jahre alt, serbischer Abstammung. Einer umfasst von hinten seinen Hals, entreißt ihm die Geldbörse. Du Lügner, du Lügner, schreien die Angreifer, als sie Zigaretten in Riedls Jackentasche entdecken. Sie drücken ihn zu Boden. Ich sah schon vor mir, wie sie auf mich eintreten, erzählt Riedl heute. Doch sie lassen von ihm ab und fliehen mit 40 Euro Beute und einer angebrochenen Packung Zigaretten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Walter Riedl, 34, arbeitet im Gürtellokal Chelsea, wo er Konzerte organisiert. Drei Wochen nach dem Überfall sitzt er im Josefstädter Café Hummel, blaue Sportjacke, Stirnfransen, und erzählt von der schönen Unmittelbarkeit kleiner Auftritte und von den guten Momenten seines Jobs: Gossip zum Beispiel. Die füllten erst kürzlich das Gasometer. Und waren vor gar nicht langer Zeit noch im Chelsea. Da kannte sie niemand. Ich hab die Platte gehört und mir gedacht: Aus denen wird noch was.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;guertel_mann&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/guertel_mann.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Zielgerichtete Nutzung? Vom Bäcker ...&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ihm aber passiert ist, sieht Riedl nicht als unglücklichen Einzelfall. Denn als er später herumzufragen beginnt, stellt er fest, dass andere Leute aus dem Chelsea-Kreis ähnliche Erfahrungen gemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von nur vier Wochen ist auch der Sohn einer Mitarbeiterin überfallen worden, ebenfalls nahe der U6 Thaliastraße. Ein Bekannter ist vor dem Lokal Weberknecht am Lerchenfelder Gürtel angestänkert und bedroht worden. Einen Stammgast hat es beim Kunstglaskubus von Valie Export nahe der U6 Josefstädter Straße erwischt  es ist derselbe Ablauf wie bei Walter Riedl, mit den Zigaretten und der plötzlich auftretenden Verstärkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht ist das ja nur selektive Wahrnehmung, sagt er. Aber ich habe das Gefühl, dass hier etwas in die falsche Richtung rennt. Dass der Gürtel langsam versandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;guertel_rhiz&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/guertel_rhiz.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;... zum Szenelokal ...&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gürtel ist eine der größten Erfolgsgeschichten im Wien der vergangenen 20 Jahre. Anfang der 90er war er noch eine verrufene Rotlichtmeile zwischen heruntergekommenen Zinshäusern mit Substandardwohnungen, aufgefädelt entlang einer Straße, deren Verkehrsaufkommen nur noch von der Südosttangente überboten wird. Dazu kamen die vermauerten Stadtbahnbögen, die den einstigen Boulevard  früher Ringstraße des Proletariats genannt  wie ein Sperrwall zerteilten. Den verkehrsumtosten Bögen fehlten weitgehend Strom- und Wasseranschlüsse, sodass sie als praktisch unbenutzbar galten. Zusammen mit der Straße waren sie eine gestalterische Herausforderung, an der sich Architekten und Politiker jahrzehntelang die Zähne ausgebissen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;guertel_mcdo&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/guertel_mcdo.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;... zum Fast-Food-Restaurant ...&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wälzen sich in lauen Sommernächten tausende Menschen über den Westteil der 13,5 Kilometer langen Straße. Mancher Student aus Deutschland besucht an seinem ersten Abend in Wien den Gürtel, weil er das Wiener Chelsea schon aus Erzählungen kennt. Das rhiz gilt unter Elektronikfans als europäische Adresse, ebenso das B72, von dessen Indiepop-Gigs man weit über Wien hinaus hört. Dazwischen liegen verglaste Bierhäuser, Würstelstände, Büroaufbauten, Fahrrad- und Gehwege, die nachts hell erleuchtet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gürtel hat im Bewusstsein der Wiener eine neue Funktion erhalten. Seine Termine fehlen in keinem Veranstaltungsplan. Er ist das Signum einer Stadt, die mehr als nur Schönbrunn und Mozart bietet. Ein erfolgreiches Exempel dafür, wie man Mankos in Trümpfe ummünzt: die ziegelsteinerne Industrieanmutung, der Verkehr, die ratternde U-Bahn über den Köpfen der Gäste  all diese Eigenschaften kann man bloß als Probleme betrachten. Oder man betont ihr großstädtisch-raues Flair und verwandelt sie solcherart in Vorzüge, deren Charme Nachtschwärmer anzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;guertel_lager&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/guertel_lager.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;... zum Lager.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Alle Fotos von:&lt;/i&gt; &lt;a href=&quot;http://www.corn.at&quot;&gt;Heribert Corn&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zwölf Jahren war der Gürtel ein großes Prestigeprojekt, sagt Herbie Molin, 52, Gründer und Geschäftsführer des rhiz nahe der Josefstädter Straße. Zwar werde die Zahl der Gäste seitdem nicht weniger, denn am Gürtel sei eine etablierte Fortgehsituation entstanden. Aber die Luft ist aus dem Projekt draußen. Wir fühlen uns hier etwas alleingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl speist sich aus mehreren Faktoren, von denen die aktuellen Überfälle nur einer sind. Früher entschied eine hochrangig bestückte Kommission über die Nutzung der Gürtelbögen; heute zeigt sich der Eigentümer  die Wiener Linien  allein dafür verantwortlich. Früher verteilten sich Wiener Obdachlose über viele Teile der Stadt; heute ballen sie sich an einem völlig überlaufenen Tageszentrum in der U6-Station Josefstädter Straße zusammen, das neuerdings bis neun Uhr abends geöffnet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten nie ein Problem mit Obdachlosen, sagt Herbie Molin. Aber jetzt hat sich ihre Zahl verfünffacht. Die Sozialarbeiter vom Tageszentrum nebenan werden damit offensichtlich nicht fertig. Im Sommer übernachten neben dem rhiz manchmal bis zu 20 Leute. Betreuung haben sie keine, die sanitäre Lage ist katastrophal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch es sind nicht die Obdachlosen, deretwegen es innerhalb der Lokale zu Problemen kommt. Vor drei oder vier Jahren kamen organisierte Diebesbanden auf, die alles gestohlen haben, was nicht niet- und nagelfest war, sagt Molin. Handys, Handtaschen, kürzlich sogar das DJ-Pult.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende, vor acht Wochen, sah sich der Chef zur Einstellung eines Sicherheitsmanns gezwungen. Das setzte den Diebstählen zwar ein Ende. Aber schade ist es trotzdem. Denn in Lokalen wie der Nachtschicht schützen die Securities ja vor den Ausläufern des eigenen Publikums. Bei uns aber ist das Publikum völlig problemlos. Wir müssen uns vor dem schützen, was von draußen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er nennt daher eine Forderung, die sonst eher aus anderen Ecken des politischen Spektrums tönt: mehr Polizeipräsenz auf der Straße. Momentan fährt hin und wieder ein Wagen durch. Dabei sind an Wochenenden tausende Menschen im Grätzel zwischen den Lokalen unterwegs. Auf diese Art bekommen manche das Gefühl, sie könnten hier tun, was sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als 1995 die Gürtelrevitalisierung begann, wollte man die Sicherheitsfrage vor allem auf gestalterische Art lösen: durch die Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls, wie Experten das nennen. Deshalb ließ Silja Tillner als verantwortliche Architektin die zugemauerten Bögen mit transparenten Glasfassaden versehen und verringerte so die barrierenhafte Anmutung. Gehwege wurden großzügig beleuchtet. Ausufernde Sträucher, in denen Müll lag und Ratten raschelten, wurden zurechtgestutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausgang nahmen diese Mühen aber nicht in Wien, sondern in Brüssel. Mit dem EU-Beitritt Österreichs eröffnete sich die Möglichkeit zur Förderung strukturschwacher Stadtteile. 11,3 Millionen Euro stellte die EU in Aussicht, sofern Bund und Gemeinde die Summe um das Dreifache erhöhen und eine Revitalisierung durchziehen. Die Gelegenheit ließ man sich in Wien nicht entgehen. Zumal der dafür Verantwortliche, der damalige SPÖ-Planungsstadtrat Hannes Swoboda, als ausgesprochener Befürworter des Gürtelprojekts galt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gürtelbogenvergabekommission wurde gegründet, aus Rathausbeamten, Architekten und Vertretern der Wiener Linien. Sie existierte bis 2000 und sollte dem verwaisten Grätzel kulturelles Leben einhauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben viele lange und gute Gespräche geführt, sagt rhiz-Chef Molin. Es war damals nicht leicht, einen Gürtelbogen zu bekommen. Und dementsprechend gut hat die Sache funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glaubt man Lokalbetreibern und langgedienten Mitarbeitern, dann ist damals durch das Brüsseler Engagement und die richtige Mischung an heimischen Verantwortlichen eine Dynamik entstanden, die andere Projekte in Wien so schnell nicht aufweisen. In dieser Kommission sind Leute zusammengekommen, denen der Gürtel ein wirkliches Anliegen war, sagt Ernst Weingartner, Gründer des B72. Die Architektin Tillner zum Beispiel, der Stadtrat Swoboda, der damalige Wiener-Linien-Verantwortliche Martin Oedendorfer  diese Leute halfen dabei, Probleme durchzuboxen und das Projekt ins Rollen zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es rollte. Im Sommer 1997 lockte der Night Walk erstmals die Nachtmenschen an den Gürtel, später sollte er zu einem Höhepunkt im Wiener Veranstaltungsjahr werden. Drei Jahre später waren 22 von 30 EU-geförderten Stadtbahnbögen renoviert und verglast. Zwei weitere Jahre später wurde am Urban-Loritz-Platz die große Hauptbibliothek samt vorgelagertem Membrandach eingeweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war das EU-Projekt allerdings schon ausgelaufen. Die Zuständigkeit für die Vergabe der Bögen war von der Kommission zurück an die Wiener Linien gegangen. Es hat einen Generationswechsel gegeben, sagt Architektin Tillner. Das heißt auch, dass jene Leute, die sich damals engagiert haben, heute nicht mehr zur Verfügung stehen. Sie selbst hat sich anderen Projekten zugewandt. Ex-Planungsstadtrat Swoboda sitzt heute als EU-Parlamentsabgeordneter in Brüssel. Und Martin Oedendorfer von der Rechtsabteilung der Wiener Linien ist inzwischen in der internen Hierarchie aufgestiegen und für die Bögen nicht mehr direkt verantwortlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist uns der Gürtel und sein kulturelles Angebot nach wie vor wichtig, erklärt Oedendorfer. Es liegt ja auch in unserem Sinn als Eigentümer, dass dort eine Aufwertung stattfindet. Allerdings sind wir als Vermieter ans Mietrecht gebunden und können auf Preispolitik oder musikalische Programmierung der Lokale nur wenig Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oedendorfer spielt damit auf eine häufig geäußerte Kritik an: dass Bögen, die noch frei wären, oft an Betreiber gingen, die später Billigschnaps à la Ballermann anbieten oder mit Gratiscocktails für Besucherinnen männliche Gäste zum forcierten Aufriss fordern. Diese Lokale liegen um die Nußdorfer Straße, nördlich des ehemaligen EU-Projektschwerpunkts zwischen Josefstädter und Thaliastraße. Wenn ich am Sonntagvormittag vor die Haustür trete, sagt ein Anrainer, dann brauche ich nur den Spuren des Erbrochenen zu den Lokalen zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre schön, sagt B72-Chef Ernst Weingartner, wenn es wie früher wieder Vertrauenspersonen gäbe. Wenn wieder ein oder zwei Leute dezidiert für den Gürtel zuständig wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;*) Weil die polizeilichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, bat Walter Riedl, seinen echten Namen nicht zu nennen&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;a href=&quot;http://www.falter.at&quot;&gt;Falter 51&lt;/a&gt;/09

&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Wien</dc:subject>
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  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6095601/">
    <title>STADTRAND   Die Gefahr klingelt leise und nennt sich WHAM</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6095601/</link>
    <description>Jahrzehnte haben aufrechte Musikfans gestritten, ab wann man eine Band nicht mehr gut finden darf, weil sie sich an den Kommerz verkauft hat. Wenn sie da oder dort konzertiert? Mit diesem oder jenem Gaststar? Wenn ihr neues Album auf CD statt im Netz erscheint? Der Falter hat nach langen kulturwissenschaftlichen Studien eine Antwort auf die Frage gefunden: Die Band sei unten durch, wenn sie einen Weihnachtshit produziert. Weihnachtshits sind schlechte Lieder, die von schlechten Radiosendern gespielt werden. Unaufhörlich. Immer, immer wieder. Dass Weihnachtshits mindestens so schädlich sind wie Computerkriegsspiele oder permanenter Marihuanakonsum, hat nun dankenswerterweise die Gewerkschaft der Privatangestellten erhoben und auf Burn-outs und Ohrenschäden bei Verkaufsangestellten hingewiesen. Also, Entscheidungsträger, worauf wartet Ihr noch! Muss immer erst etwas passieren? Schafft Schutzzonen. Sperrbezirke. Ruheinseln. Sperrt den Weihnachtshit weg! Beschallt damit Terroristen in Guantanamo. Aber nicht den aufrechten Musikfan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 51/09

&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Wien</dc:subject>
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    <dc:date>2009-12-16T13:28:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6083514/">
    <title>Meidling ist der neue Süden  die große Welt am kleinen Bahnhof</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6083514/</link>
    <description>Zwischen 13. Dezember 2009 und dem fernen Jahr 2013  während also der Südbahnhof neu errichtet wird  heißt der größte Bahnhof Österreichs Wien-Meidling. Den leicht anachronistischen Charme des Zugreisens wird dort zwar so schnell keiner zu spüren bekommen, dazu fehlt schon einmal die großzügige Halle. Aber in praktischer Hinsicht scheinen Wiener Linien und ÖBB gut auf die täglich etwa 55.000 Reisenden vorbereitet, die nunmehr ihre Ankünfte und Abfahrten im etwas peripher gelegenen Arbeitergrätzel zu bewältigen haben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde etwa die U6, die nach Meidling führt, aufgerüstet. Zwei zusätzliche Züge auf der Strecke reduzieren die Intervalle von drei auf zweieinhalb Minuten. Dazu wurde die Linie rechtzeitig vor der Südbahnhof-Sperre gänzlich auf Niederflurwagen umgestellt. Das erhöht die Fahrgastkapazität laut Wiener Linien auf ein Viertel. Aufgestockt wurde auch die Straßenbahnlinie 62, die von Meidling ins Zentrum fährt. Trotzdem warnen die Wiener Linien vor einer hohen Auslastung, man möge auch die Nutzung von Schnellbahnen und Regionalzügen vorübergehend in Betracht ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das betrifft nicht nur Reisende der Südbahn (etwa Klagenfurt, Graz oder Ljubljana). Auch wer in die Tschechische Republik oder nach Polen fährt, wird nunmehr in Meidling seine Reise beginnen  wobei der täglich jeweils erste und letzte Zug am Praterstern abfährt und ankommt. Wer sonst wohin in den Osten will, beispielsweise nach Budapest, Belgrad oder Rumänien, startet nach wie vor  kurioserweise  am Westbahnhof. Von dort fahren auch unverändert jene Züge, die tatsächlich gen Westen gehen, nach Deutschland oder in die Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was vom alten Südbahnhof in Betrieb bleibt, sind ein paar Bahnsteige und der komplette unterirdische Teil  die Ostbahn-Regionalzüge und die Haltestelle für Schnellbahnen. Wer also zum Beispiel vom Südbahnhof die S-Bahn nach Wien-Mitte oder Praterstern nehmen will, kann das nach wie vor tun. Der improvisierte Eingang zur Station liegt nunmehr an der Arsenalstraße beim Schweizergarten. Unmittelbar davor halten der Bus 69A und die Straßenbahnlinien O und 18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Meidling selbst? Hier informieren ÖBB-Mitarbeiter mit Flugblättern über Veränderungen, zusätzlich wurden 70 Info-Bildschirme installiert. Parkplätze könnten knapp werden, es empfiehlt sich daher die Anreise per öffentliche Verkehrsmittel. Da die Bahnhofsgröße und Bahnsteiganzahl trotz aller Umstellungen und Umbauarbeiten nicht auf den Fernverkehr ausgelegt sind, stehen die Züge nicht mehr wie gewohnt eine halbe Stunde vor Abfahrt am Gleis, sondern nur wenige Minuten. Gemächliches Koffereinladen wird also ebenso baustellenbedingt eingeschränkt wie der letzte Liebesschwur zwischen Zugfenster und Bahnsteig. Wer das tun will, sollte in den kommenden Jahren möglichst nicht in den Süden reisen  oder erst 2013 wieder schwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 50/09&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-09T12:21:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6083482/">
    <title>Gelesen:  Für immer Pulverfass im Hinterhof</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6083482/</link>
    <description>Ohne Metaphern à la Hinterhof oder Pulverfass geht es leider nicht. Davon abgesehen ist Olaf Ihlaus und Walter Mayrs Minenfeld Balkan ein lohnendes Werk: differenziert und frei jeder Parteinahme. Historisch gehen die beiden Spiegel-Autoren sehr weit zurück, bis zur Amselfeldschlacht 1389, ein balkanologisches Muss, da derlei Uraltereignisse heutigen Konflikten als Vorwand dienen. Minenfeld Balkan erspart dem Leser den Zweckoptimismus des offiziellen Europa. Stattdessen werden die Probleme der 90er-Jahre fortgeschrieben und gipfeln in düsteren Bestandsaufnahmen, etwa über das Nichtfunktionieren Bosniens und des Kosovo oder die schleichende Islamisierung Sarajevos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
Olaf Ihlau, Walter Mayr: Minenfeld Balkan.Der unruhige Hinterhof Europas. Siedler, 304 S., &#8364; 23,60&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 50/09

&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Osteuropa</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-09T12:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6072948/">
    <title>STADTRAND  Eine Weltstadt putzt. Einige Anregungen</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6072948/</link>
    <description>Bösartig derjenige, der an die bevorstehende Wien-Wahl denkt, nur weil U-Bahn-Züge momentan dermaßen nach Reinigungsmitteln riechen, dass man fast high wird davon. Nur weil eine Putzfrau ein Fenster so sorgfältig poliert, als wäre es der Glassturz über der Kaiserkrone in der Hofburg. Nur weil ein Mann mit Müllsack fragt, ob man die Zeitung auf dem Nebensitz noch zu lesen gedenke oder sie schon zur Entsorgung freigegeben sei. Nein, das ist nicht der Wahlkampf. Wir sollten endlich aufhören, über irgendwelche verborgenen Ursachen zu spekulieren. Das Raunzen stoppen. Das städtische Leben positiv sehen. Als Chance. Warum zum Beispiel überlegen wir nicht, welche Möglichkeiten uns die Wohlfühl-U-Bahn außer Sauberkeit sonst noch bieten könnte? Zigarrenabteile mit Ledercouches vielleicht. Eine Schnapsbar in jedem dritten Waggon. Zeitungsständer mit der Frankfurter Allgemeinen statt Heute. Befrackte Kellner, die mit verspiegelten Tabletts durch Abteile schreiten und Gratisespressi anbieten. Dann endlich wäre Wien so schön, wie es nie war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 49/09&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Das Rote Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-02T12:04:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6072945/">
    <title>Buch der Stunde</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6072945/</link>
    <description>Man könnte es als Umbruchsliteratur bezeichnen: In immer mehr Büchern (und Filmen) hetzen junge Existenzen durch improvisierte Lebensläufe, meist vor einem sich rasant wandelnden, urbanen Hintergrund  gerne in Moskau, Neu-Delhi, Peking oder Berlin. Diese Literatur versucht das vage, kaum definierbare Grundgefühl einer Zeit in Worte zu fassen. Das gelingt ihr mal mehr und mal weniger gut: Manchmal beschränkt sie sich darauf, den Charme des Sich-irgendwie-durchs-Leben-Schlagens oberflächlich zu verherrlichen, in anderen Fällen erreicht sie dafür fast Balzacsche Dimensionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der Meister des neuen Genres heißt Serhij Zhadan, ist 35 Jahre alt und stammt aus der ostukrainischen Industriestadt Charkiw. Sein neues Buch, Hymne der demokratischen Jugend, ist ein wahres Schmuckstück der Umbruchsliteratur, das auf anekdotische Weise ganz ernsthaft eine Epoche anschaulich machen will. Was der Autor seinen Protagonisten in den Mund legt, beschreibt den Postkommunismus der späten 90er-Jahre: Das Alte gilt nicht mehr und das Neue noch nicht. Zhadans Epoche ist chaotisch, sie erfordert Improvisationsgeschick und Rücksichtslosigkeit, sie ermöglicht schnelle Auf- und Abstiege und lässt absolut keine individuelle Stabilität zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzählt wird zum Beispiel vom Scheitern des ersten in Charkiw eröffneten Schwulenklubs oder von einem privaten Bestattungsinstitut, das in aller Eile hochgezogen wird, nachdem der Staat sich plötzlich nicht mehr um diese Dinge kümmert. Ständig suchen die Protagonisten nach kleinen (und völlig austauschbaren) Markt- und Existenznischen und kommen sich dabei dauernd in die Quere, weil alles so ungeregelt, so dilettantisch, so überhastet, so kaltschnäuzig abläuft. Dem unbedingten Willen, ein Projekt zu beginnen, steht die tiefe Ahnungslosigkeit gegenüber, wie man es wohl über die Anfangsphase retten und langfristig erhalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind tatsächlich die ganz großen Themen, die in Serhij Zhadans Geschichten aufleuchten und das Buch so lesenswert machen. Und wenn man es schließlich weglegt, meint man, eine ganze Epoche verstanden zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Serhij Zhadan: Hymne der demokratischen Jugend. Roman. Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr. Suhrkamp, 185 S., &#8364; 20,40&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 49/07&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-02T12:01:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6049005/">
    <title>Janes Welt</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6049005/</link>
    <description>&lt;i&gt;Tagtäglich warnt eine Wienerin im Internet vor der bevorstehenden Apokalypse. Zehntausende Anhänger hören ihr dabei zu. &lt;b&gt;Was will Jane Bürgermeister?&lt;/b&gt; Aus dem Leben von Österreichs größter Verschwörungstheoretikerin&lt;br /&gt;
&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
Porträt in Absentia: Joseph Gepp&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man stelle sich eine Runde amerikanischer Hacker vor, vielleicht in einer Kleinstadt mit sonst kaum Betätigungsfeldern. Sie treffen sich in den Hobbyräumen ihrer Eltern, stoppeln Rechner zusammen und entwerfen grinsend einen Hoax, eine Internetfalschmeldung. Der Fantasiebegabteste kreiert den Plot, indem er ein wenig Hightech und ein paar Großkonzerne mischt. Seine Freunde programmieren inzwischen eine Website und legen Spuren in Foren. Am Ende wählt der Kreis ein exotisches Alpenland zu seinem Juxschauplatz und gibt der Hauptperson einen Namen, der klingt, als hätte ein Amerikaner einen österreichischen Namen absichtlich übertrieben, wie im Forum Infokriegernews zu lesen steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und fertig ist die Verschwörungstheorie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungefähr so muss sich die Geschichte abgespielt haben, die hinter Jane Bürgermeister steckt, denken die meisten, wenn sie im Internet zum ersten Mal auf sie stoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer aber weiter nach ihr sucht, dem scheint der Scherz bald zu raffiniert, um nur ein Scherz zu sein. Er findet ein Bankkonto, auf das man für Bürgermeisters investigative Arbeit spenden kann. Er findet ihre Wohnadresse, in Währing, Gürtelnähe. Er findet ein Gesicht, denn neuerdings taucht sie auch in selbstproduzierten Webfilmchen und Interviews auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist eine zierliche Frau, nach eigenen Angaben Tochter einer Irin und eines Österreichers, ungefähr 40, dezent gekleidet. Sie hat kurzes Haar, leichte Ringe unter den Augen, eingefallene Wangen, zuviel Lippenstift. Sie sitzt  darauf lässt ihre rege Publikationstätigkeit schließen  Tag und Nacht vor dem Computer. Und verbreitet ihre feste Überzeugung, wonach ein virenbedingter, von Pharmafirmen und Geheimbünden geplanter Massenmord bald den Großteil der Weltbevölkerung auslöschen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft und immer öfter stößt man auf Jane Bürgermeister. Einmal auf dieser Homepage, dann auf jener, immer dort, wo Realität und Humbug in abenteuerlicher Mischung auf verborgene Zusammenhänge schließen lassen. Manchmal landen beunruhigende E-Mails im Eingangsordner, die in Nebensätzen eine Frau Bürgermeister zitieren. Ein anderes Mal taucht die Journalistin gar in seriösen Medien auf, kürzlich etwa bei Peter Michael Lingens im &lt;i&gt;profil&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;141&quot; alt=&quot;Jane&quot; width=&quot;200&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/Jane.png&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Jane Bürgermeister&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: theflucase.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr als 900.000-mal findet Google mittlerweile ihren Namen, und wöchentlich werden die Einträge mehr. Auf tausenden Websites und Foren befasst man sich mit der Frau aus Wien-Währing, widerlegt sie, unterstützt sie, bedankt sich. &lt;i&gt;Humanity is eternally grateful&lt;/i&gt;, schreibt Sophie aus den USA. Und Udo aus Deutschland fügt hinzu: Machen Sie bitte weiter so!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jane Bürgermeister ist das Phänomen eines Informationszeitalters, in dem viele nicht mehr wissen, wo die Grenze zwischen Wahrheit und Wahnsinn zu ziehen ist. Einer Zeit, in der man Texte über große Weltverschwörungen publizieren kann und trotzdem von verblüffend vielen Menschen ernst genommen wird. In der keine Schwelle mehr die massenhafte Verbreitung von unreflektierter Halbinformation kontrollieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jane Bürgermeister steht für die andere Seite dessen, was Befürworter als den demokratisierenden Effekt des Internets begreifen. Selbstverständlich kann sich die iranische Opposition im Netz organisieren. Bürgermeister kann das allerdings auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn niemand prüft, ob etwas die Veröffentlichung wert ist, ob es den Grundsätzen journalistischer Sorgfalt und wissenschaftlicher Faktentreue entspricht. Niemand nimmt einen Artikel ab, wie das im Zeitungsjargon heißt. Wer immer will, kann heute publizieren. Der Cyberspace, schreibt der Medienwissenschaftler Gundolf Freyermuth, ist für die Konspirationsfans am Ende des 20. Jahrhunderts, was im 19. Hinterzimmer und Flugblatt waren: Versammlungsort und Publikationsmittel zugleich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zitat stammt von 1998  aus grauer Vorzeit, wenn man die Geschichte des Internets betrachtet. Drei Jahre später explodierten in New York und Washington drei Flugzeuge. Es folgte die Ära George W. Bush und, Jahre später, die Weltwirtschaftskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwörungsideologien entstehen meist nach emotionsgeladenen Ereignissen, sagt der deutsche Extremismusforscher Armin Pfahl-Traughber aus Brühl. Das konnte man schon nach der Französischen und Russischen Revolution sehen, ebenso nach dem 11. September. Die gegenwärtige Besonderheit liegt aber darin, dass durch das Internet Konspirationsvorstellungen weitaus breiter und schneller Verbreitung finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Prozent der Deutschen unter 30 Jahren halten es für möglich, dass die US-Regierung die 9/11-Anschläge selbst angeordnet hat, erhob die deutsche Wochenschrift &lt;i&gt;Die Zeit &lt;/i&gt;2003. Je komplizierter die Weltlage, desto fester glauben die Deutschen an Verschwörungstheorien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jene Spielart, die Jane Bürgermeister betreibt, haben Soziologen sogar einen eigenen Namen kreiert: Hightech-Paranoia. Thesen dieser Art fanden sich in den vergangenen Jahren bei allen breitenwirksamen Medizincausen, bei Sars, Aids, Vogelgrippe. Die dazugehörigen Online-Erzählungen sind immer dieselben: Das Medikament sei vergiftet, die Impfung jage in Wahrheit einen Mikrochip unter die Haut. Dahinter steckt immer eine sinistre Organisation, die Weltherrschaft erlangen und dafür die Menschheit töten oder zu willenlosen Sklaven degradieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Verschwörungsideologie, sagt Forscher Pfahl-Traughber, erkläre scheinbar einfach eine immer komplexer werdende Welt. Der Ideologe will nicht anerkennen, dass die Erde keinem großen Plan folgt. Er negiert die Ergebnisoffenheit menschlicher Prozesse, die verwirrende Überlagerung gesellschaftlicher Interessen, die unlogische Vielschichtigkeit der Wirklichkeit. Dabei dient ihm laut Pfahl-Traughber meist ein reales Ereignis als Anknüpfungspunkt. Monokausal und stereotyp gedeutet, werden später vermeintliche Zusammenhänge rundherum gruppiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Jane Bürgermeister findet das reale Ereignis Anfang 2009 statt, vor ihrer Währinger Wohnung. Sie erzählt immer wieder davon. Eine Nachbarin macht sie auf einen Artikel in einer Bezirkszeitung aufmerksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er handelt von einer Panne beim US-Pharmakonzern Baxter in Orth an der Donau. Im Februar werden von dort Proben an europäische Labors versandt. Nahe Prag entdecken Mitarbeiter, dass die als harmlos deklarierte Flüssigkeit mit gefährlichen Vogelgrippeerregern verseucht ist. Obwohl niemand angesteckt wird, alarmiert der Vorfall viele Ärzte. Baxter spricht von menschlichen, technischen und prozessbedingten Fehlern. Beutel seien nicht ausgewechselt worden, nachdem Forscher mit Grippeviren experimentiert hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Artikel hat Jane Bürgermeister als freie Journalistin gearbeitet, für angesehene britische Blätter wie &lt;i&gt;Guardian&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Observer&lt;/i&gt; und Magazine wie &lt;i&gt;Nature&lt;/i&gt;. Ihre Berichte handelten etwa vom Diebstahl des Saliera-Salzfasses, vom makabren Auto Franz Ferdinands im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum, vom nordkoreanischen Atomprogramm. 2006 verfasste sie einen Nachruf auf den deutschen Historiker Joachim Fest, dessen erzählerisches und psychologisches Feingefühl sie lobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber bringt die Lektüre des Bezirkszeitungsartikels etwas an die Oberfläche, was vielleicht schon vorher in ihr gearbeitet hat. Vorerst stellt sie nur Fragen über pharmazeutische Sicherheitsvorkehrungen. Sie beginnt, über eine Vertuschung bei Baxter zu spekulieren  was sie noch mit Ärzten gemeinsam hat, die man auf den Fall anspricht. Aber Jane Bürgermeister geht viele Schritte zu weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann diese Schritte auf den Downloadvideos verfolgen, in denen sie von anderen Verschwörungstheoretikern interviewt wird. Bürgermeister spricht konzentriert. Sie beginnt mit Ausführungen über den Vorfall bei Baxter, die nicht unklug anmuten. Dann aber sagt sie, immer noch seriös klingend, ihre Meinung über die Hintergründe. Sie nennt Organisationen, die man sonst nur aus Mystery-TV-Serien oder Dan-Brown-Romanen kennt. Und zwischen ihrem sachlichen Auftritt und ihren Worten beginnt eine breite Lücke zu klaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Panne bei Baxter, behauptet Bürgermeister, deute auf eine radikale Reduktion der Weltbevölkerung mittels Killerviren im Schweinegrippeimpfstoff hin. Bald werde die Weltgesundheitsorganisation WHO die nationalen Regierungen entmachten und die Impfung zur Pflicht erklären. 80 Prozent der Menschen würden darauf dem biologischen Massenmord zum Opfer fallen, der Rest eine neue Sklavenschicht bilden. Denn die Injektion enthalte auch satellitengesteuerte Mikrochips, um Überlebende gefügig zu machen. Es sei ein Plan, der über Jahrzehnte ausgearbeitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Drahtzieher, führt Bürgermeister weiter aus, seien Uno und WHO. Dahinter stünden  wenn man alles durchdenkt  die mächtigen Geheimbünde der Freimaurer, Bilderberger und Illuminaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In letzter Konsequenz gehe es um Ressourcenknappheit. Es gibt weniger Wasser und Agrarland. Aber die Gruppe will nicht auf erneuerbare Energien umsteigen, sondern die Menschheit reduzieren. Dann haben sie einen Planeten, der frisch und nah am Urzustand ist. Es sei der alte Traum von der Herrschaft der Welt. Zur Kerngruppe zählen etwa  wenn man alle Stücke zusammenfügt  die Rothschilds und Rockefellers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter Jane Bürgermeister vom initialen Vorfall bei Baxter weggeht, desto mehr bedient sie sich klassischer verschwörungstheoretischer Inhalte. Dem Geheimbund der Illuminaten, erklärt Wissenschaftler Pfahl-Traughber, habe man schon vor 200 Jahren die Schuld an der Französischen Revolution gegeben. Obwohl der aufklärerische Verein in Wahrheit 1785 aufgelöst wurde, stößt man heute immer wieder auf ihn  vor allem auf rechtsradikalen Internetseiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Womit man bei Bürgermeisters zweitem Topos wäre: der jüdischen Bankiersfamilie Rothschild. Dass Juden Böses im Schilde führen, gilt geradezu als verschwörungstheoretische Urannahme. Im Mittelalter löste die Angst, dass sie Brunnen vergiften würden, Pogrome aus. Später wies die Naziparole vom schaffenden und raffenden Kapital den Weg zur heutigen Sichtweise von Links- und Rechtsextremisten: Der Jude, immer schon böse, versteckt nun seine diabolische Absicht hinter seinem Händlertum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination von massenhafter Grippeangst und klassischen Verschwörungsinhalten machte Bürgermeisters Theorie zum Weberfolg: Jene, die bisher nichts mit Konspirationen zu tun hatten, sind verunsichert und für die investigative Journalistin empfänglich. Und andere, die Verschwörungstheorien ohnehin glaubten, entdecken sich selbst in Bürgermeister wieder. Im richtigen Moment publiziert, wurde die haarsträubende These vom geplanten Massenmord zum kleinen Massenphänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;256&quot; alt=&quot;impfung_350&quot; width=&quot;350&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/impfung_350.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Durch diese Nadel passt ein Chip, sagt Jane Bürgermeister&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: Landratsamt Roth)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgermeister hat sich offenbar in ihrem Thema verrannt, sagt der Tiroler Infobroker Dietmar Mühlböck, der seit Jahren Radikalismen im Internet beobachtet. Sie scheint in ihrem missionarischen Eifer jede Vorsicht außer Acht zu lassen, mit welch radikalen Kreisen sie sich einlässt. Das manifestiert sich zum Beispiel in Interviews mit politisch eindeutig verortbaren Personen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im September etwa stand Bürgermeister dem ehemaligen Universitätsprofessor Michael Vogt Rede und Antwort. Kritiker sagen ihm Nähe zur rechtsradikalen deutschen NDP nach. Ein von ihm gedrehter Film namens Geheimakte Heß führte laut &lt;i&gt;Spiegel&lt;/i&gt; zu seiner Suspendierung von der Uni Leipzig. Bis vor kurzem arbeitete Vogt für ein Web-TV-Projekt, dessen Gründer ein Buch über jüdische Weltverschwörer im Kampf gegen Nazis und Außerirdische schrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile taucht Bürgermeister auch auf der Homepage des Ex-FPÖ-Politikers Karlheinz Klement auf. Sie teilt sich diese Ehre mit allerlei Berichten über die obskuren Pläne des israelischen Geheimdienstes Mossad oder des Synhedriums der Bnai Brith. Im September wurde Klement noch nicht rechtskräftig zu fünf Monaten bedingt verurteilt. Laut Staatsanwaltschaft stand auf seiner Homepage: Das jüdische Volk hat aus dem Holocaust nichts gelernt und braucht eine zweite Lektion. Wenig Trauer würde es hervorrufen, wenn alle Juden auf einem Schlag gleichzeitig von der Welt scheiden würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem führt Bürgermeister den Kampf fort. Kürzlich erstattete sie Anzeigen gegen vermeintliche Mitwisser der Verschwörung, gegen Baxter, Novartis, profil-Herausgeber Christian Rainer, Bundeskanzler Faymann, Gesundheitsminister Stöger, George Bush, Barack Obama. Über solch einen Dilettantismus, heißt es nun aus Insiderkreisen, beschweren sich sogar andere Verschwörungstheoretiker. Man will ja die Glaubwürdigkeit der Bewegung nicht gefährden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Bürgermeister ist inzwischen präsenter als so mancher alter Hase der Szene. Kritik und Anfeindungen schmettert sie ab. Auf die Falter-Bitte um ein Gespräch antwortet sie: Leute wie Sie sind mitverantwortlich an diesem miserablen Zustand. Ich verschwende keine Zeit mit Ihnen. Kontaktieren Sie mich nie wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kürzlich tauchte ein neues Video auf. Darin führt Jane Bürgermeister durch Wien, vor das Gesundheitsministerium, zum kamerabestückten Zaun der Uno-City, in die U-Bahn, wo sie Passagiere vor der bevorstehenden Zwangsimpfung warnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Oktober hat sie ursprünglich gesprochen, wenn es um den Beginn des Massenmords ging. Jetzt nennt sie bevorzugt das Jahresende 2009. Silvester wird kommen und gehen. Jane Bürgermeister wird einen Weg finden, um auch das zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Häufig antisemitische Verschwörungsmythen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhold Gärtner, 54, ist Professor für Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck. Neben zahlreichen Publikationen zu den Themen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus hat er kürzlich ein Buch mit dem Titel Politik der Feindbilder veröffentlicht. Darin setzt er sich mit FPÖ-Slogans und Alltagsrassismus auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Falter: Herr Gärtner, welche Verschwörungstheorien gibt es in Österreich?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhold Gärtner: Man findet im Grunde das ganze Spektrum, das es auch anderswo gibt. Abgesehen davon würde ich aber sagen, dass antisemitische Verschwörungsmythen in Österreich häufiger vorkommen als in vielen anderen Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;GaertnerReinhold3&quot; width=&quot;262&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/GaertnerReinhold3.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Reinold Gärtner über Verschwörungstheorien&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: privat)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
Und wie genau sehen diese Mythen aus?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gärtner: Es kann sich etwa um die Protokolle der Weisen von Zion drehen. Oder um vermeintliche Machenschaften des israelischen Geheimdienstes Mossad. Im Internet gibt es verschiedene Konjunkturen für diese Abstrusitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Aber warum sind solche Muster gerade in Österreich so deutlich ausgeprägt?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gärtner: Österreich hat eine lange Geschichte und Tradition des Antisemitismus. Über Jahrhunderte wurde der Boden für jene Mythen bereitet, die heute durchs Internet spuken. Zwar existieren und existierten sie auch in anderen Ländern, denken Sie nur an die Affäre Dreyfus im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Aber hier treten sie häufiger auf. Wenn man auf österreichischen Internetseiten nach Verschwörungstheorien sucht, dann stößt man beispielsweise viel häufiger auf den Mossad als auf KGB oder CIA. Warum? Das hat sicherlich auch mentalitätsgeschichtliche Gründe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Jane Bürgermeister war zu keiner Stellungnahme bereit.&lt;br /&gt;
Kurz nach derFalter-Bitte um ein Gespräch erschien allerdings ein englischsprachiger Brief auf ihrer Homepage.&lt;br /&gt;
Darin steht unter anderem:&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Now, we await our&lt;br /&gt;
first big attacks from main&lt;br /&gt;
stream media ()&lt;br /&gt;
We have to man our battle&lt;br /&gt;
stations () being under&lt;br /&gt;
attack is the best compliment ()&lt;br /&gt;
We are many, they are few!&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Zum Thema&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Der britische Guardian-Journalist Jon Ronson hat jahrelang Verschwörungstheoretiker begleitet und ihre Geschichte in einem Reportagenband versammelt. Sie handeln unter anderen vom Ku-Klux-Klan, von amerikanischen Neonazis und Bilderberger-Jägern und von einem Ex-Fernsehmoderator, der fest daran glaubt, dass eine Echsen-Elite in Wahrheit die Welt regiert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jon Ronson, Radikal  Abenteuer mit Extremisten, Verlag Salis, 288 S., &#8364; 24,90&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;a href=&quot;http://www.falter.at&quot;&gt;Falter&lt;/a&gt; 47/09&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Kurioses</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-18T11:06:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6048987/">
    <title>STADTRAND  Eine Eloge auf den Christkindlmarkt</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6048987/</link>
    <description>Klima beeinflusst Gesellschaft, sagen Historiker. Und Europa soll deshalb ein so brummendes Halbinselchen geworden sein, weil seine Bewohner kältebedingt weniger Erregern ausgesetzt waren als etwa jene von Äquatorial-Guinea. Die Theorie hat was für sich, führt aber zur Frage, wie man als Wiener dem Winter entkommen und sich ersehnten äquatorialen Zuständen annähern kann. Und flugs bieten sich überall Gelegenheiten dazu: die Christkindlmärkte. Elitäre Geister mögen sie als besoffene Zusammenrottungen meiden. Weniger Elitäre gehen zum Beispiel ins Museumsquartier, wo sie exakt dasselbe machen wie die Besucher am Rathausplatz, sich aber nicht dem vernichtenden Verdacht der Kitsch- und Schlageraffinität aussetzen müssen. Der Zweck ist natürlich derselbe: Christkindlmärkte stellen auf soziologisch ausgefeilte Weise Leben in der Kälte sicher. Man fraternisiert bei warmem Alkohol. Und wem das zu billig scheint, der kann sich alibihalber auf Glaskugeln, Bioseifen und sonstige Überflüssigkeiten ausreden. Also, Wiener: Trinkt Kiwi-Punsch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 47/09&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-18T11:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6047379/">
    <title>Doppelgleisig</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6047379/</link>
    <description>&lt;i&gt;Eine &lt;b&gt;saubere, sichere und pünktliche U-Bahn&lt;/b&gt; darf viel Geld kosten. Politische Pfründe sollten es nicht&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
Analyse: Joseph Gepp&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann den Wiener Öffi-Plan als Mittel nutzen, um rasch von A nach B zu kommen. Man kann ihn aber auch politisch lesen, als Spiegelbild von Macht und Machtteilung in diesem Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es zum Beispiel die rote U1 (Stadt), die den wichtigen Südbahnhof (Bund) ignorant links liegen lässt. In Floridsdorf ziehen dafür braune U6 (Stadt) und blaue S45 (Bund) in einträchtiger Parallelität nebeneinander her. Da gibt es am Alsergrund mit dem Franz-Josefs-Bahnhof (Bund) den wohl verwaistesten Kopfbahnhof Österreichs, weil die Fahrgäste einige hundert Meter weiter an der U6-Station Spittelau (Stadt) umsteigen. Da gibt es weiters die strichliert violette U2-Südverlängerung (Stadt). Wie die U1 soll auch sie am Südbahnhof vorbeifahren. Dafür ist nun, als Ausgleich für täglich tausende Pendler, eine kleine Standseilbahn zwischen U- und S-Bahn geplant. Wie ein schmales Bindeglied zwischen überbordendem Föderalismus und gesundem Menschenverstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Womit wir beim Thema wären: Vergangene Woche warf der Rechnungshof den Wiener Linien in einem Bericht internes Kontrollversagen bei den Verlängerungen von U1 und U2 vor. Neben rund neun Millionen Euro unnötiger Mehrkosten kritisierten die Prüfer, dass der mitfinanzierenden öffentlichen Hand rund sechs Millionen Euro zu viel verrechnet wurden. Konkret seien etwa Kosten für den Bau von Geschäftslokalen, die die Verkehrsbetriebe selbst hätten tragen müssen, zu Stadt und Bund geschoben worden. Die Linien weisen die Vorwürfe zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter dem Missstand steckt ein grundsätzliches Problem: Ja, die U-Bahn in Wien läuft hervorragend, ist sicher, sauber und pünktlich. Ja, ein solches Service kostet Geld. Aber ab wann zahlt der Steuerpflichtige extra für Intransparenz? Ab wann fließt das Geld in die Absicherung (stadt-)politischer Pfründe? Um wie viel weniger Geld ließe sich ein Öffi-Netz realisieren, das ebenso sicher, sauber und pünktlich laufen würde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1999 unterstehen die Wiener Linien nicht mehr direkt dem Rathaus, sondern der Wien-Holding, die jedoch ihrerseits eine Gemeindetochter ist. Die Verkehrsbetriebe wurden, wie man das nennt, ausgegliedert. Seitdem scheint es, als nehme sich die Stadtverwaltung von der öffentlichen und privaten Organisationsform das jeweils Angenehme: Wenn  wie momentan  Landtagswahlen näherrücken, dann häufen sich in U-Bahn-Werbekampagnen die (sozialdemokratischen) Erzählungen vom sicheren, sauberen und pünktlichen Wien; kürzlich wurde laut Medienberichten auf Betreiben der Stadt sogar der Pressesprecher ausgewechselt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es aber  wie nach dem Rechnungshofbericht  Kritik gibt, dann putzen sich Politiker am angeblich unabhängigen Unternehmen ab, über dessen Geschäftsgebaren für sie ja keine Rechenschaftspflicht bestehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgliederung verdeckt die Tatsache, dass die Wiener Linien nach wie vor als Erbgut der Wiener SPÖ betrachtet werden. Und damit als städtisches Prestigeprojekt dienen, als werbewirksames Symbol einer wohlorganisierten und lebenswerten Stadt. Dementsprechend wenig Wert legen sie auf Zusammenarbeit mit den bundesweiten ÖBB.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So trennt die beiden Unternehmen eine jahrzehntelange Geschichte des Aneinandervorbeiplanens. Ihr liegt ein Konflikt zwischen Parteien und zwischen staatlichen Ebenen zugrunde, dem Effizienz und Synergien oft zum Opfer fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lösung wäre, wie oft in Österreich, theoretisch einfach. Aber ein Verzicht auf politische Pfründe hinter vorgeblicher wirtschaftlicher Unabhängigkeit erfordert auch die Preisgabe von Einfluss. Dann könnte das rote Rathaus über seine U-Bahn nicht mehr verfügen, wie es das derzeit tut. Und die mitunter schwarze Republik müsste in Wien mit einem politischen Gegner zusammenarbeiten. Vor diese Wahl gestellt, scheint Geldverbrennen allemal die bevorzugte Möglichkeit zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 46/09&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Das Rote Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-17T10:59:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6026804/">
    <title>Seestadt oder Schlafstadt?</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6026804/</link>
    <description>&lt;i&gt;&lt;b&gt;Raumarchitekt Oliver Schulz&lt;/b&gt;e über Nutella, gute Partys und urbanes Treiben auf dem Flugfeld Aspern&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Gespräch: Joseph Gepp&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohnraum für 20.000 Menschen, Arbeitsplätze für 15.000, ein Park, ein See, eine Ringstraße, das alles auf einer Fläche, so groß wie die der Bezirke Neubau und Josefstadt zusammen: Das ehemalige Flugfeld Aspern in der Donaustadt ist eines der größten Stadtentwicklungsgebiete in Europa. Und im Gegensatz zu manch anderen Neubauvierteln soll dort  in rund 20 Jahren, wenn das Projekt vollendet ist  auch das Straßenleben pulsieren. Damit Aspern nicht zu einer weiteren Wiener Schlaf- und Pendlerstadt verkommt, haben das Rathaus und die zuständige Entwicklungsgesellschaft den deutsch-dänischen Raumarchitekten Oliver Schulze, 35, vom Büro Gehl Architects, mit einem Masterplan beauftragt. Schulze ist Experte für den öffentlichen Raum. Im Falter-Gespräch erklärt er seine Vision einer belebten Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Falter: Herr Schulze, wenn ich mich in die U-Bahn setze und auf die Donauplatte oder ins Kabelwerk fahre, dann werde ich dort mit großer Wahrscheinlichkeit kaum Menschen antreffen. Neu gebaute Wiener Stadtviertel sind gemeinhin bewohnt, aber nicht belebt. Soll das bei Aspern anders werden?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oliver Schulze: Ja, das soll es. Was Sie da ansprechen, sind Symptome, die sich in vielen Neubaugebieten westlicher Städte finden. Der Grund ist einfach: Weil sich unsere Lebensstandards geändert haben, wohnen die Menschen heute weniger dicht beieinander. In Dänemark zum Beispiel kommen heute auf einen Stadtbewohner 60 Quadratmeter bebauter Raum, in Wien sind es 44 (im Jahr 1961 waren es 22, 1907 sieben Quadratmeter pro Kopf, Anm.). Auf derselben Fläche wohnen also weniger Menschen als früher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Stehen wir also vor einem Dilemma? Lebensstandard gegen Straßenleben?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Genau. Früher waren die Straßen belebt, man hielt sich viel draußen auf, um sein Leben zu organisieren. Es gab keine Kühlschränke, also musste man täglich kleine Einkäufe machen. Es gab keine Autos, also musste man zu Fuß zur Arbeit. Heute organisiert man sein Leben eher von zuhause aus. Dadurch bleibt die Straße leer. Dieses Dilemma müssen wir auflösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Aber die alten Wiener Gründerzeitviertel sind immer noch lebendig, obwohl der Lebensstandard gestiegen ist und die Grätzel dadurch viel weniger dicht besiedelt sind.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Diese Gründerzeitviertel sind ja auch in ihrer Geschichte von fünf Generationen kolonisiert worden. Einwanderungswellen haben dort über Jahrzehnte vielfältige Einzelhandelsstrukturen entstehen lassen. Eine derartige physische und soziale Komplexität kann man nicht simulieren, wenn man ein Projekt auf der grünen Wiese plant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Demnach ist es in Neubauvierteln gar nicht möglich, ein belebtes Stadtbild zu schaffen?&lt;br /&gt;
&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Schulze: Nicht ganz, selten ist es schon möglich. Es gibt in Europa ein paar gute Beispiele, die zeigen, dass es funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
Irgendwann soll Aspern wohl auch eins dieser guten Beispiele werden. Wie soll das gehen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: In einem Neubaugebiet von der Größe Asperns ist öffentliches Leben ein kostbares Gut. Wir haben also unserem Plan den Gedanken zugrunde gelegt, dass man dieses Gut nicht wie Nutella über eine Brotscheibe schmieren darf. Im Gegenteil muss man sich seiner Begrenztheit bewusst sein  und den öffentlichen Raum auf wenige, bewusst gewählte Orte konzentrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei auch um Kleinräumigkeit, die Straßenleben ermöglicht. Sie können das mit einer Party vergleichen: Einer guten Party steht immer etwas zu wenig Platz zur Verfügung. Bei einer schlechten verlieren sich die Partygäste auf zu viel Raum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das heißt, Sie wollen das Straßenleben gezielt an einzelnen Orten zusammenballen, um es überhaupt zu ermöglichen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;320&quot; alt=&quot;aspern-Seestadt_Seepromenade&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/josephgepp/images/aspern-Seestadt_Seepromenade.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Brave New World: So soll laut Planern und Rathaus die Zukunft&lt;br /&gt;
des ehemaligen Flugplatzes Aspern aussehen. Oder wird sie doch&lt;br /&gt;
eine Spur unbelebter?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Grafik: schreinerkastler/Wien 3420 AG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
Wie soll das konkret funktionieren?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Indem wir nicht die gesamten 240 Hektar Fläche planen, sondern bestimmte Orte definieren, die wir Saiten nennen. Schon die ersten Zuzügler müssen dort urbane Qualitäten vorfinden, die in der späteren Entwicklung des Viertels unverändert bleiben. Durch die Qualitäten und Muster der Saiten wollen wir das begrenzte Gut öffentlicher Raum an bestimmten Stellen festmachen. Zum Beispiel, indem wir bewusst Kultur-, Einzelhandels-, Gewerbe- oder Erholungsräume definieren. Es muss ein Zusammenspiel geben zwischen einzelnen Gebäuden und der Art, wie der Raum zwischen ihnen programmiert ist. Die traditionelle Architektur vernachlässigt diese Zwischenräume oft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Es wird aber 20 bis 25 Jahre dauern, bis das Entwicklungsgebiet Aspern fertig ist. Kann man tatsächlich auf so lange Zeit planen, wie Menschen ihr Umfeld nutzen werden?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Dieses Problem haben Masterpläne grundsätzlich an sich. Gestalter glauben, dass sie ein gefrorenes Planbild in die Wirklichkeit übertragen können. Wir haben daher in unseren Plan eine Zeitebene eingeführt: Manche Räume sind schon für die erste Bauphase definiert, bei anderen Orten haben wir nur Samen für die Entwicklung gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt zum Beispiel ein Netz von Pfaden zum Radfahren oder Joggen. In einem Jahrzehnt, wenn diese Pfade schon etabliert und vielbenutzt sind, sollen sie im Rahmen eines nächsten Projektschritts ausgebaut werden. Dann werden Straßen daraus. Und man kennt diese Orte schon, sie haben eine Geschichte und Evolution hinter sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Sie haben in New York, in Südengland und im Oman gearbeitet. Was haben Sie dort gelernt? Was muss man tun, damit öffentlicher Raum funktioniert?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Wie gesagt gibt es  zum Beispiel in Hamburg, Freiburg oder Malmö  neue Stadtviertel, die belebt sind und bestens funktionieren. Wir haben bei der Analyse dieser herausragenden Beispiele ein ganz klares Muster entdeckt: Jedes Mal gab es zwei oder drei wichtige Menschen, die von Anfang an dem Projekt zur Seite standen und ihre Ideen durchgeboxt haben. Ich würde diese Menschen Paten nennen.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
Wer sind die Paten? Engagierte Anrainer?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Nein, gar nicht. Es sind Menschen in Schlüsselpositionen. In Melbourne, um ein Beispiel zu nennen, war der Stadtarchitekt der Pate. Er hat kompromisslos seine Idee durchgesetzt, und er wurde nicht alle vier Jahre neu gewählt. Auf diese Art war er in der Lage, an einer starken, selbstentwickelten Vision festzuhalten. Anderswo waren langjährige Bürgermeister oder engagierte Stadtentwickler die Paten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Es bräuchte also jemanden, der nicht vom jeweils nächsten Wahlausgang abhängig ist?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulze: Ja. Stadtentwicklung und Politik sind zwar eng miteinander verflochten, aber die beiden haben völlig verschiedene Zyklen: Stadtentwicklung funktioniert viel langfristiger als Politik. Man muss also Personen finden, die entweder sehr lang in der Politik sind. Oder vom Rand des politischen Spektrums ein Projekt über Generationen hinweg verfolgen und mitbestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;a href=&quot;http://www.falter.at&quot;&gt;Falter&lt;/a&gt; 45/09&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-04T14:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6026798/">
    <title>STADTRAND  Über Fremdflyerer und Eigenbiertrinker</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6026798/</link>
    <description>Das Museumsquartier ist ja, man muss es neidlos und ironiefrei sagen, eine praktisch identitätsstiftende Instanz in Wien. Dementsprechend kreiert es auf seinen zahlreichen Gebots- und Verbotsschildern auch eine eigene Sprache, die MQ-Sprache. Das unautorisierte Auslegen von Werbezetteln heißt zum Beispiel auf MQ: fremdflyern. Selbiges ist, so steht es in einem Torbogen, verboten. Das Gegenteil von fremdflyern wäre wohl heimisch flyern, noch eher: heimflyern. Wenn also der Fremdflyerer im Gegensatz zum Heimflyerer seine Flyer verflyert, dann muss er wohl mit einer baldigen Entflyerung der beflyerten Behältnisse rechnen. Klingt das nicht ein bisschen nach Bierverbot? Nach Kommerzialisierung, nach Exzessbeschränkung und Restriktion im sonst so offen-liberal-urbanistischen Museumsquartier? Stehen uns jetzt Facebook-Gruppen ins Haus, die sich Bring Your Own Flyer nennen oder Wir flyern fremd? Die Revolution der Fremdflyerer? Wahrscheinlich nicht. Fremdflyerer haben wohl einfach nicht dasselbe Mobilisierungspotenzial wie Eigenbiertrinker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 45/09

&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-04T14:34:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6026796/">
    <title>Gelesen: China, vorurteilsfrei</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6026796/</link>
    <description>Peter Hessler, langjähriger Korrespondent der US-amerikanischen Zeitschrift The New Yorker in Peking, hat ein Buch über China geschrieben, das anders als die vielen bisherigen zum Thema ist: Hessler fuhr jahrelang mit dem Mietwagen durchs Land, durchquerte boomende, ihr Umland auffressende Städte, sterbende Dörfer mit rechtlosen bäuerlichen Bewohnern, Fabriksgebiete, die sich ausschließlich auf die Herstellung von Motorenanlassern oder BH-Ringen spezialisiert haben. Herausgekommen ist ein Meisterstück des amerikanischen Reportagestils, ein tiefer Blick in eine Gesellschaft im unvorstellbar rasanten Wandel (im ersten Quartal 2009 wurden in China erstmals mehr Neuwagen verkauft als in den USA). Hessler beschreibt diese Veränderungen minutiös, witzig und detailreich, ohne den Überblick zu verlieren. Er verzichtet dabei auf Prognosen oder Analysen  denn die ergeben sich, wie es bei einer guten Reportage der Fall sein sollte, ohnehin aus seinen Beobachtungen. Äußerst lesenswert!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Peter Hessler: Über Land. Unterwegs auf Chinas Straßen. Berlin Verlag, 480 S., &#8364; 24,70&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 45/09&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Entwicklungsländer</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-04T14:32:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6015417/">
    <title>Das besetzte Audimax: &quot;So eine große Sache gab&apos;s ewig nicht mehr&quot;</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6015417/</link>
    <description>Das Letzte, was die Biologiestudentin sagt, bevor sie den Saal verlässt, ist, dass sie eine eineinhalbstündigen Anreise hinter sich habe und jetzt &quot;bitte schön&quot; auch ihre Vorlesung hören wolle. Doch 400 Leute buhen sie nur aus. Die Studentin steckt ihren Block weg und geht aus dem Auditorium Maximum der Uni Wien, das sich zusehends mit Demonstranten füllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Uni-Besetzung der jüngeren heimischen Geschichte beginnt vergangenen Donnerstagvormittag im Wiener Votivpark. An den Unis brodelt es (siehe links), ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn spricht wieder von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Die Polizei kommt, postiert sich entlang des Platzes, &quot;dies ist keine angemeldete Demonstration&quot;, ruft ein Beamter ins Megafon, man möge den Platz sofort räumen. Die Studenten ziehen in die Uni, trommeln an Hörsaaltüren, dann ziehen sie ins Audimax, dessen Türen wegen der beginnenden Biologievorlesung gerade offen stehen. In drei Stunden sind aus 300 Demonstranten über 1000 geworden. Hier bleiben sie nun, im großen Saal, den ganzen Tag, die ganze Nacht, den ganzen folgenden Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schleppen DJ-Pulte in den Saal, Bands treten auf, Reden über Frauenrechte und die Ökonomisierung aller Lebenslagen werden geschwungen. &quot;Hahn gehört gerupft&quot;, skandieren die Studenten, und:&quot;Nur Chuck Norris schafft sein Studium in Mindeststudienzeit.&quot; Man nimmt jubelnd Solidaritätsadressen in Empfang (&quot;ein Gruß vom Schülerkomitee der Sozialistischen Jugend Vorarlberg&quot;). Rauchschwaden hängen unter der Decke. Von der Straße werden Mistkübel in den Saal gezerrt, um dem Abfall Herr zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Per Handzeichen melden sich Freiwillige für Arbeitsgruppen, &quot;Presse&quot;, &quot;Facebook/Twitter&quot;, &quot;Müllkolonne&quot;. Am Gang vor dem Saal stehen die Flip-Chart-Tafeln aus Seminarzimmern: &quot;Was verstehen wir unter Demokratisierung? (lesen, diskutieren)&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diktion der Gruppen schwankt zwischen Marxismus und Managementseminar, zwischen &quot;Organisationskomitee&quot; und &quot;Vernetzungsstrategie&quot;, je nach Ideologie. &quot;Wir brauchen eine straffe Struktur&quot;, sagt etwa Robert, Politikwissenschaftler und selbsterklärter Maoist. &quot;Nur so können wir unser Ziel erreichen: einen kompletten Generalstreik des österreichischen Bildungssystems.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael, 24, Lehramt, klingt pragmatischer: Zumindest wolle er so lange bleiben, bis sich Uni-Rektor Georg Winckler oder Minister Hahn im Audimax eingefunden hätten. &quot;Das Wesentliche ist ja: So eine große Sache gab?s ewig nicht mehr. Alle berichten über uns. Alle schauen uns zu.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reportage: Joseph Gepp&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;i&gt;Falter&lt;/i&gt; 44/09&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
    <dc:subject>Wien</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-28T14:25:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://josephgepp.twoday.net/stories/6005617/">
    <title>Jagt Schnitzel, stehlt Hunde!</title>
    <link>http://josephgepp.twoday.net/stories/6005617/</link>
    <description>&lt;b&gt;100.000 Studenten beginnen dieser Tage ihr Semester in Wien. Was sollen sie tun? Alles, außer Lernen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;70 Tipps: Ingrid Brodnig, Joseph Gepp, Christopher Wurmdobler&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;1 Den Einser nehmen &lt;/b&gt;Der alte Einser kurvte die Ringstraße entlang, der neue fährt jetzt vom Zentrum in den Süden, was viel über den Aufbau der Stadt verrät. Man passiert die Altstadt, Wiens letztes Stück Ustrab-Netz (Unterirdische Straßenbahn) und den Zehnten bis zum Favoritner Wasserturm. Sollte man gemacht haben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;2 Im Pub-Quiz brillieren&lt;/b&gt; Richtige Streber trumpfen nicht an der Uni auf, sondern beim Spieleabend mit Freunden bei einem Pint Guinness. Etliche Pubs bieten Quizzes an, etwa das Shebeen im siebten oder das Charlie Ps im neunten Bezirk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;3 Die Welt schöntrinken&lt;/b&gt; Wer Glühwein und ein gutes Gewissen haben will, kann beim Ute-Bock-Stand (ab November, Mariahilfer Straße) fleißig trinken. Eine gute Auswahl an wärmenden Getränken gibt es übrigens beim Winter im MQ. Ein Weihnachtsmarkt ohne peinliche Deko!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;4 Einen Gacksi-Hund stehlen &lt;/b&gt;Viele Studierende sind stolze Besitzer eines Jack-Russell-Terriers. Aus Pappe. Mit dem Viech versucht die Stadt Wien ihr Hundekotproblem zu bekämpfen: Nimm ein Sackerl für mein Gackerl. Der Terrier wird gern gemopst und zum WG-Ausstellungsstück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;5 Fit bleiben &lt;/b&gt;Kraftstudios für Doper und Yuppies, das war mal. Heute ist Fitness in der breiten Mitte angekommen, und auch der Student stemmt gern gegen Kopflastigkeit an. Sehr preiswert zum Beispiel (&#8364; 17,/Monat) und 24 Stunden offen: die McFits. Überhaupt gratis ist die Open-Air-Fitnessanlage am Nordbahnhofgelände. Das hat schon fast was von Rio.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;6 Pferd essen &lt;/b&gt;Vegetarier weghören! In Wien gibt es erstklassiges Pferdefleisch, etwa bei der Fleischhauerei Gumprecht www.gumprecht.at. Gut ist auch der Leberkäse am Hohen Markt. Dort kann man Pferd essen und lebende Fiakerpferde sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;7 Im Museumsquartier saufen&lt;/b&gt; Im Juni verbot das MQ mitgebrachten Alkohol. Nach lautem Protest ruderte man zurück. Umso wichtiger ist es, weiterhin Dosenbier in den Innenhof mitzubringen und dort zu trinken. Als Statement gegen den Konsumzwang in der Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;8 Ins unterirdische Wien steigen&lt;/b&gt; Wer einen Altwiener Keller betritt, findet nicht selten den Zugang zum Nachbarhaus. So erschließt sich ein Labyrinth im Untergrund. Taschenlampe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;9 Vororte checken&lt;/b&gt; Die Vorortelinie zwischen Handelskai und Hütteldorf ist eine Gebirgsbahn mit 29 Brücken, die vollständig innerhalb der Stadtgrenzen liegt. Ermöglicht einen anderen Blick auf Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;10 Billiger rocken &lt;/b&gt;Wer bei teuren Konzerttickets sparen will, geht zur Jugendinfo Babenbergerstraße. Welche Gigs günstiger sind, steht online unter: www.wienxtra.at. Übrigens gibt es oft auch zum Studentenkonto Konzertermäßigungen, etwa bei der Bank Austria oder der Ersten Bank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;11 Die Preisfrage stellen&lt;/b&gt; Im Deewan www.deewan.at nahe der Uni gibt es nicht nur ein leckeres pakistanisches Buffet. Man entscheidet auch selbst, was einem das Essen wert ist. Also: den angemessenen Preis errätseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;12 Radfahren aus Prinzip &lt;/b&gt;Mit dem Rad lernt man die Stadt am besten kennen. Wer hier noch keinen Drahtesel hat, kann fürs erste die gratis City Bikes auprobieren. Überzeugte Biker treffen sich dann bei der Critical Mass (jeden 3. Freitag im Monat, 16.30 Uhr, Schwarzenbergplatz), um die Straßen für sich zu erobern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;13 Bis zum Umfallen sporteln&lt;/b&gt; Von Badminton über HipHop bis Rugby. Das Universitätssportinstitut bietet preiswerte Kurse für Studenten und Akademiker. Viele Einheiten sind für dieses Semester schon ausgebucht. Bei Interesse trotzdem bei einer Übung vorbeischauen, manchmal gibt es nachträglich Kursplätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;14 Ster- und Grissemann besuchen &lt;/b&gt;Die Entertainer kennen wir aus Film, Funk und Fernsehen. Wer sie live sehen will, kann unter www.willkommen-tv.at gratis Karten für die Aufzeichnung von Willkommen Österreich gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;15 Mitläufer sein&lt;/b&gt; Wem sogar der USI-Kurs zu teuer ist, der kann zum Beispiel entlang des Donaukanals, der Donauinsel, durch den Augarten, Schloss Schönbrunn oder die Prater Hauptallee joggen. Letztere ist auch nachts beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
16 Im Schikaneder versumpfen &lt;/b&gt;Das Schikaneder ist mehr als feines Programmkino und gute Bar mit abgefucktem Mobiliar. Es ist eine Wiener Institution. Deswegen wurde auch die dazugehörige Gasse nach dem Lokal benannt. Oder war es umgekehrt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;17 Die Gürtelrunde machen&lt;/b&gt; Wer bei der U6-Thaliastraße aussteigt und Richtung Alser Straße geht, kann im Schnelldurchlauf drei Spitzenbars besuchen: das Chelsea mit Indie- und Fußballkultur, das elektronische rhiz und schließlich das junggebliebene B72. Am besten alle!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;18 Ins Wohnzimmer gehen&lt;/b&gt; Im WerkzeugH im fünften Bezirk stammt das Mobiliar aus verschiedenen Epochen und vermutlich mehreren Wohnungsauflösungen. Charmant improvisiert!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;19 Dem Wuk-Sound lauschen &lt;/b&gt;Der Ziegelbau schaut nicht nur gut aus, hat adäquate Bier- und Eiernockerlpreise und angenehm alternatives Publikum. Er bringt auch die spannendsten Konzerte. Die österreichische Indiehoffnung Soap+Skin, Shantel und Herr Blumfeld Jochen Distelmeyer persönlich  all das gibt es heuer noch zu sehen www.wuk.at&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;20 Zu faul zum Kochen sein &lt;/b&gt;Wer verkatert aufwacht und nichts im Kühlschrank hat, kann sich sein Essen nachhause bestellen. Zum Beispiel über Netkellner.at oder über das Wiener Web-2.0-Portal Mjam.net.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;21 Permanent frühstücken&lt;/b&gt; Manche Menschen frühstücken im Bett, andere auf der Verkehrsinsel. Permanent Breakfasts www.permanentbreakfast.org sind Frühstücke im öffentlichen Raum, bei denen man Freunde und Passanten einlädt. Regeln und Termine dafür finden sich im Netz  ein toller Start ins Wochenende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;22 Gratis Funknetzen&lt;/b&gt; Bekanntlich leben wir in der Informationsgesellschaft, aber nicht jeder hat zuhause Internet. In der Stadt gibt es etliche kostenlose WLANs, zum Beispiel im MQ, Möbel oder Strandbar Herrmann. Die beste Übersicht von gratis WLANs findet sich unter www.helge.at/wlan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;23 Bier herholen &lt;/b&gt;Wahre Couchpotatoes bestellen ihr Krügerl online unter www.bierher.at. Geliefert wird ab sechs Bier, Zustellgebühren gibt es keine. Und 1,70 Euro für eine Flasche Ottakringer sind okay!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;24 Falsche Berge besteigen Wer&lt;/b&gt; sich nach einer Stunde Sport fühlen will, als hätte er soeben Europa per Fahrrad umrundet, der sollte klettern. Zum Beispiel ohne Seil und Haken in der Boulderhalle Walfischgasse. Oder etwas schwindliger im Kletterzentrum Rotenturmstraße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;25 In die Kirche gehen&lt;/b&gt; Wien hat viele schöne Kirchen. Einer der Höhepunkte liegt weit draußen: Otto Wagners weiß schimmernde Steinhof-Kirche. Wie geschaffen für einen müden und perfekten Sonntagnachmittag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;26 Auf die Stadt herabschauen&lt;/b&gt; Die Blicke sind überwältigend und die Anreise nicht beschwerlich, denn manche Stellen im bergigen Westen fährt sogar die Straßenbahn an. Unsere Empfehlungen: Lainzer Tiergarten, Cobenzl oder  für den faulen Urbanisten  der Donauturm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;27 Ganz morbide werden&lt;/b&gt; Am Zentralfriedhof wird Wien seinem Klischee gerecht (auf einer Fläche, größer als die Innenstadt). Schön auch im Winter! Die Rückkehr ins Reich der Lebenden erleichtert übrigens ein deftiges Gericht in einem der vielen Wirtshäuser um den Friedhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;28 Schräges Wien erleben &lt;/b&gt;Manchmal fühlt man sich im Wurstelprater und  noch mehr  im Böhmischen Prater 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt (ohne Kitschfaktor, dafür sind die Vergnügungsparks viel zu chaotisch). Wer gegenwärtig bleiben will, der lasse sich mittels diverser Apparaturen in die Luft katapultieren. So erhascht man auch eine hübsche Vogelperspektive auf die Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;29 Sich billig den Bauch vollschlagen&lt;/b&gt; Am besten im Tunnel (8., Fuhrmannsgasse 18a) und Café Merkur (8., Lammgasse 1) und in der legendären Pizzeria Mafiosi (15., Reindorfgasse 15). Das arabische Frühstück im Tunnel  samt literweisem Kaffee  zählt zu den studentischen Standarderfahrungen dieser Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;30 Baden gehen &lt;/b&gt;Schön, dass mittlerweile die meisten Wiener Wohnungen Bäder haben. So wird der Besuch einer Badeanstalt zum reinen Vergnügen. Wir empfehlen: Amalienbad (klassisch), Stadthallenbad (sportlich) und Oberlaa (Kur). Wo sonst lässt sich die Wiener Seele besser kennenlernen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;31 Sich ironisch einrichten&lt;/b&gt; Stil und schlechter Geschmack sind nah beieinander. Da liegt es nahe, sich im Retro-Stil einzurichten. Alte Möbel für den guten Zweck gibts im Caritaslager Carla www.caritas-wien.at, Büromöbel ab und zu beim Flohmarkt der MA54 www.wien.gv.at.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;32 Schenkel klopfen&lt;/b&gt; Spaßkanonen, die man aus dem Fernsehen kennt, treten alle auch live auf. Kabarettfans kommen im Palais Nowak www.simpl.at, in der Kulisse www.kulisse.at oder im Orpheum www.orpheum.at auf ihre Kosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;33 Ruhige Kugeln schieben&lt;/b&gt; Kegeln, Bowling, Petanque www.boule.at machen Spaß. Ein Klassiker ist die Kegelbahn im Keller des Café Weidinger (16., Lerchenfelder Gürtel 1). Rechtzeitig reservieren!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;34 Wien am eigenen Leib tragen I&lt;/b&gt;rgendwann ist man so stolz auf seine Stadt, dass man sie am Leibe tragen möchte. Die Shirtbedrucker von Merchzilla www.merchzilla.com haben Labels dafür: Wiener Brut, Wien rockt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;35 Flüsterkonzerte erleben&lt;/b&gt; Musik muss nicht immer laut sein. Manchmal sorgen auch Anrainer dafür. Deshalb fährt die Transporter Bar www.transporterbar.com ein eher ruhiges Liveprogramm, sehr angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;36 Sich elektrifizieren lassen&lt;/b&gt; Wien ist eine Partystadt. Zwar nicht durchgehend, aber doch kontinuierlich tanzt das Volk ums Riesenrad in Fluc Wanne www.fluc.at, Planetarium und Pratersauna www.pratersauna.tv. Letztere geht in ihre erste Wintersaison und wird dafür noch erweitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;37 Sich die Ohren durchputzen lassen &lt;/b&gt;Man muss kein Klassikfan sein, um sich von einem großen Orchester einmal die Gehörgänge durchputzen zu lassen, ein besonderes Erlebnis mit den Symphonikern im Musikverein. Ja, es gibt Studentenpreise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;38 Alte Filme anschauen&lt;/b&gt; Im Filmmuseum www.filmmuseum.at finden die Ausstellungen auf der Leinwand statt. Gezeigt werden Klassiker, Wiederentdeckungen und Streifen, die man sonst nie sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;39 Nach dem Film bleiben &lt;/b&gt;Mit Schikaneder www.schikaneder.at und Top Kino www.topkino.at gibt es in Wien gleich zwei Filmtheater mit angeschlossener Lounge. Hier treffen sich auch Menschen, denen das Kinoprogramm so was von wurscht ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;40 Schauspielstars live sehen&lt;/b&gt; Im Burgtheater www.burgtheater.at stehen die Stars aus dem (guten) Kino live auf der Bühne. Und Stehplätze kosten nur &#8364; 1,50. Die aussichtsreichsten im Parterre sind natürlich rasch weg. Der Vorverkauf startet jeweils am 20. des Vormonats für den gesamten Monat. Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn zahlen Studierende &#8364; 7, auf allen dann noch freien Plätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;41 Neues Theater entdecken &lt;/b&gt;Brut, Schauspielhaus, Kasino und Rabenhof heißen die Theaterhäuser für aufgeschlossene Menschen, einfach mal ausprobieren. Im Max-Reinhardt-Seminar www.maxreinhardtseminar.at, der Schauspielschule schlechthin, zeigt der Nachwuchs außerdem regelmäßig, was er so drauf hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;42 Auf den Sommer warten&lt;/b&gt; Blöd jetzt, Herbst. Dabei ist Wien so eine tolle Sommerstadt. Mit Donauinselfest, Prater, Heldenplatz, Strandbädern, Arena-Open-Airs, Draußen sitzen, Guerilla gärtnern und so weiter. Fragen Sie uns doch einfach im Mai nochmal. Der Falter macht Ihnen dann gerne den Stadtsommer schmackhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;43 Sich den Hintern in der Bim verbrennen &lt;/b&gt;Wer im Winter Straßenbahn (Bim sagt der Wiener) fährt, muss aufpassen, dass er in alten Garnituren nicht den Heizsitz erwischt. Obwohl: Manche finden den Platz auf der Heizung im vorderen Zugteil ganz gemütlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;44 Wien aufwärmen&lt;/b&gt; Spätestens seit es Internet gibt, haben junge Lesben und Schwule kein Problem mehr, Freundinnen und Freunde zu finden. Manchmal geht man dann aber doch vom Computer weg und trifft sich. Zum Beispiel in der Rosa-Lila-Villa www.villa.at, Wiens erstem Lesben- und Schwulenhaus. Zum E-Mail-Adressen-Austauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;45 Im Szeneviertel abhängen&lt;/b&gt; Besuchen Sie den Ottakringer Yppenplatz, solange er noch cool ist! Wenn nur noch Jungväter Kinderwägen durch die Gegend schieben, ist er als Szeneviertel verloren. Sehr beliebt vor allem am Wochenende und bei schönem Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;46 Sein Obst nicht nur im Supermarkt kaufen&lt;/b&gt; Brunnen-, Volkert-, ja sogar der Vorgartenmarkt boomen. Im Gegensatz zu den Touristen, die planlos über den Naschmarkt (ja ja, ein Erlebnis!) schlendern, kann man als Einheimischer hier auch einkaufen. Wenn man weiß, wo, dann sind Obst und Co billiger und besser als im Supermarkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;47 In die Russendisco gehen &lt;/b&gt;Der Westen feiert den Osten im Ost-Klub oder beim jährlichen großen Ost-Festival. Eine witzige Zeiterscheinung. Authentischer ist freilich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;48 In die Serbendisco gehen&lt;/b&gt; Jeden Freitag- und Samstagabend wird die Ottakringer Straße zur bunt leuchtenden Balkanmeile. Dann gehen Serben, Kroaten und Bosniaken ins Palazzo, ins Flash oder ins Labyrinth. Es ist wild, es ist kurzberockt und turbo-folkig  und hundertprozentig echt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;49 Zum Heurigen gehen und weinerlich werden&lt;/b&gt; Klassiker fahren nach Grinzing, besser und billiger sind aber transdanubische Buschenschenken. Wer faul ist, bleibt in der Innenstadt und besucht zum Beispiel den Stadtheurigen Gigerl in der Rauhensteingasse. Besonders empfehlenswert (für warme Tage): der Sirbu in der Kahlenberger Straße: schöne Atmosphäre und unvergleichlicher Stadtblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;50 Am Wasser sein&lt;/b&gt; Am Donaukanal zu sein, ist das neueste Ding in der Stadt. Denn dort mischen sich Clubkultur (Flex), Strandgefühl (diverse Beaches), lauschiger Grünraum (Central Garden) und Plätzchen von fast (post-)industriellem Charme (vor allem unter den Brücken).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;51 Koks bestellen&lt;/b&gt; Die raue Rückseite der Ringstraße ist die Zweierlinie. Die sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Unsere Extra-Empfehlung im Grätzel: das Café Bendl (1., Landesgerichtsstr. 6). Hier stehen die Preise noch in Schillingangaben an der Wand (Kesselwurst  S 38). Griechischer Wein in der Jukebox wählen und Koks bestellen (Rum mit Würfelzucker und Kaffeebohnen, eine Spezialität um &#8364; 1,80).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;52 Einmal Revolutionär sein Die&lt;/b&gt; europaweit einzige Ché-Guevara-Büste außerhalb kubanischer Botschaften steht  im Roten Wien, wo denn sonst? Jetzt hat der Ché vom Donaupark auch wieder seine Bronzenase, die ihm rechte Vandalen abgesägt hatten. Im neuen Glanz, sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;53 Die Industrie abradeln &lt;/b&gt;Zum Beispiel das Donauufer mit seinen stillgelegten Schienentrassen oder dem monumentalen Alberner Hafen (samt Friedhof der Namenlosen). Man kann auch in der Leopoldstadt abzweigen und durch den Prater und Simmering nach Favoriten fahren. Dann passiert man Industrie-Hinterhöfe  und Würstelstände, aus denen an Samstagvormittagen die Schlager hallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;54 Ins Heimbett kotzen &lt;/b&gt;Studiheimfeste zählen zu den größten und wildesten Festen dieser Stadt. Alle aufgelistet unter: www.heimfest.at&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;55 Andere Städte entdecken &lt;/b&gt;Berlin-Neukölln liegt im Leopoldstädter Stuwerviertel, Liverpool rund ums Alsergrunder Wuk und Bukarest am Praterstern. Weitere Städte, die in Wien liegen? Sicher. Jede Menge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;56 Sozialismus aufspüren &lt;/b&gt;Zum Beispiel im monumentalen Karl-Marx-Hof oder den patinigen Strandbädern an der Alten Donau (auch im Winter schön).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;57 Nach Bratislava fahren &lt;/b&gt;Schließlich liegen keine zwei europäischen Hauptstädte so nah beieinander wie Wien und Bratislava. Der wunderbar-windige Twin City Liner ist allerdings mit bis zu 30 Euro pro Strecke recht teuer. Billiger kommt der Zug (&#8364; 8,/Strecke) oder, etwa gleich teuer, der Postbus vom Südbahnhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;58 Dem alten Tito frönen&lt;/b&gt; Rund 200.000 Ex-Jugoslawen leben in Wien. Nicht alle wollen zwanghaft ihrer gemeinsamen Geschichte abschwören. Das Maral (16., Herbststr. 32) widmet sich ganz Marschall Jossip Broz Tito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;59 Das Arsenal besuchen&lt;/b&gt; Es ist weit mehr als nur das Heeresgeschichtliche Museum. Es sind große grüne Flächen, leicht heruntergekommene Ziegelgebäude und alte Industrieareale, in denen sich heute Studenten verwirklichen. Ein riesiger Spielplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;60 Katholisch werden&lt;/b&gt; Von den Grinzinger Weinbergen aus gesehen taucht sie an Spätsommernachmittagen über dem Stephansdom auf  die Jausenfee, eine Lichtreflektion, die der Jungfrau Maria ähnlich sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;61 Auf der Friedhofstribüne sitzen &lt;/b&gt;Am Dornbacher Sportclub-Platz erlebt man wohl das authentischste Stück Altwiener Fußballkultur. Auch sehr sehenswert: das Vienna-Stadion auf der Hohen Warte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;62 Ein Gedicht pflücken&lt;/b&gt; Helmut Seethalers sozialkritische Pflückgedichte in Bahnstationen und an Bauzäunen sind ein Stück des städtischen Lebens geworden. Zur freien Entnahme!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;63 Gestank verstehen&lt;/b&gt; Es gibt einige Legenden, warum es in der U-Bahn-Haltestelle Stephansplatz so stinkt. Der Grund ist aber nicht die verwesende Leiche eines Obdachlosen, sondern ein organisches Bodenverfestigungsmittel, das verwendet wurde und eine chemische Reaktion eingeht. Das ist zumindest die offizielle Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;64 Die letzte/erste U-Bahn erwischen&lt;/b&gt; Echt ärgerlich, dass die letzten U-Bahnen in Wien bereits zwischen 0.06 und 0.30 Uhr losfahren. Wer von unterwegs den Fahrplan abfragen will und ein internettaugliches Mobiltelefon besitzt, kann dafür das Gratisprogramm qando herunterladen. Und wer lieber gleich durchmacht, der kann dann um fünf Uhr früh den ersten U-Bahn-Wagen nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;65 Wien modern machen&lt;/b&gt; Jetzt beginnt wieder das Festival Wien Modern. Keine Angst vor neuer Musik, die klingt manchmal nämlich genauso wie im Club. Manchmal findet sie sogar im Club statt. Programm: www.wienmodern.at&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;66 Sich von Kellnern ignorieren lassen&lt;/b&gt; Auch das gehört zu Wien: mürrisches Personal. Sich einfach mal im Café Ritter (6., Mariahilfer Straße 73) ignorieren lassen  herrlich! Und keine Sorge: Die Herren im Smoking beißen nicht, sie tun nur so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;67 Die U6 nehmen&lt;/b&gt; Sie durchquert die industrielle Peripherie der Stadt, die Migrantenviertel in Zentrumsnähe und die Schrebergärten der echten Wiener. Eine U-Bahn-Fahrt wie ein Gesellschaftsroman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;68 Sein Grätzel entdecken &lt;/b&gt;Immer dort, wo Sie selbst nicht sind, ist es hipp? Machen Sie sich doch Ihr eigenes Szeneviertel! Gehsteigguerilleros werden, den Wirten am Eck zum letzten Schrei erklären und einen tollen Namen für Ihr Grätzel finden  so geht das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;69 Kreuz und quer gehen&lt;/b&gt; 1968 erdachten die Pariser Situationisten eine Methode, um eine Stadt psychogeografisch zu erfassen: Gehen Sie doch einmal einen Tag lang durch Wien und nehmen sie einfach die nächste Abzweigung nach links und die übernächste nach rechts. So lernt man die Stadt auf eine ganz neue Art kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;70 Bücher zu Wien lesen &lt;/b&gt;Hier gibts jede Menge, die zum Einstieg Erhellendes liefern, was diese Stadt betrifft. Die Falter-Redaktion empfiehlt: Gerhard Roth Eine Reise in das Innere von Wien, John Irving Das Hotel New Hampshire, Wolf Haas Wie die Tiere, eines der Lesebücher von Alfred Polgar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschienen im &lt;a href=&quot;http://www.falter.at&quot;&gt;Falter&lt;/a&gt; 42/09

&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.blogcounter.de/&quot; id=&quot;bclink&quot; title=&quot;kostenloser Counter fuer Weblogs&quot;&gt;&lt;span id=&quot;bccount&quot; style=&quot;font-size:8px&quot;&gt;kostenloser Counter&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogcounter.de/&quot;&gt;&lt;img style=&quot;border: 0px;&quot; alt=&quot;Weblog counter&quot; src=&quot;http://track.blogcounter.de/log.php?id=josephgepp&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>josephgepp</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 josephgepp</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-22T10:56:00Z</dc:date>
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