Mittwoch, 4. November 2009

Seestadt oder Schlafstadt?

Raumarchitekt Oliver Schulze über Nutella, gute Partys und urbanes Treiben auf dem Flugfeld Aspern

Gespräch: Joseph Gepp

Wohnraum für 20.000 Menschen, Arbeitsplätze für 15.000, ein Park, ein See, eine Ringstraße, das alles auf einer Fläche, so groß wie die der Bezirke Neubau und Josefstadt zusammen: Das ehemalige Flugfeld Aspern in der Donaustadt ist eines der größten Stadtentwicklungsgebiete in Europa. Und im Gegensatz zu manch anderen Neubauvierteln soll dort – in rund 20 Jahren, wenn das Projekt vollendet ist – auch das Straßenleben pulsieren. Damit Aspern nicht zu einer weiteren Wiener Schlaf- und Pendlerstadt verkommt, haben das Rathaus und die zuständige Entwicklungsgesellschaft den deutsch-dänischen Raumarchitekten Oliver Schulze, 35, vom Büro Gehl Architects, mit einem Masterplan beauftragt. Schulze ist Experte für den öffentlichen Raum. Im Falter-Gespräch erklärt er seine Vision einer belebten Stadt.

Falter: Herr Schulze, wenn ich mich in die U-Bahn setze und auf die Donauplatte oder ins Kabelwerk fahre, dann werde ich dort mit großer Wahrscheinlichkeit kaum Menschen antreffen. Neu gebaute Wiener Stadtviertel sind gemeinhin bewohnt, aber nicht belebt. Soll das bei Aspern anders werden?

Oliver Schulze: Ja, das soll es. Was Sie da ansprechen, sind Symptome, die sich in vielen Neubaugebieten westlicher Städte finden. Der Grund ist einfach: Weil sich unsere Lebensstandards geändert haben, wohnen die Menschen heute weniger dicht beieinander. In Dänemark zum Beispiel kommen heute auf einen Stadtbewohner 60 Quadratmeter bebauter Raum, in Wien sind es 44 (im Jahr 1961 waren es 22, 1907 sieben Quadratmeter pro Kopf, Anm.). Auf derselben Fläche wohnen also weniger Menschen als früher.

Stehen wir also vor einem Dilemma? Lebensstandard gegen Straßenleben?

Schulze: Genau. Früher waren die Straßen belebt, man hielt sich viel draußen auf, um sein Leben zu organisieren. Es gab keine Kühlschränke, also musste man täglich kleine Einkäufe machen. Es gab keine Autos, also musste man zu Fuß zur Arbeit. Heute organisiert man sein Leben eher von zuhause aus. Dadurch bleibt die Straße leer. Dieses Dilemma müssen wir auflösen.

Aber die alten Wiener Gründerzeitviertel sind immer noch lebendig, obwohl der Lebensstandard gestiegen ist und die Grätzel dadurch viel weniger dicht besiedelt sind.

Schulze: Diese Gründerzeitviertel sind ja auch in ihrer Geschichte von fünf Generationen kolonisiert worden. Einwanderungswellen haben dort über Jahrzehnte vielfältige Einzelhandelsstrukturen entstehen lassen. Eine derartige physische und soziale Komplexität kann man nicht simulieren, wenn man ein Projekt auf der grünen Wiese plant.

Demnach ist es in Neubauvierteln gar nicht möglich, ein belebtes Stadtbild zu schaffen?

Schulze: Nicht ganz, selten ist es schon möglich. Es gibt in Europa ein paar gute Beispiele, die zeigen, dass es funktioniert.

Irgendwann soll Aspern wohl auch eins dieser guten Beispiele werden. Wie soll das gehen?


Schulze: In einem Neubaugebiet von der Größe Asperns ist öffentliches Leben ein kostbares Gut. Wir haben also unserem Plan den Gedanken zugrunde gelegt, dass man dieses Gut nicht wie Nutella über eine Brotscheibe schmieren darf. Im Gegenteil muss man sich seiner Begrenztheit bewusst sein – und den öffentlichen Raum auf wenige, bewusst gewählte Orte konzentrieren.

Es geht dabei auch um Kleinräumigkeit, die Straßenleben ermöglicht. Sie können das mit einer Party vergleichen: Einer guten Party steht immer etwas zu wenig Platz zur Verfügung. Bei einer schlechten verlieren sich die Partygäste auf zu viel Raum.

Das heißt, Sie wollen das Straßenleben gezielt an einzelnen Orten zusammenballen, um es überhaupt zu ermöglichen?

Schulze: Genau.

aspern-Seestadt_Seepromenade
Brave New World: So soll laut Planern und Rathaus die Zukunft
des ehemaligen Flugplatzes Aspern aussehen. Oder wird sie doch
eine Spur unbelebter?

Grafik: schreinerkastler/Wien 3420 AG


Wie soll das konkret funktionieren?


Schulze: Indem wir nicht die gesamten 240 Hektar Fläche planen, sondern bestimmte Orte definieren, die wir „Saiten“ nennen. Schon die ersten Zuzügler müssen dort urbane Qualitäten vorfinden, die in der späteren Entwicklung des Viertels unverändert bleiben. Durch die Qualitäten und Muster der Saiten wollen wir das begrenzte Gut öffentlicher Raum an bestimmten Stellen festmachen. Zum Beispiel, indem wir bewusst Kultur-, Einzelhandels-, Gewerbe- oder Erholungsräume definieren. Es muss ein Zusammenspiel geben zwischen einzelnen Gebäuden und der Art, wie der Raum zwischen ihnen programmiert ist. Die traditionelle Architektur vernachlässigt diese Zwischenräume oft.

Es wird aber 20 bis 25 Jahre dauern, bis das Entwicklungsgebiet Aspern fertig ist. Kann man tatsächlich auf so lange Zeit planen, wie Menschen ihr Umfeld nutzen werden?

Schulze: Dieses Problem haben Masterpläne grundsätzlich an sich. Gestalter glauben, dass sie ein gefrorenes Planbild in die Wirklichkeit übertragen können. Wir haben daher in unseren Plan eine Zeitebene eingeführt: Manche Räume sind schon für die erste Bauphase definiert, bei anderen Orten haben wir nur Samen für die Entwicklung gesetzt.

Es gibt zum Beispiel ein Netz von Pfaden zum Radfahren oder Joggen. In einem Jahrzehnt, wenn diese Pfade schon etabliert und vielbenutzt sind, sollen sie im Rahmen eines nächsten Projektschritts ausgebaut werden. Dann werden Straßen daraus. Und man kennt diese Orte schon, sie haben eine Geschichte und Evolution hinter sich.

Sie haben in New York, in Südengland und im Oman gearbeitet. Was haben Sie dort gelernt? Was muss man tun, damit öffentlicher Raum funktioniert?

Schulze: Wie gesagt gibt es – zum Beispiel in Hamburg, Freiburg oder Malmö – neue Stadtviertel, die belebt sind und bestens funktionieren. Wir haben bei der Analyse dieser herausragenden Beispiele ein ganz klares Muster entdeckt: Jedes Mal gab es zwei oder drei wichtige Menschen, die von Anfang an dem Projekt zur Seite standen und ihre Ideen durchgeboxt haben. Ich würde diese Menschen „Paten“ nennen.

Wer sind die Paten? Engagierte Anrainer?


Schulze: Nein, gar nicht. Es sind Menschen in Schlüsselpositionen. In Melbourne, um ein Beispiel zu nennen, war der Stadtarchitekt der Pate. Er hat kompromisslos seine Idee durchgesetzt, und er wurde nicht alle vier Jahre neu gewählt. Auf diese Art war er in der Lage, an einer starken, selbstentwickelten Vision festzuhalten. Anderswo waren langjährige Bürgermeister oder engagierte Stadtentwickler die Paten.

Es bräuchte also jemanden, der nicht vom jeweils nächsten Wahlausgang abhängig ist?

Schulze: Ja. Stadtentwicklung und Politik sind zwar eng miteinander verflochten, aber die beiden haben völlig verschiedene Zyklen: Stadtentwicklung funktioniert viel langfristiger als Politik. Man muss also Personen finden, die entweder sehr lang in der Politik sind. Oder vom Rand des politischen Spektrums ein Projekt über Generationen hinweg verfolgen und mitbestimmen.

Erschienen im Falter 45/09

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STADTRAND – Über Fremdflyerer und Eigenbiertrinker

Das Museumsquartier ist ja, man muss es neidlos und ironiefrei sagen, eine praktisch identitätsstiftende Instanz in Wien. Dementsprechend kreiert es auf seinen zahlreichen Gebots- und Verbotsschildern auch eine eigene Sprache, die MQ-Sprache. Das unautorisierte Auslegen von Werbezetteln heißt zum Beispiel auf MQ: „fremdflyern“. Selbiges ist, so steht es in einem Torbogen, verboten. Das Gegenteil von fremdflyern wäre wohl „heimisch flyern“, noch eher: „heimflyern“. Wenn also der Fremdflyerer im Gegensatz zum Heimflyerer seine Flyer verflyert, dann muss er wohl mit einer baldigen Entflyerung der beflyerten Behältnisse rechnen. Klingt das nicht ein bisschen nach Bierverbot? Nach Kommerzialisierung, nach Exzessbeschränkung und Restriktion im sonst so offen-liberal-urbanistischen Museumsquartier? Stehen uns jetzt Facebook-Gruppen ins Haus, die sich „Bring Your Own Flyer“ nennen oder „Wir flyern fremd“? Die Revolution der Fremdflyerer? Wahrscheinlich nicht. Fremdflyerer haben wohl einfach nicht dasselbe Mobilisierungspotenzial wie Eigenbiertrinker.


Erschienen im Falter 45/09

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Gelesen: China, vorurteilsfrei

Peter Hessler, langjähriger Korrespondent der US-amerikanischen Zeitschrift The New Yorker in Peking, hat ein Buch über China geschrieben, das anders als die vielen bisherigen zum Thema ist: Hessler fuhr jahrelang mit dem Mietwagen durchs Land, durchquerte boomende, ihr Umland auffressende Städte, sterbende Dörfer mit rechtlosen bäuerlichen Bewohnern, Fabriksgebiete, die sich ausschließlich auf die Herstellung von Motorenanlassern oder BH-Ringen spezialisiert haben. Herausgekommen ist ein Meisterstück des amerikanischen Reportagestils, ein tiefer Blick in eine Gesellschaft im unvorstellbar rasanten Wandel (im ersten Quartal 2009 wurden in China erstmals mehr Neuwagen verkauft als in den USA). Hessler beschreibt diese Veränderungen minutiös, witzig und detailreich, ohne den Überblick zu verlieren. Er verzichtet dabei auf Prognosen oder Analysen – denn die ergeben sich, wie es bei einer guten Reportage der Fall sein sollte, ohnehin aus seinen Beobachtungen. Äußerst lesenswert!

Peter Hessler: Über Land. Unterwegs auf Chinas Straßen. Berlin Verlag, 480 S., € 24,70

Erschienen im Falter 45/09

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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Das besetzte Audimax: "So eine große Sache gab's ewig nicht mehr"

Das Letzte, was die Biologiestudentin sagt, bevor sie den Saal verlässt, ist, dass sie eine eineinhalbstündigen Anreise hinter sich habe und jetzt "bitte schön" auch ihre Vorlesung hören wolle. Doch 400 Leute buhen sie nur aus. Die Studentin steckt ihren Block weg und geht aus dem Auditorium Maximum der Uni Wien, das sich zusehends mit Demonstranten füllt.

Die größte Uni-Besetzung der jüngeren heimischen Geschichte beginnt vergangenen Donnerstagvormittag im Wiener Votivpark. An den Unis brodelt es (siehe links), ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn spricht wieder von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Die Polizei kommt, postiert sich entlang des Platzes, "dies ist keine angemeldete Demonstration", ruft ein Beamter ins Megafon, man möge den Platz sofort räumen. Die Studenten ziehen in die Uni, trommeln an Hörsaaltüren, dann ziehen sie ins Audimax, dessen Türen wegen der beginnenden Biologievorlesung gerade offen stehen. In drei Stunden sind aus 300 Demonstranten über 1000 geworden. Hier bleiben sie nun, im großen Saal, den ganzen Tag, die ganze Nacht, den ganzen folgenden Tag.

Sie schleppen DJ-Pulte in den Saal, Bands treten auf, Reden über Frauenrechte und die Ökonomisierung aller Lebenslagen werden geschwungen. "Hahn gehört gerupft", skandieren die Studenten, und:"Nur Chuck Norris schafft sein Studium in Mindeststudienzeit." Man nimmt jubelnd Solidaritätsadressen in Empfang ("ein Gruß vom Schülerkomitee der Sozialistischen Jugend Vorarlberg"). Rauchschwaden hängen unter der Decke. Von der Straße werden Mistkübel in den Saal gezerrt, um dem Abfall Herr zu werden.

Per Handzeichen melden sich Freiwillige für Arbeitsgruppen, "Presse", "Facebook/Twitter", "Müllkolonne". Am Gang vor dem Saal stehen die Flip-Chart-Tafeln aus Seminarzimmern: "Was verstehen wir unter Demokratisierung? (lesen, diskutieren)".

Die Diktion der Gruppen schwankt zwischen Marxismus und Managementseminar, zwischen "Organisationskomitee" und "Vernetzungsstrategie", je nach Ideologie. "Wir brauchen eine straffe Struktur", sagt etwa Robert, Politikwissenschaftler und selbsterklärter Maoist. "Nur so können wir unser Ziel erreichen: einen kompletten Generalstreik des österreichischen Bildungssystems."

Michael, 24, Lehramt, klingt pragmatischer: Zumindest wolle er so lange bleiben, bis sich Uni-Rektor Georg Winckler oder Minister Hahn im Audimax eingefunden hätten. "Das Wesentliche ist ja: So eine große Sache gab?s ewig nicht mehr. Alle berichten über uns. Alle schauen uns zu."

Reportage: Joseph Gepp


Erschienen im Falter 44/09

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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Jagt Schnitzel, stehlt Hunde!

100.000 Studenten beginnen dieser Tage ihr Semester in Wien. Was sollen sie tun? Alles, außer Lernen

70 Tipps: Ingrid Brodnig, Joseph Gepp, Christopher Wurmdobler


1 Den Einser nehmen Der alte Einser kurvte die Ringstraße entlang, der neue fährt jetzt vom Zentrum in den Süden, was viel über den Aufbau der Stadt verrät. Man passiert die Altstadt, Wiens letztes Stück Ustrab-Netz (Unterirdische Straßenbahn) und den Zehnten bis zum Favoritner Wasserturm. Sollte man gemacht haben!

2 Im Pub-Quiz brillieren Richtige Streber trumpfen nicht an der Uni auf, sondern beim Spieleabend mit Freunden bei einem Pint Guinness. Etliche Pubs bieten Quizzes an, etwa das Shebeen im siebten oder das Charlie P’s im neunten Bezirk.

3 Die Welt schöntrinken Wer Glühwein und ein gutes Gewissen haben will, kann beim Ute-Bock-Stand (ab November, Mariahilfer Straße) fleißig trinken. Eine gute Auswahl an wärmenden Getränken gibt es übrigens beim „Winter im MQ“. Ein Weihnachtsmarkt ohne peinliche Deko!

4 Einen Gacksi-Hund stehlen Viele Studierende sind stolze Besitzer eines Jack-Russell-Terriers. Aus Pappe. Mit dem Viech versucht die Stadt Wien ihr Hundekotproblem zu bekämpfen: „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl.“ Der Terrier wird gern gemopst und zum WG-Ausstellungsstück.

5 Fit bleiben Kraftstudios für Doper und Yuppies, das war mal. Heute ist Fitness in der breiten Mitte angekommen, und auch der Student stemmt gern gegen Kopflastigkeit an. Sehr preiswert zum Beispiel (€ 17,–/Monat) und 24 Stunden offen: die McFits. Überhaupt gratis ist die Open-Air-Fitnessanlage am Nordbahnhofgelände. Das hat schon fast was von Rio.

6 Pferd essen Vegetarier weghören! In Wien gibt es erstklassiges Pferdefleisch, etwa bei der Fleischhauerei Gumprecht www.gumprecht.at. Gut ist auch der Leberkäse am Hohen Markt. Dort kann man Pferd essen und lebende Fiakerpferde sehen.

7 Im Museumsquartier saufen Im Juni verbot das MQ mitgebrachten Alkohol. Nach lautem Protest ruderte man zurück. Umso wichtiger ist es, weiterhin Dosenbier in den Innenhof mitzubringen und dort zu trinken. Als Statement gegen den Konsumzwang in der Öffentlichkeit.

8 Ins unterirdische Wien steigen Wer einen Altwiener Keller betritt, findet nicht selten den Zugang zum Nachbarhaus. So erschließt sich ein Labyrinth im Untergrund. Taschenlampe!

9 Vororte checken Die Vorortelinie zwischen Handelskai und Hütteldorf ist eine Gebirgsbahn mit 29 Brücken, die vollständig innerhalb der Stadtgrenzen liegt. Ermöglicht einen anderen Blick auf Wien.

10 Billiger rocken Wer bei teuren Konzerttickets sparen will, geht zur Jugendinfo Babenbergerstraße. Welche Gigs günstiger sind, steht online unter: www.wienxtra.at. Übrigens gibt es oft auch zum Studentenkonto Konzertermäßigungen, etwa bei der Bank Austria oder der Ersten Bank.

11 Die Preisfrage stellen Im Deewan www.deewan.at nahe der Uni gibt es nicht nur ein leckeres pakistanisches Buffet. Man entscheidet auch selbst, was einem das Essen wert ist. Also: den angemessenen Preis errätseln.

12 Radfahren aus Prinzip Mit dem Rad lernt man die Stadt am besten kennen. Wer hier noch keinen Drahtesel hat, kann fürs erste die gratis City Bikes auprobieren. Überzeugte Biker treffen sich dann bei der Critical Mass (jeden 3. Freitag im Monat, 16.30 Uhr, Schwarzenbergplatz), um die Straßen für sich zu erobern.

13 Bis zum Umfallen sporteln Von Badminton über HipHop bis Rugby. Das Universitätssportinstitut bietet preiswerte Kurse für Studenten und Akademiker. Viele Einheiten sind für dieses Semester schon ausgebucht. Bei Interesse trotzdem bei einer Übung vorbeischauen, manchmal gibt es nachträglich Kursplätze.

14 Ster- und Grissemann besuchen Die Entertainer kennen wir aus Film, Funk und Fernsehen. Wer sie live sehen will, kann unter www.willkommen-tv.at gratis Karten für die Aufzeichnung von Willkommen Österreich gewinnen.

15 Mitläufer sein Wem sogar der USI-Kurs zu teuer ist, der kann zum Beispiel entlang des Donaukanals, der Donauinsel, durch den Augarten, Schloss Schönbrunn oder die Prater Hauptallee joggen. Letztere ist auch nachts beleuchtet.

16 Im Schikaneder versumpfen
Das Schikaneder ist mehr als feines Programmkino und gute Bar mit abgefucktem Mobiliar. Es ist eine Wiener Institution. Deswegen wurde auch die dazugehörige Gasse nach dem Lokal benannt. Oder war es umgekehrt?

17 Die Gürtelrunde machen Wer bei der U6-Thaliastraße aussteigt und Richtung Alser Straße geht, kann im Schnelldurchlauf drei Spitzenbars besuchen: das Chelsea mit Indie- und Fußballkultur, das elektronische rhiz und schließlich das junggebliebene B72. Am besten alle!

18 Ins Wohnzimmer gehen Im WerkzeugH im fünften Bezirk stammt das Mobiliar aus verschiedenen Epochen und vermutlich mehreren Wohnungsauflösungen. Charmant improvisiert!

19 Dem Wuk-Sound lauschen Der Ziegelbau schaut nicht nur gut aus, hat adäquate Bier- und Eiernockerlpreise und angenehm alternatives Publikum. Er bringt auch die spannendsten Konzerte. Die österreichische Indiehoffnung Soap+Skin, Shantel und „Herr Blumfeld“ Jochen Distelmeyer persönlich – all das gibt es heuer noch zu sehen www.wuk.at

20 Zu faul zum Kochen sein Wer verkatert aufwacht und nichts im Kühlschrank hat, kann sich sein Essen nachhause bestellen. Zum Beispiel über Netkellner.at oder über das Wiener Web-2.0-Portal Mjam.net.

21 Permanent frühstücken Manche Menschen frühstücken im Bett, andere auf der Verkehrsinsel. Permanent Breakfasts www.permanentbreakfast.org sind Frühstücke im öffentlichen Raum, bei denen man Freunde und Passanten einlädt. Regeln und Termine dafür finden sich im Netz – ein toller Start ins Wochenende.

22 Gratis Funknetzen Bekanntlich leben wir in der Informationsgesellschaft, aber nicht jeder hat zuhause Internet. In der Stadt gibt es etliche kostenlose WLANs, zum Beispiel im MQ, Möbel oder Strandbar Herrmann. Die beste Übersicht von gratis WLANs findet sich unter www.helge.at/wlan

23 Bier herholen Wahre Couchpotatoes bestellen ihr Krügerl online unter www.bierher.at. Geliefert wird ab sechs Bier, Zustellgebühren gibt es keine. Und 1,70 Euro für eine Flasche Ottakringer sind okay!

24 Falsche Berge besteigen Wer sich nach einer Stunde Sport fühlen will, als hätte er soeben Europa per Fahrrad umrundet, der sollte klettern. Zum Beispiel ohne Seil und Haken in der Boulderhalle Walfischgasse. Oder etwas schwindliger im Kletterzentrum Rotenturmstraße.

25 In die Kirche gehen Wien hat viele schöne Kirchen. Einer der Höhepunkte liegt weit draußen: Otto Wagners weiß schimmernde Steinhof-Kirche. Wie geschaffen für einen müden und perfekten Sonntagnachmittag.

26 Auf die Stadt herabschauen Die Blicke sind überwältigend und die Anreise nicht beschwerlich, denn manche Stellen im bergigen Westen fährt sogar die Straßenbahn an. Unsere Empfehlungen: Lainzer Tiergarten, Cobenzl oder – für den faulen Urbanisten – der Donauturm.

27 Ganz morbide werden Am Zentralfriedhof wird Wien seinem Klischee gerecht (auf einer Fläche, größer als die Innenstadt). Schön auch im Winter! Die Rückkehr ins Reich der Lebenden erleichtert übrigens ein deftiges Gericht in einem der vielen Wirtshäuser um den Friedhof.

28 Schräges Wien erleben Manchmal fühlt man sich im Wurstelprater und – noch mehr – im Böhmischen Prater 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt (ohne Kitschfaktor, dafür sind die Vergnügungsparks viel zu chaotisch). Wer gegenwärtig bleiben will, der lasse sich mittels diverser Apparaturen in die Luft katapultieren. So erhascht man auch eine hübsche Vogelperspektive auf die Stadt.

29 Sich billig den Bauch vollschlagen Am besten im Tunnel (8., Fuhrmannsgasse 18a) und Café Merkur (8., Lammgasse 1) und in der legendären Pizzeria Mafiosi (15., Reindorfgasse 15). Das arabische Frühstück im Tunnel – samt literweisem Kaffee – zählt zu den studentischen Standarderfahrungen dieser Stadt.

30 Baden gehen Schön, dass mittlerweile die meisten Wiener Wohnungen Bäder haben. So wird der Besuch einer Badeanstalt zum reinen Vergnügen. Wir empfehlen: Amalienbad (klassisch), Stadthallenbad (sportlich) und Oberlaa (Kur). Wo sonst lässt sich die Wiener Seele besser kennenlernen?

31 Sich ironisch einrichten Stil und schlechter Geschmack sind nah beieinander. Da liegt es nahe, sich im Retro-Stil einzurichten. Alte Möbel für den guten Zweck gibt’s im Caritaslager Carla www.caritas-wien.at, Büromöbel ab und zu beim Flohmarkt der MA54 www.wien.gv.at.

32 Schenkel klopfen Spaßkanonen, die man aus dem Fernsehen kennt, treten alle auch live auf. Kabarettfans kommen im Palais Nowak www.simpl.at, in der Kulisse www.kulisse.at oder im Orpheum www.orpheum.at auf ihre Kosten.

33 Ruhige Kugeln schieben Kegeln, Bowling, Petanque www.boule.at machen Spaß. Ein Klassiker ist die Kegelbahn im Keller des Café Weidinger (16., Lerchenfelder Gürtel 1). Rechtzeitig reservieren!

34 Wien am eigenen Leib tragen Irgendwann ist man so stolz auf seine Stadt, dass man sie am Leibe tragen möchte. Die Shirtbedrucker von Merchzilla www.merchzilla.com haben Labels dafür: Wiener Brut, Wien rockt.

35 Flüsterkonzerte erleben Musik muss nicht immer laut sein. Manchmal sorgen auch Anrainer dafür. Deshalb fährt die Transporter Bar www.transporterbar.com ein eher ruhiges Liveprogramm, sehr angenehm.

36 Sich elektrifizieren lassen Wien ist eine Partystadt. Zwar nicht durchgehend, aber doch kontinuierlich tanzt das Volk ums Riesenrad in Fluc Wanne www.fluc.at, Planetarium und Pratersauna www.pratersauna.tv. Letztere geht in ihre erste Wintersaison und wird dafür noch erweitert.

37 Sich die Ohren durchputzen lassen Man muss kein Klassikfan sein, um sich von einem großen Orchester einmal die Gehörgänge durchputzen zu lassen, ein besonderes Erlebnis mit den Symphonikern im Musikverein. Ja, es gibt Studentenpreise.

38 Alte Filme anschauen Im Filmmuseum www.filmmuseum.at finden die Ausstellungen auf der Leinwand statt. Gezeigt werden Klassiker, Wiederentdeckungen und Streifen, die man sonst nie sieht.

39 Nach dem Film bleiben Mit Schikaneder www.schikaneder.at und Top Kino www.topkino.at gibt es in Wien gleich zwei Filmtheater mit angeschlossener Lounge. Hier treffen sich auch Menschen, denen das Kinoprogramm so was von wurscht ist.

40 Schauspielstars live sehen Im Burgtheater www.burgtheater.at stehen die Stars aus dem (guten) Kino live auf der Bühne. Und Stehplätze kosten nur € 1,50. Die aussichtsreichsten im Parterre sind natürlich rasch weg. Der Vorverkauf startet jeweils am 20. des Vormonats für den gesamten Monat. Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn zahlen Studierende € 7,– auf allen dann noch freien Plätzen.

41 Neues Theater entdecken Brut, Schauspielhaus, Kasino und Rabenhof heißen die Theaterhäuser für aufgeschlossene Menschen, einfach mal ausprobieren. Im Max-Reinhardt-Seminar www.maxreinhardtseminar.at, der Schauspielschule schlechthin, zeigt der Nachwuchs außerdem regelmäßig, was er so drauf hat.

42 Auf den Sommer warten Blöd jetzt, Herbst. Dabei ist Wien so eine tolle Sommerstadt. Mit Donauinselfest, Prater, Heldenplatz, Strandbädern, Arena-Open-Airs, Draußen sitzen, Guerilla gärtnern und so weiter. Fragen Sie uns doch einfach im Mai nochmal. Der Falter macht Ihnen dann gerne den Stadtsommer schmackhaft.

43 Sich den Hintern in der Bim verbrennen Wer im Winter Straßenbahn („Bim“ sagt der Wiener) fährt, muss aufpassen, dass er in alten Garnituren nicht den Heizsitz erwischt. Obwohl: Manche finden den Platz auf der Heizung im vorderen Zugteil ganz gemütlich.

44 Wien aufwärmen Spätestens seit es Internet gibt, haben junge Lesben und Schwule kein Problem mehr, Freundinnen und Freunde zu finden. Manchmal geht man dann aber doch vom Computer weg und trifft sich. Zum Beispiel in der Rosa-Lila-Villa www.villa.at, Wiens erstem Lesben- und Schwulenhaus. Zum E-Mail-Adressen-Austauschen.

45 Im Szeneviertel abhängen Besuchen Sie den Ottakringer Yppenplatz, solange er noch cool ist! Wenn nur noch Jungväter Kinderwägen durch die Gegend schieben, ist er als Szeneviertel verloren. Sehr beliebt vor allem am Wochenende und bei schönem Wetter.

46 Sein Obst nicht nur im Supermarkt kaufen Brunnen-, Volkert-, ja sogar der Vorgartenmarkt boomen. Im Gegensatz zu den Touristen, die planlos über den Naschmarkt (ja ja, ein Erlebnis!) schlendern, kann man als Einheimischer hier auch einkaufen. Wenn man weiß, wo, dann sind Obst und Co billiger und besser als im Supermarkt.

47 In die Russendisco gehen Der Westen feiert den Osten im Ost-Klub oder beim jährlichen großen Ost-Festival. Eine witzige Zeiterscheinung. Authentischer ist freilich:

48 In die Serbendisco gehen Jeden Freitag- und Samstagabend wird die Ottakringer Straße zur bunt leuchtenden Balkanmeile. Dann gehen Serben, Kroaten und Bosniaken ins Palazzo, ins Flash oder ins Labyrinth. Es ist wild, es ist kurzberockt und turbo-folkig – und hundertprozentig echt.

49 Zum Heurigen gehen und weinerlich werden Klassiker fahren nach Grinzing, besser und billiger sind aber transdanubische Buschenschenken. Wer faul ist, bleibt in der Innenstadt und besucht zum Beispiel den Stadtheurigen Gigerl in der Rauhensteingasse. Besonders empfehlenswert (für warme Tage): der Sirbu in der Kahlenberger Straße: schöne Atmosphäre und unvergleichlicher Stadtblick.

50 Am Wasser sein Am Donaukanal zu sein, ist das neueste Ding in der Stadt. Denn dort mischen sich Clubkultur (Flex), Strandgefühl (diverse Beaches), lauschiger Grünraum (Central Garden) und Plätzchen von fast (post-)industriellem Charme (vor allem unter den Brücken).

51 Koks bestellen Die raue Rückseite der Ringstraße ist die Zweierlinie. Die sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Unsere Extra-Empfehlung im Grätzel: das Café Bendl (1., Landesgerichtsstr. 6). Hier stehen die Preise noch in Schillingangaben an der Wand („Kesselwurst – S 38“). „Griechischer Wein“ in der Jukebox wählen und „Koks“ bestellen (Rum mit Würfelzucker und Kaffeebohnen, eine Spezialität um € 1,80).

52 Einmal Revolutionär sein Die europaweit einzige Ché-Guevara-Büste außerhalb kubanischer Botschaften steht – im Roten Wien, wo denn sonst? Jetzt hat der Ché vom Donaupark auch wieder seine Bronzenase, die ihm rechte Vandalen abgesägt hatten. Im neuen Glanz, sozusagen.

53 Die Industrie abradeln Zum Beispiel das Donauufer mit seinen stillgelegten Schienentrassen oder dem monumentalen Alberner Hafen (samt „Friedhof der Namenlosen“). Man kann auch in der Leopoldstadt abzweigen und durch den Prater und Simmering nach Favoriten fahren. Dann passiert man Industrie-Hinterhöfe – und Würstelstände, aus denen an Samstagvormittagen die Schlager hallen.

54 Ins Heimbett kotzen Studiheimfeste zählen zu den größten und wildesten Festen dieser Stadt. Alle aufgelistet unter: www.heimfest.at

55 Andere Städte entdecken Berlin-Neukölln liegt im Leopoldstädter Stuwerviertel, Liverpool rund ums Alsergrunder Wuk und Bukarest am Praterstern. Weitere Städte, die in Wien liegen? Sicher. Jede Menge.

56 Sozialismus aufspüren Zum Beispiel im monumentalen Karl-Marx-Hof oder den patinigen Strandbädern an der Alten Donau (auch im Winter schön).

57 Nach Bratislava fahren Schließlich liegen keine zwei europäischen Hauptstädte so nah beieinander wie Wien und Bratislava. Der wunderbar-windige Twin City Liner ist allerdings mit bis zu 30 Euro pro Strecke recht teuer. Billiger kommt der Zug (€ 8,–/Strecke) oder, etwa gleich teuer, der Postbus vom Südbahnhof.

58 Dem alten Tito frönen Rund 200.000 Ex-Jugoslawen leben in Wien. Nicht alle wollen zwanghaft ihrer gemeinsamen Geschichte abschwören. Das Maršal (16., Herbststr. 32) widmet sich ganz Marschall Jossip Broz Tito.

59 Das Arsenal besuchen Es ist weit mehr als nur das Heeresgeschichtliche Museum. Es sind große grüne Flächen, leicht heruntergekommene Ziegelgebäude und alte Industrieareale, in denen sich heute Studenten verwirklichen. Ein riesiger Spielplatz.

60 Katholisch werden Von den Grinzinger Weinbergen aus gesehen taucht sie an Spätsommernachmittagen über dem Stephansdom auf – die „Jausenfee“, eine Lichtreflektion, die der Jungfrau Maria ähnlich sieht.

61 Auf der Friedhofstribüne sitzen Am Dornbacher Sportclub-Platz erlebt man wohl das authentischste Stück Altwiener Fußballkultur. Auch sehr sehenswert: das Vienna-Stadion auf der Hohen Warte.

62 Ein Gedicht pflücken Helmut Seethalers sozialkritische Pflückgedichte in Bahnstationen und an Bauzäunen sind ein Stück des städtischen Lebens geworden. Zur freien Entnahme!

63 Gestank verstehen Es gibt einige Legenden, warum es in der U-Bahn-Haltestelle Stephansplatz so stinkt. Der Grund ist aber nicht die verwesende Leiche eines Obdachlosen, sondern ein organisches Bodenverfestigungsmittel, das verwendet wurde und eine chemische Reaktion eingeht. Das ist zumindest die offizielle Erklärung.

64 Die letzte/erste U-Bahn erwischen Echt ärgerlich, dass die letzten U-Bahnen in Wien bereits zwischen 0.06 und 0.30 Uhr losfahren. Wer von unterwegs den Fahrplan abfragen will und ein internettaugliches Mobiltelefon besitzt, kann dafür das Gratisprogramm qando herunterladen. Und wer lieber gleich durchmacht, der kann dann um fünf Uhr früh den ersten U-Bahn-Wagen nehmen.

65 Wien modern machen Jetzt beginnt wieder das Festival Wien Modern. Keine Angst vor neuer Musik, die klingt manchmal nämlich genauso wie im Club. Manchmal findet sie sogar im Club statt. Programm: www.wienmodern.at

66 Sich von Kellnern ignorieren lassen Auch das gehört zu Wien: mürrisches Personal. Sich einfach mal im Café Ritter (6., Mariahilfer Straße 73) ignorieren lassen – herrlich! Und keine Sorge: Die Herren im Smoking beißen nicht, sie tun nur so.

67 Die U6 nehmen Sie durchquert die industrielle Peripherie der Stadt, die Migrantenviertel in Zentrumsnähe und die Schrebergärten der echten Wiener. Eine U-Bahn-Fahrt wie ein Gesellschaftsroman.

68 Sein Grätzel entdecken Immer dort, wo Sie selbst nicht sind, ist es hipp? Machen Sie sich doch Ihr eigenes Szeneviertel! Gehsteigguerilleros werden, den Wirten am Eck zum letzten Schrei erklären und einen tollen Namen für Ihr Grätzel finden – so geht das.

69 Kreuz und quer gehen 1968 erdachten die Pariser Situationisten eine Methode, um eine Stadt „psychogeografisch“ zu erfassen: Gehen Sie doch einmal einen Tag lang durch Wien und nehmen sie einfach die nächste Abzweigung nach links und die übernächste nach rechts. So lernt man die Stadt auf eine ganz neue Art kennen.

70 Bücher zu Wien lesen Hier gibt’s jede Menge, die zum Einstieg Erhellendes liefern, was diese Stadt betrifft. Die Falter-Redaktion empfiehlt: Gerhard Roth „Eine Reise in das Innere von Wien“, John Irving „Das Hotel New Hampshire“, Wolf Haas „Wie die Tiere“, eines der Lesebücher von Alfred Polgar.

Erschienen im Falter 42/09

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Donnerstag, 8. Oktober 2009

Macondo: über die fatale Konsequenz politischer Unkenntnis

Kommentar

Ausländer in Österreich, das sind a) abzuschiebende Kriminelle (sagen Rechte) oder b) zarte und zerbrechliche Wesen, die aus exotischen Gefilden kommen und unsere aufopfernde Hilfe brauchen (sagen Linke).

Ausländer in Österreich, das sind alles außer selbstbestimmte Subjekte. Alles außer mündige Menschen, die Staat und Gesellschaft nützen (oder schaden) können. Kein Wunder, dass in einem solchen Staat Integrationspolitik nicht funktionieren kann. Könnte man meinen.

Und doch funktioniert sie. Zumindest streckenweise. Sie funktioniert dort, wo Ausländerpolitik noch mehr ist als nur Sicherheitspolitik. Zum Beispiel im Osten Wiens, in Macondo.

3000 Flüchtlinge aus 22 Ländern leben hier, in einer k.u.k. Kaserne und einem Flüchtlingsheim. Macondo wäre wegweisend, würde nur jemand darauf achten: Es erfordert kaum sozialarbeiterische Betreuung; es dient der FPÖ nicht als Kampagnenmunition; es provoziert keine Polizeieinsätze und Anrainerbeschwerden. Selbst die Kronen Zeitung nennt es einen „friedlichen, konfliktfreien, vorbildlichen Multikultiort“. Macondo zeigt den Weg zu einer Flüchtlingsbetreuung, die den Grat zwischen Anpassungszwang und Parallelgesellschaft meistert – und dadurch funktioniert.

Nun aber hat das ÖVP-Innenministerium eine Entscheidung gefällt, die von einer haarsträubenden Unkenntnis der Wirklichkeit in diesem Land zeugt: Das Flüchtlingsheim in Macondo wird geschlossen. Was mit dem Haus passieren soll, behält sich Maria Fekter vor; Gerüchte lauten in Richtung Schubhaftzentrum.

Ein friedliches und – durch die Vielfalt – auch fragiles Sozialgefüge wird zerrissen. Eine solche Entscheidung zeigt, wie man Probleme schafft. Wie man Funktionierendes zerstört und Konflikte und Xenophobie gedeihen lässt. Jetzt warnt auch die Krone vor „extremem Zündstoff“.

Die Maßnahme steht in einer verhängnisvollen Tradition, die einst Ernst Strasser in schwarz-blauen Tagen lostrat und die sich seitdem, unabhängig von allen Koalitionen, fortsetzt. Sie tendiert zu einer Verdrängung sozialarbeiterischer und liberaler Standpunkte und Elemente aus der staatlichen Integrationsarbeit (siehe rechts). Was auf ein altes, ausgeglicheneres System zurückgeht, wird offenbar getilgt. Selbst wenn es, wie Macondo, Vorbildwirkung haben könnte.

Die Folge dieser Politik zeigt sich laufend. Sie führt zu Polarisierung. Zum Schwinden des gesunden Blicks zwischen a) und b). Zu einem echten Problem in Österreich, was Ausländer betrifft.


Erschienen im Falter 41/09

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STADTRAND – Wenn Sie diese Zeilen lesen, lernen Sie lesen!

Jeden Morgen steht der pakistanische Augustin-Verkäufer an der U1-Station Nestroyplatz, diesem Spiegel der Welt; und jeden Morgen tapsen die alten Frauen mit ihren Gehstöcken an ihm vorbei, ohne ihn weiter zu beachten. Bis heute. Da bleibt eine Frau beim Pakistaner stehen, so unerwartet, dass sich Passanten sogar umdrehen. „Ist das die neue Augustin-Ausgabe?“, fragt sie. Er: „Ja.“ Sie nochmals: „Ist das die neue Ausgabe?“ Er: „Ja.“ Sie zum dritten Mal: „Ist das die neue Ausgabe?“ Er: „Ja.“ Jetzt kommt die alte Frau zum Punkt: „Ja, das ist die neue Augustin-Ausgabe“, spricht sie langsam und deutlich. „Wenn Sie diesen ganzen Satz wiederholen, dann lernen Sie fließendes Deutsch.“ Der Pakistaner antwortet: „Ja, das ist die neue Augustin-Ausgabe.“ Da zückt die Frau ihre Brieftasche und kauft die Zeitung. Sie wollte vielleicht an diesem Tag etwas Gutes tun. Menschen helfen, Integration leben, möglicherweise stand im alten Augustin etwas darüber zu lesen. Die alte Frau machte es auf ihre eigene Art. Jetzt tapst sie davon. Der Pakistaner dreht sich zur Seite und lächelt.

Erschienen im Falter 41/09

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Mittwoch, 30. September 2009

Ein Konzert scheitert – und alle sind Verlierer

Kommentar Michael-Jackson-Tribute


Was der Wiener ohnehin von Anfang an gewusst haben will, vergangenen Freitag wurde es Realität: Das vollmundig angekündigte Michael-Jackson-Tribute-Konzert ist vorläufig abgesagt. Es soll 2010 stattfinden, in London.

In Wien sei man ständig mit negativen Schlagzeilen konfrontiert gewesen, sagt Veranstalter Georg Kindel. Das hätte schließlich sogar die zu organisierenden Stars im fernen Amerika verschreckt. Und schließlich sei das Konzert sogar zur Politaffäre pervertiert worden, rund um angekündigte 600.000 Euro Rathaussubventionen.

Wobei man die Sache auch umgekehrt sehen könnte: Vielleicht erwies sich die innovationsfeindliche Raunzerei des Wieners diesmal als gesunder Realitätssinn. Denn in wenigen Wochen Weltstars wie Madonna und U2 aufzustellen, ist schlicht unmöglich. Kindel erwähnte in einem Nebensatz, dass man möglicherweise die übervollen Terminpläne der aufzutretenden Künstler unterschätzt habe. Aber die Hauptschuld gab er eindeutig der Wiener Motzmentalität.

Die Moral all dessen? Der Veranstalter, dessen Ruf nun gehörig angekratzt ist, sollte seine großspurigen Ankündigungen nur dann von sich gegen, wenn auch ein Hoffnungsschimmer auf ihre Realisierung besteht. Die Konzertbesucher sollten nicht bei jedem Medienhype ihre Kreditkarte zücken – hätte das Konzert mit No-Names stattgefunden, dann wäre kein Konsumentenschützer bei der Rückforderung der horrenden Eintrittspreise zu Hilfe geeilt.

Und das Rathaus sollte festlegen, welche Veranstaltungen es mit Steuergeld zu fördern gedenkt – und nicht nach der ersten negativen Krone-Schlagzeile zum eiligen Rückzug blasen.

Erschienen im Falter 38/09

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Freitag, 11. September 2009

STADTRAND – Der kluge Student schafft sich seinen Job selbst

Der augenfälligste Unterschied zwischen reichen und armen Städten ist wahrscheinlich die Vielzahl an Berufen: In Afrika oder Südamerika gibt es den Orangensaftpresser, den Nagelzwickerlverkäufer, den Geldwechsler, den Gehsteigbarbier. In Wien versteckt sich die Dienstleistungsgesellschaft hinter dicken Büromauern, und Orangensaft gibt’s im Supermarkt. Außer in manchen Grünanlagen, wo derzeit flotte Latinositten einreißen: Wer sich im Museumsquartier, im Burggarten oder – sogar – in der Lobau aufhält, dem begegnen vife Studenten mit dicken Kühltaschen, die gewerbsmäßig Bierdosen verkaufen. Zu einem Preis, der moderat über Supermarkttarifen liegt. Nachtschwärmer freut’s, die Studenten verdienen. Eigentlich ist es gut, dass einmal jemand auch ohne Coachingseminar eine Marktlücke besetzt. Eigentlich deutlich sinnvoller als etwa jene beauftragten Spendengeier, die sich einem penetrant in den Weg stellen, weil sie von Miniprovisionen abhängig sind. Behörden, legalisiert doch das Mikrounternehmertum! Es macht die Stadt bunt.

Erschienen im Falter 37/09

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Mittwoch, 2. September 2009

Die Sterne und er

Georg Kindel will die große Welt zum Konzert für Michael Jackson nach Wien holen. Porträt eines österreichischen Machers

Bericht: Joseph Gepp

Es ist Donnerstag, der 27. August 2009. Georg Kindel bleibt noch ein Monat weniger einen Tag, um zu beweisen, dass das, was er hier plant, nicht nur ein großer Bluff ist.

Es wird ein „Event der Extraklasse“, sagt Kindel. „Es könnte eine jener Veranstaltungen werden, von der die Leute in einigen Jahren sagen werden: Ich war dabei.“ Eine Show, wie sie Österreich noch nicht gesehen hat. Vorbereitet von den weltbesten Produzenten und Lichtdesignern. Dargeboten von der Crème de la Crème des internationalen Showgeschäfts. Verfolgt von rund 70.000 Gästen aus aller Welt, die vor der habsburgergelben Barockfassade von Schönbrunn diesem historischen Konzert beiwohnen werden. Schwelgend im Angedenken an den größten der großen Popstars, Michael Jackson.

Es ist eine Blase, sagen Kindels Gegner.

Ein Konzert, dessen auftretende Künstler nicht einmal bekannt gegeben wurden, obwohl das teuerste Ticket 518 Euro kostet, mehr als bei jedem Rockfestival. Ein Projekt, das schon allein ob seiner größenwahnsinnigen Ankündigungen – Madonna, U2, Lionel Richie – enttäuschen muss. Eine gewaltige Geldmaschine, angeworfen von Michael Jacksons Bruder Jermaine, der nun, mit einer Milliardenöffentlichkeit im Rücken, ins Showgeschäft drängt. Und der einen vifen österreichischen Kompagnon an seiner Seite hat, Georg Kindel.

Die Stadt Wien und ein epochal angelegtes Tribute-Konzert, das fremdelt. Das stimmt misstrauisch. Das kann man sich, wie Kindels andere Veranstaltungen, vielleicht in New York oder Los Angeles vorstellen. Aber nicht hier. Meinen die Kritiker. Georg Kindel versteht sie nicht.

„Österreich“, sagt er, „ist halt nicht wie Amerika, wo dir die Leute auf die Schulter klopfen und dir deinen Erfolg gönnen. Hier gibt es einen Grundtenor, der meint: Das schafft der eh nicht.“

kindel
Foto von Heribert Corn


Georg Kindel, 41 Jahre alt, Wiener, ist ein Ex-Journalist, der heute sein Geld mit großen Namen verdient. Er holt sie nach Wien, drapiert sie in glamourösen Galanächten, führt sie über rote Teppiche, verleiht ihnen Auszeichnungen für ihre Lebenswerke, arrangiert sie in Blitzlichtgewittern. Und kleidet all dies in den Mantel des guten Zwecks. Für die Männergesundheit, die Frauenrechte, Toleranz, Umwelt, Hoffnung, Zukunft. Bisher waren es immer Preise, nun ist es erstmals ein Konzert.

Die Geschichte Georg Kindels ist die Geschichte eines österreichischen Machers, eines Scheißmichnix, geformt in der österreichweit wohl besten Lehrstube für solche Belange, der „Leute“-Redaktion des News der 90er-Jahre, unter Wolfgang Fellner. Sie ist die Geschichte eines ehrgeizigen Redakteurs, der mehr wollte als Tony Wegas, Sonja Kirchberger und Dagis große Lebensbeichte zum 60er.

Er ging forsch, frech und kühn zur Sache. Er beendete im Jahr 2000 seine journalistische Karriere, kreierte den „Men’s World Award“, später den „Women’s World Award“ und „Save The World Award“. Die internationale Prominenz, die dadurch etwa halbjährlich über Wien hereinbricht, sieht man hier sonst nicht in einer derartigen Zusammenballung. Dann schütteln sich Monica Bellucci und Königin Noor von Jordanien in der Hofburg die Hände, dann treffen Steven Spielberg und Cat Stevens einander im Haas-Haus. Dann verliert man Mausi Lugner zwei Tage lang aus dem Seitenblick, weil ungleich Wichtigeres zur Verfügung steht.

Georg Kindel organisiert aufsehenerregende Veranstaltungen, die aber auch Kritik provozieren. Denn – mit Ausnahme des Jackson-Tribute, das keinem humanitären Zweck dient – sie werfen die Frage auf, wie viel Glitzern im Namen des Guten legitim ist. Ab wann der philanthrope Charitygedanke oberflächlich und beliebig wird, der Geschäftemacherei dient, im höheren Interesse eines finanzkräftigen Sponsors, der sein Logo weithin sichtbar über den Köpfen der Ausgezeichneten platziert (siehe Kasten). Und ab wann das Argument nicht mehr gilt, man schaffe ja nur Öffentlichkeit für die aufopfernden Ärzte im Irak, die Entwicklungshelfer aus Äthiopien, die mutigen Feuerwehrhelden vom 11. September, die visionären Vorkämpfer gegen die europäische Atomkraft.

„Diese Shows sind reine Inszenierungen“, erzählt eine Teilnehmerin am „Women’s World Award“. „Sie finden im pompösen Umfeld statt. In viel zu großen, halbleeren Sälen. Ihr einziger Zweck sind die paar Pressefuzzis, die im hinteren Bereich stehen. Es gibt keine begleitenden Initiativen. Keine Aktionen, die den Preisverleihungen folgen. Sie kommen und gehen. Sie existieren nur um ihrer selbst willen. Man fragt sich, was das alles soll.“

Kindel sitzt auf dem Balkon seines Büros nahe dem Wiener Schwedenplatz, man blickt steil hinab in die verwinkelten Gässchen des alten jüdischen Innenstadtviertels. Er trägt dunkle Jeans, ein rosa Hemd von Tommy Lee Hilfiger, er trinkt Cola Light. Drinnen im Büro hängt neben einem Foto seiner beiden Kinder ein handgeschriebener Dankesbrief der ermordeten pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto. Den schmalen Bürogang bedecken lebensgroße Bilder einiger jener Prominenten, die er mit Auszeichnungen bedacht hat, Richard Branson, Morgan Freemann, Oprah Winfrey.

„Vielleicht gelingt es uns, mit unseren Veranstaltungen Menschen zu berühren“, sagt er. „Und vielleicht können wir sogar den einen oder anderen zum Nachdenken bewegen.“ Er spricht in phrasengespickten, einfachen, aber auch druckreifen Sätzen, die er oft mit englischen Wendungen abschließt, and that’s it.

Mit 22 beginnt Kindel beim Rennbahn-Express, steigt dort bald zum Chefredakteur auf. „Der war damals ein wichtiges Medium. Und wenn etwa Seal in der Redaktionsküche sitzt und Kaffee trinkt, dann lernst du bald, Prominente als das zu betrachten, was sie sind: ganz normale Menschen.“ 1992 wechselt er zur neugegründeten Nachrichtenillustrierten News. Dort schreibt er die Kolumne „Society Inside“, in regelmäßigen Abständen interviewt er dafür jene österreichischen Adabeis, die bis heute den Gutteil heimischer Klatschspalten füllen. „Unsere Vorgabe: ein Aufriss pro Woche. Auf diese Art verlierst du deine Scheu.“

Doch Georg Kindel will mehr als nur berichten. Eines Abends, in einem Fernsehbeitrag auf CNN, begegnet ihm jener Mann, den er zur Verwirklichung seiner Pläne braucht.

Kindel schickt ihm jeden zweiten Tag ein Fax, ruft immer wieder in Moskau an. Nach zwei Monaten gewährt ihm Michail Gorbatschow die gewünschte Audienz.

Der österreichische Journalist und der letzte Präsident der kommunistischen Sowjetunion treffen einander in einer schummrigen Hotelbar, „mit abgewetzten Ledersitzen, einer Discokugel und goldenen Bilderrahmen an der Wand“. Es war in Jackson, Tennessee. Dort hielt Gorbatschow, damals dauergebuchter Festredner für Frieden und Menschenrechte, einen Vortrag.

Kindel erzählt ihm von seiner Idee, einer Preisverleihung für verdiente Männer. Gorbatschow zeigt sich angetan. Aus 15 Minuten Gesprächszeit, die die Sicherheitsleute Kindel eingeräumt haben, werden zweieinhalb Stunden. Am Ende wird Kindel Gorbatschow als jahrelangen Unterstützer gewonnen haben. Dafür zahlt er in die wohltätige Stiftung des Exstaatschefs. „Gorbatschow hat mir die Tür geöffnet“, sagt Kindel. „Die Erfahrungen dieses Treffens bestätigten eine Lektion, die ich schon in meiner journalistischen Karriere gelernt habe: Ein Nein ist kein Nein.“

Zwei Monate später findet in der Wiener Hofburg der erste „Men’s World Award“ statt. Kindel sorgt für das Ambiente und die Sponsoren, Gorbatschow lockt mit seinem Namen prominente Auszuzeichnende. Maximilian Schell, José Carreras, Simon Wiesenthal und der Herzchirurg Christiaan Barnard erhalten Preise. Österreichische Politiker tauchten nicht auf; in Wien hatten manche die klingende Gästeliste samt Moderator Gorbatschow gar für Hochstapelei gehalten, so schnell war sie organisiert worden, so unvermittelt kam sie daher. Am nächsten Tag ist auf Societyseiten noch von üblichen Verdächtigen die Rede, Christiane Hörbiger, Niki Lauda am „Award“-Buffet. Die österreichischen Schreiber wissen noch nicht ganz, wie der überraschende Promieinfall einzuordnen ist.

„Kindel hat ein feines Gespür für das momentane Interesse der breiten Masse“, sagt ein Szenekenner. Dieses momentane Interesse schwappt, von Medien geleitet, wie eine Welle von Thema zu Thema. Kindel, sagt der Kenner, erfasse die Welle und verleihe ihr in einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung Ausdruck. Bis die nächste heranbrandet.

Beim ersten „Award“ ist Männergesundheit das Thema. Der Begriff „Metrosexualität“ taucht damals erstmals in Massenmedien auf, die Werbung entdeckt Kosmetikprodukte für den Mann. Kindel reagiert prompt und schreibt mit dem Internisten und Fernsehdoktor Siegfried Meryn zwei leicht lesbare Ratgeberbücher zum Thema, „Kursbuch Mann“ und „Der Mann 2000“. Sie werden Bestseller. Kurz darauf lässt Georg Kindel, der bei News noch nicht gekündigt hat, Michail Gorbatschow in einem Interview Wohlfühltipps für den Mann geben. Und einige Tage später wirbt die glitzernde Preisverleihung für rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen und sexuelle Potenz im Alter.

Beim zweiten „Award“, 2001 in der Hofburg, stehen die Anschläge vom 11. September 2001 im Mittelpunkt. In einer rührigen Zeremonie werden die New Yorker Feuerwehrleute geehrt, die todesmutig Terroropfer aus den Ruinen des World Trade Center gezerrt haben. Steven Spielberg, Alain Delon, Paul McCartney und CNN-Chef Ted Turner sind unter anderem gekommen. Türöffner Gorbatschow wirkt, seine Unterstützung legitimiert die Veranstaltung. Sie gibt ihr den erforderlichen bedeutenden, ernsthaften, humanistischen Anstrich. Sie ermöglicht auch, dass die Prominenten weder Honorare für ihr Erscheinen noch Preisgelder für die Awards verlangen – die Ehre einer Preisübergabe aus Gorbatschows Händen muss genügen. Kindel hat auf den richtigen Mann gesetzt.

Als sich Michail Gorbatschow im Jahr 2005 aus Altersgründen von seinem Engagement zurückzieht, sind Georg Kindels Veranstaltungen schon zu einer fixen Größe geworden. „Sie haben schnell eine Eigendynamik angenommen.“ Die Taktik funktioniert, die Namen werden prominenter, die Gästelisten länger. Und im Juni dieses Jahres begreift Georg Kindel das nächste momentane Interesse, das wie ein Sturm durch die breite Masse wogt: den Tod von Michael Jackson.

Der „Save The World Award“ im folgenden Monat findet im Regen statt, vor der Stahlbetonmauer des ehemaligen Kernkraftwerks von Zwentendorf. Anlässlich des Erscheinens von Jermaine Jackson, Michaels Bruder, hat Kindel die Veranstaltung kurzerhand zu einer Gedenkfeier für den Verstorbenen umkonzipiert.

Jackson kommt mit Frau und Kindern, er hält sich zum ersten Mal in Wien auf, er bleibt eine volle Woche. „Er war extrem begeistert von der Stadt und der Veranstaltung“, erzählt Kindel. „Er hat wortwörtlich gesagt: Dieser Event hat Hollywoodniveau.“ Jackson besichtigt die Ringstraße, die Spanische Hofreitschule, das Schloss Schönbrunn, in dem er sich drei Stunden aufhält. Am Ende des Besuchs tritt er mit der Idee des Tribute-Konzerts an Kindel heran. Hier, vor der beeindruckenden Barockfassade Schönbrunns, soll es stattfinden. Hier, wo er seinen vifen Kompagnon Georg Kindel kennengelernt hat.

„Ich habe mich weder angedient noch irgendwo angeklopft“, sagt Kindel. „Ich habe mich eigentlich auf einen netten Urlaub mit meiner Familie gefreut, auf einem Bauernhof bei Schladming. Aber dann kam Jermaine Jackson mit seinem Angebot. Und wenn man so eines bekommt, kann man schwer Nein sagen.“

Mit diesem Projekt, vermuten Szenekenner, könnte Kindel sich allerdings übernommen haben.

Einer von ihnen berichtet von „entsetzlichem Chaos“ bei den Konzertvorbereitungen in Kindels Büro. Die Erwartungen sind – nicht zuletzt ob der eigenen Ankündigungspolitik – immens. Jermaine Jackson trat in der CNN-Show „Larry King Live“ auf, kündigte dort vor Millionen Zusehern das Wiener Tribute-Konzert am 26. September an. Und heimische Medien bringen vergnüglich Namen ins Spiel, um sie gleich darauf als völlig illusorisch zu verwerfen.

„Acht Wochen für einen Event dieser Größenordnung sind eine verdammt kurze Zeit“, sagt sogar Kindel selbst. Er setzt auf Jermaine Jackson, der „die Stars organisiert“. Der Tod seines Bruders hat Jermaine zwar zur wichtigen Figur werden lassen, dennoch zweifeln manche an seinen Kontakten zu den gewünschten Prominenten – bei der Trauerfeier für seinen Bruder in Los Angeles tauchte fast nur die schwarze Künstlergemeinde der USA auf. „Selbst wenn es Jackson gelingt, beispielsweise Madonna anzurufen“, sagt etwa Veranstalter Herbert Fechter, ein Branchenkollege Kindels, „und er sie zu einem Wien-Auftritt überreden kann – sie muss den Termin mit ihren Verpflichtungen in Einklang bringen, mit Agentenwünschen und übervollen Kalendern.“ Und was, wenn das in der kurzen Zeit nicht funktioniert? „Dann schickt sie halt eine kurze Videobotschaft.“

Georg Kindel wird sein ganzes Gewicht, seine Kontakte, die neun Jahre seiner „Awards“ in die Waagschale werfen müssen. Denn am Samstag, dem 26. September 2009, in einem Monat weniger einen Tag, wird feststehen, ob das alles nicht nur ein großer Bluff gewesen ist.



Kimmel, Baha, Jackson – Die Sponsoren und Helfer Georg Kindels

Kindels Firma ist die 2005 gegründete World Awards GmbH in der Marc-Aurel-Straße. Dort arbeiten rund 20 Personen permanent an der Vorbereitung des Konzerts, wobei zahlreiche Aufgaben an andere Firmen im In- und Ausland ausgelagert wurden.

Vor 2005 sponserte vor allem der Unternehmer und Coachingbuchautor Peter Kimmel die Veranstaltungen Kindels. 2005 trat, zeitgleich mit der Gründung der World Awards GmbH, der Hedgefonds Superfund als neuer Hauptsponsor auf. Superfund, gegründet vom Wiener Expolizisten Christian Baha, gilt branchenintern als umstritten, weil die Investments von einem Computer getätigt werden, der kein Korrektiv durch Menschen zulässt. Das grüne Superfund-Logo ist bei Kindels Veranstaltungen regelmäßig großzügig platziert. Experten nennen den Werbewert „unbezahlbar“ – wegen geballter Prominenz und weltweiter Fernsehpräsenz. Beim Jackson-Tribute wird sich Superfund jedoch im Hintergrund halten. Da die Sponsorverträge mit dem Finanzdienstleister trotzdem weiterlaufen, bleibt Georg Kindel nach eigener Aussage im Fall seines Scheiterns vor einem finanziellen Desaster bewahrt.

Laut Kindel wurde bereits „die Hälfte“ der rund 65.000 Tickets für das Jackson-Tribute verkauft. Nach anderen Quellen beträgt das bisherige Verhältnis zwischen In- und Ausländern bei den Verkäufen etwa 50:50. 1400 Mitarbeiter werden rund ums Konzert im Einsatz sein. Die Künstler bekommen kein Honorar, aber sämtliche Spesen. Der Vertrag mit Schönbrunn wurde vergangenen Donnerstag unterzeichnet.

Die Karten werden gestaffelt vertrieben, um den Schwarzmarkt zu unterbinden. Beim Verkaufsstart vor zwei Wochen ging einiges schief: Erst brach die Internetseite des Veranstalters zusammen. Dann sorgte ein Hackerangriff dafür, dass neben einer Preiskategorie „eh auch super“ zu lesen war. Auf die Frage, welche Künstler fixiert sind, antwortet Kindel: „Das müssen Sie Jermaine Jackson fragen.“ Am 7. September soll im Rathaus in Anwesenheit Jacksons und Vizebürgermeisterin Renate Brauner das Line-up bekanntgegeben werden.

Als Geschäftsführer der World Awards GmbH fungiert neben Kindel auch der Steuerberater Roman Gregorig. Der war vorher für das Börsensoftwareunternehmen TeleTrader tätig, das seinerseits auf Superfund-Chef Christian Baha zurückgeht.

Erschienen im Falter 36/09

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STADTRAND – Ein geschickter virtueller Kriminalfall

Kennen Sie Jane Bürgermeister? Das ist eine investigative Journalistin aus Wien, freischaffend tätig, wohnhaft im 18. Bezirk, Gentzgasse 14/9/12. In Nächten unermüdlicher Recherche hat Bürgermeister herausgefunden, dass die WHO und der US-Pharmakonzern Baxter einen Anschlag mit Grippeviren durchgeführt haben – und jetzt von den Folgen profitieren. Bürgermeister hat sofort geklagt. Eine Kopie der Klage samt Stellungnahme des österreichischen Gesundheitsministeriums und diverser anderer Dokumente finden sich im Internet zum Download. Jane Bürgermeister gibt Interviews, betreibt einen Weblog, hat sogar einen Wikipedia-Eintrag. Und doch ist sie nur eine – zugegebenermaßen geschickte – Internetente. Kürzlich wurde Jane Bürgermeister vom Webmagazin Renewable Energy World gefeuert, berichtet sie. Ihre Recherche kam dem Arbeitgeber offenbar ungelegen. Jetzt kann man sie mit Spenden unterstützen. Die Bank-Austria-Kontodaten stehen auf ihrer Homepage – und Jane dankt jedem Spender mit einer kurzen Erwähnung in ihrem Weblog.

Erschienen im Falter 36/09

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Mittwoch, 26. August 2009

Ein Quantum Spannung

Stadtmensch Roman Mittermayr geht nach Amerika. Vorher aber schickt er noch 16 junge Leute in ein wildes Geheimdienstrollenspiel, für das Wien als Kulisse dient

Reportage: Joseph Gepp

Es ist der letzte Sommer, den Roman Mittermayr als Student der Wirtschaftsuniversität in Wien verbringt. Danach wird er in den USA bei Microsoft in der Produktplanung arbeiten, „mit amerikanischem Gehaltsschema, fantastisch“. Wäre es nun nicht Zeit gewesen für eine längere Reise, bevor es ernst wird? Oder für einen Monat auf der Donauinsel? Mittermayr versteht die Frage nicht.

„Ich wollte dieses Ding einfach aufziehen. Und Wien eignet sich gut dafür. Aber noch lieber wäre mir, wenn das erst der Anfang ist. Wenn nächstes Jahr Riesenstädte folgen, New York oder Tokio. Riesige Menschenmengen, das wär’n Ereignisse!“

Roman Mittermayr, schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarzes Brillengestell, wenig Gel in den Haaren, ein freundlicher, umtriebiger, schnell sprechender 25-Jähriger. Vor seiner Übersiedlung in die USA wollte er noch ein Projekt verwirklichen. Die Idee kam ihm im Mai, bei einem Bier. Sie wurde größer und größer. Heute, am Tag des Finales, steht Mittermayr mit 30 ehrenamtlichen jungen Kollegen in einem Innenstadtbüro. Die Stimmung ist hektisch. Von der Wand leuchtet ein projizierter Stadtplan mit roten Markierungen. Das sind, per Handy geortet, die 16 Agenten, die durch Wien hetzen.

„Wenn du eine verrückte Idee hast“, sagt er, „gibt es nur zwei Arten von Reaktionen: Die einen halten sie für völligen Schwachsinn. Die anderen sind restlos begeistert.“

„Vienna Project“ nennt sich Roman Mittermayrs Idee zu einem Rollenspiel. Als Hintergrund dient eine Geschichte, die wahren weltpolitischen Begebenheiten entliehen ist: Zwei Geheimagenten stehlen in Teheran brisante Dokumente über das iranische Atomprogramm. Sie werden aufgespürt und festgenommen. Einem dritten Agenten gelingt es jedoch, mit den kopierten Akten zu fliehen. Er will nach Wien, ins Hauptquartier der Internationalen Atomenergiebehörde. Unterwegs aber, in Bratislava, verschwindet der Agent spurlos. Ziel des Spiels ist, ihn wieder aufzutreiben. Zuerst im Internet, dann im echten Leben.

Mittermayr suchte Menschen, die ihm bei der Realisierung des Projekts helfen konnten. Er fand einen Pädagogen, der den Spielablauf konzipierte. Einen Programmierer, der den Internetauftritt plante. Einige professionelle Schauspieler. Er selbst kümmerte sich um Sponsoren. Am Ende hatten sie Hotelzimmer, schwarze Limousinen und multifunktionale Mobiltelefone aufgetrieben. Nun konnten diejenigen Aspiranten, die sich bei der Lösung diverser Interneträtsel besonders hervorgetan hatten, ihren Schritt in die Realität tun.

„Wir haben zum Beispiel kommentarlos Zahlenreihen auf Twitter gepostet“, erklärt Mittermayr eines der Onlinerätsel. „Das waren in Wahrheit Geo-Koordinaten. Sie führten zu einem Postkasten in der Naglergasse, unter dem ein Kuvert klebte. Darin lag ein Ticket für die Endrunde.“

Diese Endrunde zog sich über den ganzen vergangenen Samstag. Vorbeifahrende Motorradfahrer drücken den Spielern Zettel mit Informationen in die Hände. Die Agenten treffen V-Männer in Parks. Sie lösen Zahlenrätsel in Cafés, die ihnen den Weg zum nächsten Treffpunkt weisen. Sie treten in Ländergruppen gegeneinander an, Russland, Iran, USA und Österreich. Am Ende wird die Siegergruppe in einem efeubewachsenen Innenhof im Stadtzentrum den verschollenen Agenten aufspüren.

„Es gibt zwei Arten von Rollenspielen“, sagt Roman Mittermayr, „jene im Internet. Und jene in Burgruinen, bei denen man sich als Elfen und Ritter verkleidet. Aber wir wollten etwas Realeres machen.“ Er nennt ein paar Filme, die ihn inspiriert hätten, „James Bond“, „The Bourne Identity“, vor allem „The Game“ mit Michael Douglas. „Die Spieler müssen psychisch voll eingenommen sein. Am Ende des Tages müssen sie sich fragen: Ist dieses Motorrad, das gerade vorbeifährt, noch Teil des Spiels? Oder gehört es schon zum echten Leben?“

Eine Stunde später. Im Edelitaliener Vapiano in der Herrengasse treffen einander Russland und Iran. Es sind fünf Frauen und drei Männer, niemand älter als 30. Ein Spielleiter, der sich als Diplomat ausgibt, gibt einige schnelle Instruktionen und verschwindet wieder. Russland und der Iran sollen nun Informationen austauschen. Welche, ist ihnen aber nicht klar; außerdem soll der jeweils anderen Gruppe nicht unbedacht ein Vorteil verschafft werden. Also taxiert man einander misstrauisch. „Wenn wir nur wüssten, was wir von euch wissen wollen sollen“, beginnt eine verzweifelte Russin zu den Iranern, „dann wüssten wir auch, wie wir die Frage formulieren sollen, die wir euch stellen müssen.“ Die Iraner aber geben sich ohnehin bedeckt, wollen „den Auftrag nicht gefährden“. Kurz danach piepst Russlands Handy und die Gruppe läuft los, die Herrengasse hinunter.

Roman Mittermayr steht währenddessen im Büro, reibt sich die Hände und schaut auf die Punkte der Straßenkarte, die sich plangemäß weiterbewegen. In wenigen Minuten steht die Entführung der Russen an. Unter dem Vorwand einer Dokumentenübergabe wird man sie in ein Auto locken. Die Tür wird zufliegen, der Wagen „wie im Film wegrasen“. Im Inneren werden zwei Schauspieler dann die desorientierten Agenten mit Plastikgewehren bedrohen, ihnen Personenfotos unter die Nase halten und sie anherrschen, wer die Gezeigten seien. Und schließlich wird man die Spieler irgendwo wieder hinauslassen. „Dieser Abschnitt“, sagt Roman Mittermayr, „wird mit Abstand der härteste Teil des Spiels.“

Die Russen aber lassen sich von der Entführung nicht abhalten. Stunden später werden sie als erste jenen Hinterhof finden, in dem der verschollene Agent steht. Ganz so, wie das im Plot vorgesehen war.


The Vienna Project: The Vanished Agent



Erschienen im Falter 35/09

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Der Wagenplatz: von politischer Feigheit und schlechter Presse

Kommentar Wiener Stadtpolitik

Eine Karawane zieht durchs Wiener Sommerloch. Sie war schon in Simmering, am Donauufer, nahe der Arena, auf den Aspanggründen. Und Presse, Standard, Wiener Zeitung, ORF und andere Medien verfolgen aufmerksam jeden ihrer Schritte.

Bis vor wenigen Wochen wusste kaum jemand, dass es in Wien eine Gruppe Alternativer gibt, die statt im Gemeindebau lieber im Wohnwagen leben. Jetzt wissen es alle. Mangels wichtigerer Ereignisse spielt sich das Umhertreiben des Wiener Wagenplatzes unter dem Vergrößerungsglas der Öffentlichkeit ab. Und das Rathaus hat, was es sonst so eifrig zu verhindern sucht: schlechte Presse.

Es begann in Simmering. Von dort musste der Wagenplatz aus widmungsrechtlichen Gründen weichen. Es folgten langwierige Verhandlungen mit der Gemeinde, die schließlich in der Donaustadt einen alternativen Standort anbot. Dann aber startete die Bezirks-FPÖ eine Kampagne. Die SPÖ-Regierung zog sich zurück – schließlich ist Vorwahlzeit. Sie tat das, indem sie den bereits ausverhandelten Pachtpreis um das 40fache erhöhte. Die Wagenbewohner zogen verärgert von dannen. So berichteten es Betroffene und beteiligte Rathausbeamte dem Falter (siehe Ausgabe 26/09).

Was darauf folgte, war das Sommerloch, in dem kleine Konflikte oft groß werden. Die Karawane hat ihren Platz verloren und trampelt jetzt durch Stadt und Medien. Erst im Lauf des Septembers wird es wieder ruhiger um sie werden.

Die SPÖ war im Umgang mit dem Wagenplatz weder restriktiv noch kulant. Sie fuhr einen Zickzackkurs, hat in der Mitte aus Angst um Wählerstimmen kehrtgemacht. So etwas rächt sich. Vor allem im Sommer.

Erschienen im Falter 35/05

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STADTRAND – Nebulose Wiener Großveranstaltungen

Ungefähr jedes halbe Jahr finden in Wien Großveranstaltungen statt, deren Zweck niemand wirklich versteht. Dann karrt ein prominenter Hedgefonds prominente Menschen in die Stadt, lässt sie im Hotel Imperial absteigen, sorgt für jede Menge mediale Aufmerksamkeit. Und doch bleiben die Veranstaltungen merkwürdig schemenhaft, weil sie so plötzlich daherkommen und so wenig in den sonstigen gesellschaftlichen Kosmos dieser Stadt passen. Erinnern Sie sich etwa noch an den „Women’s World Award“ im März, zu dem sogar die jordanische Königin kam? Oder an jene bizarre Veranstaltung in Zwentendorf vor einigen Wochen, die irgendwie Michael Jackson gewidmet war und irgendwie auch nicht? Jedenfalls sah die regennasse Prominenz vor der regennassen Stahlbetonmauer des Kraftwerks ziemlich abstrus aus. Jetzt soll außerdem – um diese Reihe fortzusetzen – ein Gedenkkonzert für Michael Jackson in Schönbrunn stattfinden. Das Line-up kennt im Gegensatz zu den Ticketpreisen noch niemand. Wien, Stadt der merkwürdig nebulosen Großveranstaltungen.

Erschienen im Falter 35/09

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