Mittwoch, 10. Juni 2009

STADTRAND – Eine Stadt wählt (und liest Zeitung)

Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die österreichische Demokratie lebt und vibriert, wie sie sich tagtäglich spritzig weiterentwickelt. Zum Beispiel bei der EU-Wahl letzten Sonntag, in einer Volksschule im zweiten Bezirk: Seelenruhig, hingebungsvoll und unübersehbar vor aller Wahlwelt studiert ein Wahlhelfer die "Europafalle"-Kolumne von Hans-Peter Martin in der Krone (praktischerweise ist der auch in der Wahlkabine vertreten). Immerhin, denkt man, der Helfer hätte auch gleich das dazugehörige Buch mithaben können, vielleicht mit Unterstreichungen und kleinen Lesezeichen übersät, um seine Präferenz jedermann zweifelsfrei darzulegen. Einem Kollegen nebenan obliegt es, ihm zugerufene Nummern mit der Evidenzliste abzugleichen. Unglücklicherweise ist der geschätzt 80-Jährige fast taub, und so schreien seine Kollegen die Nummern ohrenbetäubend laut durchs Zimmer. Er versteht sie trotzdem nicht und lächelt dann regelmäßig entschuldigend, als handle es sich hier um kleine Missgeschicke und nicht um altersbedingte Taubheit. Ach, Europa!

Erschienen im Falter 24/09

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Eurovision-Wahlcontest? Aber ja, warum nicht!

Kommentar

Alte Hüte: Die SPÖ stürzt ab, die ÖVP verliert und jubelt. Die FPÖ gewinnt, die Grünen wollen ihre Fehler korrigieren. Man kennt das, und angesichts der als unbedeutend wahrgenommenen EU-Wahl kam es diesmal noch banaler daher als sonst.

Dabei durften in den vergangenen Tagen 375 Millionen Menschen wählen, annähernd so viele, wie USA und Japan zusammen Einwohner haben. Dabei geht es um einen ganzen vielschichtigen Kontinent, der sich eine Währung gab (und so streckenweise der Krise trotzt), der seine östliche Hälfte in 20 Jahren auf fundamentale Art umkrempelte (weitgehend zum Besseren), der gesellschaftlich wie wirtschaftlich maßgeblich agiert.

Hier darf man wohl Interesse erwarten, hier darf man auch ein wenig pathetisch sein. Beides bleibt aber aus. Denn anhand von Swoboda et al lässt sich eine derart große Umschichtung wie die Entwicklung der EU eben nicht darstellen.

Nur: Wie könnte man sie darstellen? Warum nicht etwa eine wahrhaft europäische Wahlberichterstattung im meinungsführenden ORF? Minütlich Hochrechnungen aus ganz Europa statt dem ewigen Österreich-Fokus samt Alibieinlagen aus Brüssel. Das würde der Dimension dieser Wahl gerecht. Eine Art Eurovision-Wahlcontest? Warum nicht?

Oder, apropos Eurovision: Warum gibt es keine Elefantenrunde europäischer Spitzenkandidaten, synchron übersetzt von nationalen Sendern?

Man könnte natürlich auch die vorgeblich proeuropäischen Parteien auffordern, ihrem Anspruch gerecht zu werden und den europäischen Spitzenkandidaten neben den nationalen auf die Wahlplakate zu heben.

Aber das betrifft die Politik. Das wäre wohl vollends utopisch.

Erschienen im Falter 24/09

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